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Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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Ray Wilson – Über GENESIS, Gesang und Musik an sich

Gerade bei seinen Konzerten zeigt sich, daß Ray Wilson sowohl Arbeiter als auch Künstler ist. Momentan ist er mit Genesis Classic unterwegs, die einzige erschwingliche Möglichkeit, Songs der Superstars mit einem ihrer Originalsänger zu hören. Michael Schübeler nahm die Strapazen einer sechsminütigen Autofahrt auf sich, um dem in Polen lebenden Schotten vor dem ausverkauften 130-Minuten-Gig [...]

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Ray Wilson – Über GENESIS, Gesang und Musik an sich

31. Januar 2015

Gerade bei seinen Konzerten zeigt sich, daß Ray Wilson sowohl Arbeiter als auch Künstler ist. Momentan ist er mit Genesis Classic unterwegs, die einzige erschwingliche Möglichkeit, Songs der Superstars mit einem ihrer Originalsänger zu hören. Michael Schübeler nahm die Strapazen einer sechsminütigen Autofahrt auf sich, um dem in Polen lebenden Schotten vor dem ausverkauften 130-Minuten-Gig in der Stadthalle Brakel (in der Besetzung Ray Wilson (Gesang, Akustikgitarre), Steve Wilson (Leadgitarre, Backing Vocals), Marcin Kajper (Bass, Saxophon, Querflöte), Mariusz Koszel (Drums), Donavan Aston (Keyboards, toller Gesang bei „Don´t Give Up“!) und Steffi Hölk (Violine)) ein paar Fragen zu GENESIS, Gesang und Musik an sich (sic!) zu stellen.

 

 

 

MS: Als ich mir die Fotos im Booklet der DoCD/DVD „20 Years And More“ angeschaut habe, fiel mir spontan der Titel für diesen Artikel ein: „Arbeiter und Künstler“. Findest du dich darin wieder?

 

Ray Wilson: Ja, definitiv. Nur wenige Künstler wie ich kennen sich mit allen Aspekten des Business´ aus. Nach meiner Zeit mit GENESIS beschloß ich, wirklich die Kontrolle über meine Karriere zu übernehmen. Alles was ich herausbringe, alles was ich mache, das ganze Equipment, die Anlage, das Licht wird von dem finanziert was ich tue. Ich vermute, manchmal muß ich ein paar Kompromisse eingehen, habe aber andererseits die Freiheit, zu tun was ich will. Und das ist mir den Preis wert.

 

MS: Kreative Freiheit ist das Größte für jeden Künstler.

 

Ray: Das ist es. Und ich habe das. Natürlich sind in meinem Publikum Leute, die „That´s All“ oder „Land Of Confusion“ oder „Carpet Crawlers“ oder einen Peter Gabriel-Song hören wollen. Das sind großartige Lieder. Ich genieße es, tolle Stücke zu spielen. Ich versuche, eine Balance zu finden aus dem, was die Leute aus der großartigen Welt von GENESIS hören wollen und der Musik, die ich selbst komponiere. Dieses Gleichgewicht habe ich jederzeit im Blick.

 

MS: Was mich schon immer gewundert hat: Die spielst ja auch GENESIS-Songs, an denen du nicht mitgeschrieben hast. Gibt es da keine Probleme mit dem Urheberrecht?

 

Ray: Was Aufführungen betrifft nicht. Ich könnte mich hinstellen und eine Beatles-Show spielen, wenn ich wollte. GEMA, MCPS und ähnliche Gesellschaften sammeln schließlich Geld für diese Dinge. Und so sollte es auch sein. Jeder sollte jeden großartigen Song spielen dürfen. Es ist doch schön, andere Künstler deine Lieder spielen zu hören!

 

MS: Denkst du, du kannst einem Song etwas Neues hinzufügen, wenn du ihn akustisch spielst, im besten Fall sogar eine neue Dimension?

 

Ray: Nun, manche Songs funktionieren akustisch sehr gut, andere überhaupt nicht, sofern du kein Wahnsinnsgitarrist bist (was ich nicht bin). Ich bin ein leidlicher Gitarrist. Meine Stärke ist das Singen. Besonders die tiefen Lagen liegen mir. Meinen Stimmumfang kenne ich gar nicht, aber ich denke, daß meine Stimme ziemlich charakteristisch ist. Kraft und Wiedererkennungswert, darauf kommt es an. Das gilt besonders bei Akustik-Konzerten, wo du dich als Sänger nicht hinter der Technik verstecken kannst.

Ich glaube, bei bestimmten Songs kann etwas Neues passieren, wenn sie auf das Wesentliche reduziert werden, egal ob man sie solo auf der akustischen Gitarre oder auf dem Klavier oder auf was auch immer spielt. Wenn du letztes Jahr ein Peter Gabriel-Konzert gesehen hast: Er hat die Show nur mit dem Piano begonnen.

Ich bin auch ein großer Fan von Jackson Browne. Und er gefällt mir besser, wenn er einfach nur akustische Gitarre spielt, als mit der Band. Er konzentriert sich stärker auf den Text. Das Charisma von dem, was er sagt und die Grundmelodie kommen voll zur Geltung.

 

MS: Weißt du sofort, ob ein Song akustisch funktioniert oder mußt du es erst ausprobieren?

 

Ray: Na ja, eine gewisse Vorstellung hat man schon. Wenn du einen Song wie „Calling All Stations“ hörst, erkennst du gleich, daß er akustisch nicht besonders gut funktioniert. Ebenso offensichtlich ist z.B. bei „Not About Us“, dass es geht, weil das Stück bereits auf der akustischen Gitarre geschrieben wurde. Aber es gibt auch Überraschungen: „In The Air Tonight“ kommt akustisch richtig klasse rüber, was man nicht unbedingt vermuten würde, wenn man das Original hört.

Zu Beginn meiner Solokarriere habe ich eine Version von „Carpet Crawlers“ auf der Akustik-Gitarre gemacht. Das funktionierte sehr gut. Es hatte nicht mehr das Piano-Arpeggio, für das es berühmt ist, aber es ist melodisch so stark, daß es sich einfach gut anhörte.

 

MS: Aber die Krönung in deiner aktuellen Show ist das Saxophon!

 

Ray: Ja, das Saxophon hat dem, was ich mache, eine neue Dimension hinzugefügt. Ich bin ein großer Fan der E Street Band. Wenn ich meinen Lieblingskünstler nennen müßte, wäre das wahrscheinlich Bruce Springsteen. Er ist der beste Liveperformer von allen. Ich liebe Clarence Clemons. Er war ein wunderbarer Musiker mit einer ungeheuren Präsenz. Ich mag das Saxophon im Rock´n´Roll; einfach aufgrund der Energie, die es freisetzt.

Ich stehe auch sehr auf gute Lyrics. Ich mag es, wenn der Künstler eine Geschichte erzählt. Von Leonard Cohen gibt es einen Song („Anthem“), in dem es heißt: „Ring the bells that still can ring. Forget your perfect offering. There is a crack in everything. That´s how the light gets in.“ And I LOVE that! Es bedeutet, daß es die Unzulänglichkeiten sind, die Seele verleihen, es real werden lassen. Es sind die Risse, die harten Zeiten, die Rückschläge, die das Licht hereinlassen. Dadurch wird es dir überhaupt erst möglich, dich weiterzuentwickeln.

 

MS: In deinem ellenlangen Tourplan habe ich gesehen, daß du mit vier Line-Ups unterwegs bist.

 

Ray: Wahrscheinlich sind es sogar noch mehr! Das hängt ganz von den Orten ab, in denen ich auftrete. Wenn ich beispielsweise eine kleine Show in der Schweiz spiele, in Laufen, in einem winzigen Club mit 40 Leuten, dann gebe ich ein Solokonzert. Das ist eine ganz andere Erfahrung! Ich mag das sehr, und natürlich geben mir die größeren Shows, die Genesis Classic-Shows wie heute Abend die Freiheit, diese kleinen Sachen zu machen, bei denen ich mir keine Gedanken zu machen brauche, ob ich Geld verdiene oder verliere. Es ist einfach nicht wichtig! Und es ist schön, diese Freiheit zu haben. Die kommt – vermute ich – von den wenn du so willst kommerzielleren Arbeiten, die ich hin und wieder mache. Das sichert mir das Einkommen, um das zu tun, was ich künstlerisch tun will.

 

MS: Was, denkst du, ist der Aspekt, den du GENESIS hinzugefügt hast, als du in der Band warst?

 

Ray: Ein wenig jugendlichen Schwung, vermute ich! Ich denke, das trifft auch auf Nir Z (Zidkyahu) zu, den Drummer, der mit uns gearbeitet hat. Vor allem, wenn wir live gespielt haben, haben wir der Band ein wenig jugendliche Energie verliehen, die ihnen abging.

 

MS: Und als Komponist?

 

Ray: Ich denke nicht, daß ich besonders viel dazugepackt habe. Ich denke, mit mehr Zeit hätte ich es gekonnt.

 

MS: Ja! Ich fand, auf „Calling All Stations“ herrschte eine andere Dynamik.

 

Ray: Ja. Rückblickend würde ich sagen, es war zu 60 bis 70% ein gutes Album. Der Rest hätte besser sein können. Ein Song wie „Small Talk“, den ich mit ihnen geschrieben habe, war bestimmt keine Glanzleistung. Trotzdem haben sie ihn für das Album ausgewählt. Wenn du dir dagegen so was wie „Solsbury Hill“ anhörst: Das ist eine ähnliche Art von Song, aber um so vieles besser als „Small Talk“!

 

MS: Woran liegt das?

 

Ray: Wenn ich darauf zurückblicke, denke ich, wir hätten mehr Zeit zusammen gebraucht. Es sind schon einige gelungene Momente drauf. Der Song „Calling All Stations“ selbst ist hervorragend, finde ich. Er besitzt alle Qualitäten, die man von GENESIS erwartet. „Not About Us“ ist ebenfalls sehr gelungen. Es steht für sich selbst. Das ist eine andere Art von Song, aber einfach gut! „There Must Be Some Other Way“ ist auch gelungen. Oder „One Man´s Fool“, das Tony (Banks) verfaßt hat.

 

MS: Es sind viele „Grower“ auf dem Album!

 

Ray: Definitiv. Doch es sind auch Momente darauf, die besser sein könnten, die man vielleicht als Bonustracks hätte verwenden können. Wir hätten noch sechs Monate Ideen entwickeln sollen.

 

MS: Apropos Bonustracks: Hast du mal die remasterte Version gehört?

 

Ray: Tatsächlich: Nein! Ich bat sie, mir ein Exemplar zu schicken. Haben sie nie gemacht. Ich hatte seinerzeit danach Ausschau gehalten, fand aber keines. Ich habe die Überarbeitung also nie gehört. (lacht herzlich)

 

MS: Wie siehst du deine Entwicklung als Songwriter? Setzt du heute andere Schwerpunkte?

 

Ray: Wie gesagt: Mir gefällt ein Lied immer dann, wenn es etwas aussagt. Und natürlich ist es, wenn du dich hinsetzt, um ein Album mit 12 oder 15 Songs zu schreiben, echt schwierig, 12 oder 15 interessante Dinge zu finden, zu denen du dich äußern kannst.

 

MS: Zumal niemand mehr eine so lange Aufmerksamkeitsspanne besitzt!

 

Ray: Ja, die ist heutzutage sehr kurz. Deshalb bewegst du dich normalerweise in den sattsam bekannten Bahnen und schreibst über Liebe und Gefühle wie Wut, Haß oder die Suche nach dem Sinn des Lebens. Da komme ich wieder auf Bruce Springsteen zurück: Er singt immer und immer wieder über dieselben Themen – und ich werde es nie leid! Wenn jeder seiner Songs von Liebe handeln würde – mir wär´s egal! Ich liebe es einfach, mir anzuhören was der Kerl macht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es so gesund ist, das zu überanalysieren. Ich weiß nicht genau, wie stark es darauf ankommt, wovon das Lied handelt, solange der Song selbst Tiefe hat.

Natürlich wäre es schön, lyrisch so kompetent wie Bob Dylan oder Leonard Cohen zu sein. Doch in der Realität hast du als Künstler vielleicht ein oder zwei kurze Momente, in denen du etwas ganz Besonderes kreierst. Dabei bist du aber nicht einmal ansatzweise so beständig wie diese Koryphäen.

Wenn du ein Stück fertiggestellt hast, findest du es grundsätzlich erst einmal gut. Sonst würdest du es gewiß nicht beenden. Du würdest stattdessen zum nächsten übergehen und hoffen, daß dir das besser gelingt.

Es ist schon vorgekommen, daß ich einen Song geschrieben habe, den ich nicht sonderlich mochte, der aber ein Publikumsliebling wurde. Das ist z.B. bei „American Beauty“ passiert. Mir hat der Song nie wirklich gefallen, aber beim Publikum ist er unheimlich beliebt. Ich habe darüber geschrieben, wie sich amerikanische Soldaten im Irak und in Afghanistan fühlen müssen. Was ich versuchte zu sagen, besaß also durchaus eine gewisse Tiefe, aber ansonsten war der Song arg formelhaft und vorhersehbar. Das behagte mir nicht. Aber wie gesagt, der Song ist nun mal äußerst populär, also was ist richtig und was ist falsch? Auf der anderen Seite habe ich ein Stück wie „Another Day“, das musikalisch, textlich und von der Melodie her richtig klasse ist. Wahrscheinlich einer der besten zwei oder drei Songs, die ich je komponiert habe. Und den habe ich vor 20 Jahren geschrieben!

Dieses Interview erscheint auf Musikansich.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIMPLE MINDS – Big Music (MAS-Version)

24. Januar 2015

(Embassy Of Music/Warner)

CD1: 12 Tracks, 51:49 min.

CD2: 6 Tracks, 26:06 min.

VÖ: 31.10.14

Ihre letzte CD „Graffiti Soul“ hatte mir sehr gut gefallen. Nach einer schier endlosen musikalischen Odyssee hatten SIMPLE MINDS offenbar wieder in die Spur gefunden. Da das bereits über fünf Jahre her ist, waren meine Erwartungen an das neue Album noch höher.

Zunächst war ich von „Big Music“ auch echt begeistert. Kurz darauf hätte ich das Ding am liebsten in die Ecke gefeuert. Die 52 Minuten sind mit Elektronik-Elementen vollgepackt. Das funktioniert mal wunderbar, dann wieder überhaupt nicht. Mittlerweile habe ich an den Songs inklusive ihrer Inszenierung meinen Spaß. Es hat extrem lange gedauert, bis ich in der Lage war, für jede Nummer meinen Blickwinkel zu verändern.

Der Einstieg gerät überragend. Die ersten drei Stücke sind Spitzenklasse. „Honest Town“ erinnert vom ersten bis zum letzten Ton an die 99-Pfennig-Feten auffem Dorf! „Blindfolded“, „Midnight Walking“, „Blood Diamonds“ und das bereits live gespielte THE CALL-Cover „Let The Day Begin“ (fällt in die Kategorie „Perfekter Song“!) sind glänzende Perlen, die funkeln und strahlen wie kleine Sonnen. Spaßfaktor 10!

Auch das Titelstück wurde bereits bei Konzerten präsentiert und riß die Massen mühelos mit. Die bis zum Platzen aufgeblähte Studiofassung klingt dagegen erschreckend schwach, einfach nach gar nichts. Substanz gleich Null! Dafür ist es laut, wahnsinnig laut. Wozu nur?! Da hat man offenbar den Song- und Albumtitel allzu wörtlich genommen. Ein schwerer Fehler, der wehtut (vor allem in den Ohren), aber unverzeihlich ist das: Wie kann man nur ein komplettes Album mit E-Drums zumüllen, wenn man einen der besten britischen Schlagzeuger in seinen Reihen hat?!? Daß ein Mel Gaynor so etwas mit sich machen läßt… Unbegreiflich! Ach was, unfaßbar!

Dabei haben die Schotten es gar nicht nötig, einem mit billigen Methoden ihre Songs ins Hirn zu prügeln oder sich auf Krampf auf modern zu trimmen. Aber sie haben es nun mal gemacht. Nun muß sich der Hörer mit einem Wechselbad der Gefühle herumschlagen. Das sieht dann so aus: „Imagination“ führt beide Welten in perfekter Harmonie zusammen. „Midnight Walking“ und „Broken Glass Park“, ähnlich in Machart und Atmosphäre, machen von der ersten Sekunde an süchtig, umgarnen dich wie ein Hauch und knistern dabei vor subtiler Spannung. Eine klirrende Gitarre, facettenreiche Keyboardsounds und herrlich luftige Passagen: Pluspunkte, von denen man nicht genug kriegen kann. „Spirited Away“, ein Musterbeispiel für kompositorisches Feingefühl, zeigt zum Ausklang noch einmal die ganze Klasse und Souveränität der SIMPLE MINDS.

Deshalb versteht man erst recht nicht, wie Electro in Reinkultur à la „Kill Or Cure“, das verworrene „Concrete And Cherry Blossom“ und vor allem das völlig tote „Human“ (im Kern ein echt guter Song, der so lange bearbeitet wurde, bis er sich nicht mehr rührte…) auf diesem Silberling landen konnten. Ein ewiges Auf und Ab – anstrengend! Aber irgendwie auch verdammt geil… Zumal einen die genannten Highlights bis in den Schlaf verfolgen. Haunting melodies… Ja, das ist wahrhaft „große Musik“!

Das gilt auch für die zweite CD, die von vorne bis hinten begeistert. „Swimming Towards The Sun“ hat etwas Hypnotisches. „Bittersweet“ und das wavige „Liaison“ betören mit der SM-typischen Melancholie, und das bereits live von Sarah Brown gesungene „Dancing Barefoot“ von Patti Smith muß man ebenso wie das eigenwillig umgesetzte DOORS-Cover „Riders On The Storm“ einfach gehört haben!

Hätte man die erwähnten Schwachpunkte gegen diese Stücke getauscht, „Big Music“ hätte zwar keinen Titelsong mehr, wäre aber ein Kandidat für das Album des Jahres.

Die DVD ist zum Abschluß leider wieder zwiespältig geraten: Die Videos von „Blindfolded“ und „Honest Town“ sind ganz okay, aber was die drei anderen Songs sollen, von denen es nur Schnipsel gibt, kapiere ich einfach nicht. Auf der anderen Seite lohnt sich allein für die Geschichten hinter „Honest Town“ und „Big Music“ der Kauf der „Deluxe Edition“.

Somit ist „Big Music“ trotz der verwirrenden Qualitätsschwankungen und unnötiger Soundmätzchen ein lohnenswertes Package.

Dieses Review erschien auf musikansich.de und auf Amazon.de

SIMPLE MINDS – Big Music

24. Januar 2015

(Embassy Of Music/Warner)

CD1: 12 Tracks, 51:49 min.

CD2: 6 Tracks, 26:06 min.

VÖ: 31.10.14

Ihre letzte CD „Graffiti Soul“ hatte mir sehr gut gefallen. Nach einer schier endlosen musikalischen Odyssee hatten SIMPLE MINDS offenbar wieder in die Spur gefunden. Da das bereits über fünf Jahre her ist, waren meine Erwartungen an das neue Album noch höher.

Zunächst war ich von „Big Music“ auch echt begeistert. Kurz darauf hätte ich das Ding am liebsten in die Ecke gefeuert. Die 52 Minuten sind mit Elektronik-Elementen vollgepackt. Das funktioniert mal wunderbar, dann wieder überhaupt nicht. Mittlerweile habe ich an den Songs inklusive ihrer Inszenierung meinen Spaß.

Der Einstieg gerät überragend. Die ersten drei Stücke sind Spitzenklasse. „Honest Town“ erinnert vom ersten bis zum letzten Ton an die 99-Pfennig-Feten auffem Dorf! „Blood Diamonds“ und das bereits live gespielte THE CALL-Cover „Let The Day Begin“ sind glänzende Perlen, die funkeln und strahlen wie kleine Sonnen. Spaßfaktor 10!

Auch das Titelstück wurde bereits bei Konzerten präsentiert und riß die Massen mühelos mit. Die aufgeblähte Studiofassung klingt dagegen erschreckend schwach, einfach nach gar nichts. Substanz gleich Null! Dafür ist es laut, wahnsinnig laut. Wozu nur?! Da hat man offenbar den Song- und Albumtitel allzu wörtlich genommen. Ein schwerer Fehler, der wehtut (vor allem in den Ohren), aber unverzeihlich ist das: Wie kann man nur ein komplettes Album mit E-Drums zumüllen, wenn man einen der besten britischen Drummer in seinen Reihen hat?!? Daß ein Mel Gaynor so etwas mit sich machen läßt… Unbegreiflich! Ach was, unfaßbar!

Dabei haben die Schotten es gar nicht nötig, einem mit billigen Methoden ihre Songs ins Ohr zu prügeln oder sich auf Krampf auf modern zu trimmen. Aber sie haben es nun mal gemacht. Nun muß sich der Hörer mit einem Wechselbad der Gefühle herumschlagen. Das sieht dann so aus: „Imagination“ führt beide Welten in perfekter Harmonie zusammen. „Midnight Walking“ und „Broken Glass Park“, ähnlich in Machart und Atmosphäre, machen von der ersten Sekunde an süchtig und knistern vor subtiler Spannung. Eine klirrende Gitarre, facettenreiche Keyboardsounds und herrlich luftige Passagen: Pluspunkte, von denen man nicht genug kriegen kann. „Spirited Away“, ein Musterbeispiel für kompositorisches Feingefühl, zeigt zum Ausklang noch einmal die ganze Klasse und Souveränität der SIMPLE MINDS.

Deshalb versteht man erst recht nicht, wie Electro in Reinkultur à la „Kill Or Cure“, das verworrene „Concrete And Cherry Blossom“ und vor allem das völlig tote „Human“ (im Kern ein echt guter Song, der so lange bearbeitet wurde, bis er sich nicht mehr rührte…) auf diesem Silberling landen konnten. Ein ewiges Auf und Ab – anstrengend! Aber irgendwie auch verdammt geil… Zumal einen die genannten Highlights bis in den Schlaf verfolgen. Haunting melodies… Ja, das ist wahrhaft „große Musik“!

Das gilt auch für die zweite CD, die von vorne bis hinten begeistert. „Swimming Towards The Sun“ hat etwas Hypnotisches. „Bittersweet“ und das flotte „Liaison“ betören mit der SM-typischen Melancholie, und das bereits live von Sarah Brown gesungene „Dancing Barefoot“ von Patti Smith muß man ebenso wie das eigenwillig umgesetzte DOORS-Cover „Riders On The Storm“ einfach gehört haben!

Hätte man die erwähnten Schwachpunkte gegen diese Stücke getauscht, „Big Music“ hätte zwar keinen Titelsong mehr, wäre aber ein Kandidat für das Album des Jahres.

Die DVD ist zum Abschluß leider wieder zwiespältig geraten: Die Videos von „Blindfolded“ und „Honest Town“ sind ganz okay, aber was die drei anderen Songs sollen, von denen es nur Schnipsel gibt, kapiere ich einfach nicht. Auf der anderen Seite lohnt sich allein für die Geschichten hinter „Honest Town“ und „Big Music“ der Kauf der „Deluxe Edition“.

Somit ist „Big Music“ trotz der verwirrenden Qualitätsschwankungen und unnötiger Soundmätzchen ein lohnenswertes Package.

Dieses Review erscheint im EMPIRE #109 (1/15)