Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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GOJIRA – Magma (EMPIRE-Version)

(Roadrunner/Warner) 10 Tracks, 43:56 min. VÖ: 17.6.16 Zumindest für ihr neues Album gehen GOJIRA weg von den episch langen Werken, die einen überwältigen und faszinieren, aber auch überfordern und erschlagen können. Die 10 Songs auf „Magma“ laufen knapp unter 44 Minuten ein, weil das Quartett aus Bayonne eine Platte machen wollte, die man am Stück [...]

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Aktuelle Interviews

GOJIRA – Magma (EMPIRE-Version)

31. Oktober 2016

(Roadrunner/Warner)

10 Tracks, 43:56 min.

VÖ: 17.6.16

Zumindest für ihr neues Album gehen GOJIRA weg von den episch langen Werken, die einen überwältigen und faszinieren, aber auch überfordern und erschlagen können. Die 10 Songs auf „Magma“ laufen knapp unter 44 Minuten ein, weil das Quartett aus Bayonne eine Platte machen wollte, die man am Stück hören kann und deshalb ganz bewußt viel gekürzt hat. Wie viele extreme Bands vor ihnen standen die Musiker vor der Frage: „Was kommt als Nächstes, wenn man Tempo und Technik bis an die Grenzen des Menschenmöglichen ausgereizt hat?“ Wie bei den meisten ihrer Kollegen ist auch bei GOJIRA eine Zäsur die Antwort. Soll heißen: Weg vom Death Metal, hin zu rockigeren Klängen und einer stärkeren Betonung auf Groove, weg von technischer Komplexität um ihrer selbst willen, hin zu einer gewissen Leichtigkeit. Kurz: Weniger Wahnsinn, mehr Methode.

Dabei herausgekommen sind die bis dato nachvollziehbarsten Songs. Deren stringente Strukturen schaffen Räume, die bis zur Decke mit dunkler Atmosphäre, durchzogen von Hoffnung, gefüllt werden. Daß die Mutter der Brüder Duplantier während des Entstehungsprozesses von „Magma“ verstarb, hat besonders das Titelstück beeinflußt und macht ihr sechstes zu ihrem persönlichsten Album. Auf der anderen Seite steht die Begeisterung über das selbst errichtete eigene Studio in New York. Was man ebenfalls nicht vergessen darf: Joe und Mario haben mittlerweile beide Nachwuchs. Das motiviert ungemein und setzt enorme kreative Kräfte frei!

„Silvera“ zeigt, wie viel sich Joe heute gesanglich zutraut. Der Song verdeutlicht zudem, welche neuen Qualitäten GOJIRA zusätzlich zu ihren bewährten Trademarks entwickelt haben und wie Alt und Neu zusammenwirken.

Doch egal, wie anders GOJIRA 2016 auch klingen mögen, „Only Pain“, „Pray“ mit seinem monströsen Baß oder „Stranded“ liefern immer noch genug Stakkato, um jeden KATATONIA- und MESHUGGAH-Fans zu begeistern.

Auch wenn bei der Tiefe der Melodien und dem Grad der Intensität noch nicht das Maximum erreicht ist, beweist „Magma“ eines ganz klar: Eine Gruppe kann weniger komplex und trotzdem progressiver denn je klingen. Und fragile Parts hatten die Franzosen schon immer in ihrer Musik.

Die ganze Klasse dieser Platte werden neue Fans eher erkennen als Anhänger der ersten Stunde, denen die Vorgänger die Sicht versperren.

BRYAN ADAMS – Wembley 1996 Live (DVD) (EMPIRE-Version)

28. Oktober 2016

(Eagle Rock/Universal Music)

24 Tracks, ca. 143 min.

VÖ: 14.10.16

Daß die Masterbänder von wertvollen Studio- und Liveaufnahmen in irgendwelchen Archiven vergammeln, kennt man eher von Plattenfirmen. Der vorliegende Mitschnitt stammt jedoch von Bryan Adams selbst! Das letzte Europa-Konzert am 27. Juli 1996 wurde zwar in 25 Länder übertragen, aber der kanadische Superstar hatte das im Keller seines Studios gelagerte Bildmaterial schlicht vergessen. Zum 20-jährigen Jubiläum erscheint dieser Schatz nun doch noch. Und das ist gut so, denn live war und ist Adams immer klasse. Im Verlauf der 143 Minuten ist man ein ums andere Mal baff, wie rockig die 24 Songs von der Rampe gefeuert werden. Vor allem Leadgitarrist Keith Scott brennt ein Feuerwerk nach dem anderen ab. Im selten gespielten „Touch The Hand“ explodiert er geradezu, nachdem er kurz zuvor bei „Have You Ever Really Loved A Woman?“ noch mit spanischen Klängen und einem Picking zum Zungeschnalzen begeistert hatte. Überhaupt die Balladen: Während man sie auf Platte und durch inflationären Radioeinsatz schnell leid wird, zählen sie live ohne Wenn und Aber zu den Höhepunkten; nicht nur stimmungsmäßig, sondern – und das ist die eigentliche Überraschung – auch musikalisch. Den Unterschied macht ganz klar die Extraportion Drive, die, sofern sie auf Konserve überhaupt mal aufblitzt, sofort rigoros glattgebügelt wird.

Zum Glück fällt derartiges Kalkül bei den Livedarbietungen weg. Stattdessen kann sich der Betrachter an einer perfekt harmonierenden Band erfreuen, die unbekümmert drauflosrockt und von den 13 Songs des damals aktuellen Albums „18 Til I Die“ sechs spielt. Das muß sein, zumal alle die Studioversionen locker toppen. Ich bin aber doch angesäuert, daß mein Lieblingsalbum „Into The Fire“ komplett ignoriert wird. Was ist mit „In The Heat Of The Night“?!

Keine Frage, 70.000 Fans sind eine eindrucksvolle Kulisse. Dennoch muß man einschränkend sagen, daß ich mir bei jeder Totalen vom Publikum vorstelle, wie die gleiche Masse an Menschen in Südamerika abgehen würde. Trotzdem ist die Stimmung natürlich sehr gut. Erst recht, als die Band fünf Songs auf einer kleinen Bühne mitten unter den Fans zockt. Oder wenn bei „It´s Only Love“ Melissa Etheridge den Part von Tina Turner übernimmt. Oder Bryan einen Fan auf die Bühne holt, der spontan die erste Strophe von „Summer Of ´69“ singt (Wieso hat der Typ nix an?).

Weiterhin auffällig: Adams´ Mitmusiker sind allesamt sehr gute Sänger, vor allem Bassist Dave Taylor sticht heraus. Und natürlich ist es nur der Zeit geschuldet, aber trotzdem geil: Endlich nerven mal keine unablässig flackernden Handy- oder Smartphoneglühwürmchen! Was für eine Wohltat!

WES BORLAND – Crystal Machete (EMPIRE-Version)

10. Oktober 2016

(Edison Sound Records)

11 Tracks, 61:30 min.

VÖ: 27.4.16

Die Jungs und Mädels vom Empire haben es weiß Gott nicht immer leicht mit mir. Frei nach Marc Storace von KROKUS sage ich: „Wer das bestmögliche Resultat will, muss mich einfach machen lassen!“ Die Kollegen wissen so gut wie nie, was sie von mir kriegen. Ist das aufregend? Nervt es? Keine Ahnung. Es macht mir auf jeden Fall einen Heidenspaß, ihnen einen fertigen Text vor den Latz zu knallen. Oftmals, nein, sogar meistens ist es aber auch so, daß ich im Vorfeld selbst nicht weiß, wer und was mein nächstes „Opfer“ sein wird. Ich stoße zufällig auf ein Album oder eine Kritik und verspüre den unwiderstehlichen Drang, darüber zu schreiben. Warum gerade darüber und nicht über das Werk direkt daneben kann ich ebenfalls oft nicht sagen und erst recht nicht begründen.

Das erste Soloalbum von Wes Borland ist so ein Fall. Bei seiner Stammformation LIMP BIZKIT hat mich bislang nicht einmal ein Anflug des erwähnten Dranges gestreift – und jetzt gleich die volle Ladung! Wie auch immer das eigene Urteil am Ende ausfällt, „Crystal Machete“ ist auf jeden Fall ein außergewöhnliches Album, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zunächst mal hat Borland es bislang ausschließlich als Download „einfach so“ auf den Markt gebracht, ohne jede Vorankündigung. Doch vor allem ist es zwar das Soloalbum eines Gitarristen, aber kein Gitarrenalbum. Im Vorfeld hatte sich der 41-Jährige nämlich drei Regeln auferlegt: 1. Kein menschlicher Gesang. 2. Keine verzerrte Gitarre. 3. Keine Hilfe von irgendwem, außer beim Mastering. Der Künstler hat tatsächlich alles selbst gemacht. „Crystal Machete“ ist also ein „echtes“ Soloalbum. Das klingt spannend, und das Endergebnis ist dann auch stimmig und stimmungsvoll ausgefallen.

„Crystal Machete“ ist der Soundtrack zum gleichnamigen imaginären Science Fiction-Film aus den Achtziger Jahren und gespickt mit den entsprechenden Sounds. Wes Borland hat viel Zeit und Mühe darauf verwendet, herauszufinden, mit welchen Geräten diese Sounds erzeugt wurden. Der Vorspann „Main Titles“ steigert sich langsam, vor dem geistigen Auge schwebt ein Raumschiff heran, der Name Stanley Kubrick ploppt ins Bewußtsein. Über „Vltava“ und „Jubilee“ steigern sich die Melodien, bei gleichbleibend gemächlichem Tempo. Bloß keine Hektik! Erst die Synthie-Nummer „White Stallion“ kommt flott, poppig, peppig und mit Ohrwurmmelodie daher. Genau so ein Stück hat Wes Borland bei der Idee zu diesem Projekt im Kopf gehabt. Kein Wunder, daß es der Favorit der Netzgemeinde ist. Die Steigerung folgt direkt im Anschluß: „Sayonara Big C“ klingt, als habe der Musiker aus der „Tetris“-Melodie Musik gemacht. Die übrigen sechs Titel mögen zunächst gleichförmig, zu elektronisch, allzu relaxt und ruhig, ja langweilig erscheinen, doch das täuscht gewaltig! Dieser Eindruck ist vor allem darauf zurückzuführen, daß Wes Borland mit „Crystal Machete“ etwas Schönes, Erwachsenes schaffen wollte, „das zeitlos ist und nicht schockiert“. Dieses Ziel hat er zweifellos erreicht: Chillige 62 Minuten für Fans von TANGERINE DREAM, KRAFTWERK (Titelsong!) und VANGELIS, die all ihre Facetten erst im Dunkeln unter dem Kopfhörer preisgeben, deren Zauber langsam und dann doch ganz plötzlich in vollem Glanz erstrahlt. Ziemlich abgedreht. Und ziemlich gut. Sogar sehr gut. Das Korsett von LIMP BIZKIT ist für diesen Künstler längst zu eng geworden. Seine heute zwiespältige Haltung zu den LB-Alben untermauert dies.

Dieses Review erscheint im EMPIRE #118 (5/16)