Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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RAGE – Vorbericht zum Konzert am 3.10.2014

Positive Wut in der Stadthalle Nach 30 Jahren ist es endlich soweit: Am Freitag, den 3. Oktober, gibt die deutsche Power Metal-Institution RAGE auf ihrer Jubiläumstournee erstmals ein Konzert in der Stadthalle in Steinheim.   1984 in Herne als AVENGER gegründet, wechselte man aufgrund der Namensgleichheit mit einer englischen Gruppe – die sich im Jahr [...]

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Aktuelle Interviews

RAGE – Vorbericht zum Konzert am 3.10.2014

08. September 2014

Positive Wut in der Stadthalle

Nach 30 Jahren ist es endlich soweit: Am Freitag, den 3. Oktober, gibt die deutsche Power Metal-Institution RAGE auf ihrer Jubiläumstournee erstmals ein Konzert in der Stadthalle in Steinheim.

 

1984 in Herne als AVENGER gegründet, wechselte man aufgrund der Namensgleichheit mit einer englischen Gruppe – die sich im Jahr darauf ironischerweise auflöste – zu RAGE. Inklusive der AVENGER-Periode hat die international erfolgreiche Band 21 Studioalben veröffentlicht. Peter „Peavy“ Wagner, einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ist eigentlich gelernter Präparator und kann trotz der Download-Problematik und stetig sinkender Umsätze der Plattenindustrie seit 1987 von der Musik leben.

1996 wurden RAGE einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie mit dem Prager Symphonieorchester die CD „Lingua Mortis“ aufnahmen, das als erstes Klassik-Metal-Crossover einer deutschen Band gilt. Der frühere DSDS-Juror Thomas Stein, damals Chef ihres Labels BMG, war so begeistert, daß er den Musikern die Mittel bewilligte, um das aufwändige Projekt zu realisieren. Als Krönung gingen RAGE mit einem kompletten Orchester auf Tour (unter anderem als Co-Headliner in Wacken 1997) und spielten eine zweistündige Show im „Rockpalast“.

Mit dem Einstieg des ausgebildeten Klassikmusikers Victor Smolski 1999 begann für RAGE eine neue Zeitrechnung. Der Sohn des bekannten weißrussischen Komponisten Dmitri Smolski hat Gitarre und Komposition studiert und eröffnet der Gruppe in jeder Hinsicht ganz neue Möglichkeiten, wie den Mitschnitt einer Live-DVD in St. Petersburg. Abseits der Musik feiert der 45jährige auch als Rennfahrer Erfolge, unter anderem auf seiner Lieblingsstrecke, der Nordschleife des Nürburgrings.

Ein besonderes Ereignis in der bewegten Geschichte von RAGE ist die Teilnahme am Bundesvision Song Contest. Das seit 2007 durch den Ex-AXXIS-Drummer André Hilgers verstärkte Trio war bei „TV Total“ zu Gast gewesen und Moderator Stefan Raab hatte die Musiker um einen deutschsprachigen Song gebeten und sie bei der Gelegenheit gefragt, ob sie nicht selbst an dem Wettbewerb teilnehmen wollten. Das eindrucksvolle Resultat: Bei der Veranstaltung am 13. Februar 2009 belegten RAGE als Vertreter Nordrhein-Westfalens mit dem in einem Hotelzimmer in Osaka komponierten Lied „Gib dich nie auf“ den dritten Platz.

Bevor 2015 eine neue CD erscheint, feiern RAGE erst einmal ihr 30jähriges Bestehen. Bei dem Konzert in der Stadthalle Steinheim am 3. Oktober dürfen sich die Fans auf so manche Überraschung freuen.

Dieser Artikel erscheint im BLICKPUNKT STEINHEIM am 18.9.2014

So war es vorgesehen. Aufgrund eines “Mißverständnisses” bezüglich der Bezahlung wurde daraus jedoch nichts. Sauerei!

RAGE – Vorbericht zum Konzert am 3.10.2014 (1. Version)

07. September 2014

Positive Wut in der Stadthalle

Nach 30 Jahren ist es endlich soweit: Am Freitag, den 3. Oktober, gibt die deutsche Power Metal-Institution Rage auf ihrer Jubiläumstournee erstmals ein Konzert in der Stadthalle in Steinheim.

 

1984 in Herne als Avenger gegründet, wechselte man aufgrund der Namensgleichheit mit einer englischen Gruppe – die sich im Jahr darauf ironischerweise auflöste – zu Rage. Inklusive der Avenger-Periode hat die international erfolgreiche Band 21 Studioalben veröffentlicht. Peter „Peavy“ Wagner, einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ist eigentlich gelernter Präparator und kann trotz der Download-Problematik und stetig sinkender Umsätze der Plattenindustrie seit 1987 von der Musik leben.

1996 wurden Rage einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie mit dem Prager Symphonieorchester die CD „Lingua Mortis“ aufnahmen, das als erstes Klassik-Metal-Crossover einer deutschen Band gilt. Der frühere DSDS-Juror Thomas Stein, damals Chef ihres Labels BMG, war so begeistert von dem, was er da hörte, daß er den Musikern die Mittel bewilligte, um das aufwändige Projekt zu realisieren. Als Krönung gingen Rage mit einem kompletten Orchester auf Tour (unter anderem auch in Wacken 1997) und waren mit einem zweistündigen Auftritt im „Rockpalast“ zu sehen.

Mit dem Einstieg des ausgebildeten Klassikmusikers Victor Smolski 1999 begann für Rage eine neue Zeitrechnung. Der Sohn des bekannten weißrussischen Komponisten Dmitri Smolski hat Gitarre und Komposition studiert und eröffnet der Gruppe in jeder Hinsicht ganz neue Möglichkeiten, wie den Mitschnitt einer Live-DVD in St. Petersburg. Abseits der Musik feiert der 45jährige auch als Rennfahrer Erfolge, unter anderem auf seiner Lieblingsstrecke, der Nordschleife des Nürburgrings.

Ein besonderes Ereignis in der bewegten Geschichte von Rage ist die Teilnahme am Bundesvision Song Contest. Am 13. Februar 2009 belegte das seit 2007 durch Drummer André Hilgers (zuvor bei Axxis) verstärkte Trio als Vertreter Nordrhein-Westfalens mit dem in einem Hotelzimmer in Osaka komponierten Lied „Gib dich nie auf“ den dritten Platz bei dem nationalen Musikwettstreit. Rage waren in einer Ausgabe von „TV Total“ zu Gast und Moderator Stefan Raab bat die Gruppe um einen deutschsprachigen Song und fragte bei der Gelegenheit gleich an, ob sie nicht selbst an dem Wettbewerb teilnehmen wollte.

Bevor 2015 eine neue CD erscheint, feiern Rage erst einmal ihr 30jähriges Bestehen. Bei dem Konzert in der Stadthalle Steinheim am 3. Oktober wird es sicherlich die eine oder andere Überraschung geben.

 

 

ERIK NORLANDER – Kunst und Kommerz

03. September 2014

Mit „Music Machine“ hat Erik Norlander sein bisher bestes Solowerk veröffentlicht. Da ist der Titel „CD des Monats“ fast schon folgerichtig. Und dieses Interview natürlich auch…

 

 

MS: Wie bist du darauf gekommen, ein ganzes Album über Manipulation in der Musik zu machen?

 

Erik: Ich denke über dieses Thema schon lange nach. Und es heißt ja immer, daß ein Schreiber sich über Dinge auslassen soll, mit denen er sich auskennt. Und hierüber weiß ich ja nun wahrhaftig einiges, haha! Ich habe die inneren Abläufe in der Musikindustrie auf vielen verschiedenen Ebenen gesehen.

Und in der Welt gibt es definitiv eine „Musikmaschine“! Das ist eine Musikfabrik, die Popstars „herstellt“. Jeder von Britney Spears bis zu den Boybands. Selbst in der Metal- und Gothic-Welt gibt es Acts, die ein wenig zu sehr festen Formeln folgen.

 

MS: Ist „Music Machine“ auch eine Reaktion auf die „Bands“, die zur Zeit überall zusammengecastet werden? Das ist eine Beleidigung eines jeden Musikers, der sich den Arsch aufreißt, um mit einer eigenen Band und eigenem Material auf einen grünen Zweig zu kommen.

 

Erik: Natürlich. Johnny America, die Hauptperson der Geschichte, wird schließlich auch „gemacht“. Ich denke, daß Kunst und Geschäft niemals glücklich zusammenleben werden. Zwischen den beiden wird immer ein Konflikt herrschen.

 

MS: Ja! Musik und Geld vertragen sich nicht!

 

Erik: Nein, keinesfalls. Es wird immer eins auf Kosten des anderen im Vordergrund stehen. Wenn du ein ernsthafter Künstler sein willst und dir kreative Integrität wichtig ist, wirst du nie viel Geld machen. Wenn du richtig Kohle machen willst, solltest du bereit sein, deine Kreativität und Integrität und all das aufzugeben.

Hier in den Vereinigten Staaten haben wir eine Show namens „American Idol“, die echt lächerlich ist. Ich weiß, ähnliche Shows gibt es ebenfalls in ganz Europa. Ich glaube, das fing in England an. Das ist wie du gesagt hast eine Riesenpeinlichkeit für echte Musiker und Künstler – einfach eine Beleidigung!

In mancherlei Hinsicht ist „Music Machine“ eine Satire auf diese Welt.

 

MS: Du weißt immer sehr genau, was du machen willst, wenn du ein neues Projekt in Angriff nimmst. Hattest du den Ablauf der Geschichte von Anfang an so im Kopf, wie er jetzt auf dem Album ist, etwa das doch recht negative Ende?

 

Erik: Ja, definitiv. Ich hatte das ganze Konzept genau so im Kopf.

Tatsächlich war der Song „Music Machine“, der erste und letzte Song mit Gesang auf dem Album, das war das Erste, was ich für das Album schrieb. Selbst das „Reprise“ am Ende hatte ich mir alles als ein Teil gedacht und dann die Mitte ausgefüllt, als das Ganze Gestalt annahm. So it´s definitely a clear vision from start to finish.

 

MS: Ich kann mir vorstellen, daß die Linernotes von Tasten-Ikone Rick Wakeman für dich wie ein Ritterschlag sein müssen.

 

Erik: Ha! Das hast du schön gesagt! Ja, es ist wirklich eine Ehre.

Ich traf ihn 2001, als Lana und ich eine Europatour absolvierten. Ich spielte ein Solokonzert auf einem Festival in Holland, Alpha Centauri hieß das. Rick war der Headliner, und ich spielte direkt vor ihm. Morgens gaben wir eine Pressekonferenz. Ich saß da, und er setzte sich neben mich, und ich sagte: „Hi, Rick! Ich bin Erik Norlander!“ Er sagte: „Ja, ich weiß! Ich habe alle deine Alben!“ Da war ich echt baff! Er kannte mich schon, haha! Wir hingen den Tag über zusammen rum. Er ist ein witziger Bursche, immer gut drauf.

Als es dann an der Zeit für „Music Machine“ war, dachte ich, er wäre der perfekte Mann. Also habe ich ihn gefragt, und er hat glücklicherweise zugesagt.

 

MS: Der einzige Song, mit dem ich nicht so ganz klarkomme, ist der letzte, „Sky Full Of Stars“. Was möchtest du damit ausdrücken? Meiner Ansicht nach hätte man eine musikalische Aussage auch in kürzerer Zeit machen können…

 

Erik: Nun, meine Vorstellung für den song war, daß Johnny America deprogrammiert wurde und nun den Rest seines Lebens im Verborgenen verbringt, so ähnlich wie in einem Zeugenschutzprogramm, wenn jemand gegen das organisierte Verbrechen aussagt und zum Schutz eine neue Identität bekommt, um an einem anderen Ort zu leben.

Daher zeigt „Sky Full Of Stars“ Johnny als alten Mann, der in den Himmel schaut und auf sein Leben zurückblickt. Und wenn du da sitzt, speziell in einer natürlichen Umgebung, und meditierst oder dich an Dinge erinnerst, das ist nichts, das schnell geschieht. Es ist eine sehr lange, friedvolle Zeit.

Und das war es, was ich mit dem Song vermitteln wollte. Weißt du, die Melodie ist nicht so kompliziert, die hätte ich ein paar Mal weniger spielen können. Dann wäre der Song 5 oder 6 Minuten lang geworden anstatt der 10, die es schlußendlich geworden sind.

Ich wollte, daß sich die Stimmung und dieser nachdenkliche, meditative Zustand richtig festsetzen. Und das dauerte eben 10 Minuten.

 

MS: Andererseits ist das ein Stück, in dem man wirklich versinken und sich verlieren kann. Das würde nicht passieren, wenn es kürzer wäre.

In der Hinsicht ist es der perfekte Schluß für das Album: Es ist kein Ende. Es kann auch ein neuer Anfang sein!

 

Erik: Ja, da stimme ich dir zu. Und ich sage dir: Wir haben den Song auf unserer Tour im Juni live gespielt, die vollen 10 Minuten, und es wurde bei keinem Konzert langweilig. Die Leute haben gewunken und sich wirklich hineingefunden. Es war eien Chance, das Lied live zu spielen, denn ich wußte ja nicht, wie die Leute auf 10 Minuten ohne Gesang reagieren würden.

Am Ende war es sehr spacig und gleichzeitig verträumt. Ich wußte nicht, wie es rüberkommen würde, aber es war einer der Höhepunkte bei den Konzerten.

 

MS: Wie und wo hast du Scott Kail entdeckt? Ein toller Sänger, von dem ich noch nie zuvor etwas gehört habe.

 

Erik: Ja, er ist ein phantastisches Talent! Ich lernte ihn durch Tony Franklin, unseren Bassisten, kennen. Scott arbeitet als Session-Sänger hier in Los Angeles.

Er besitzt wahrscheinlich die größte CD-, Vinyl- und Videosammlung, die ich je gesehen habe. Er wird von der Rock´n´Roll Hall Of Fame, MTV, VH1 und all diesen Musiksendern hinzugezogen, wenn sie Dokumentationen oder Specials über Rockbands der Siebziger, die BEATLES oder wen auch immer machen.

Angenommen, sie machen eine Dokumentation über die ROLLING STONES, und sie wollen wissen: „Welche Version von „Gimme Shelter“ haben sie bei diesem Konzert 1973 in New York gespielt?“ Dann rufen sie Scott an – und er weiß die Antwort!

Und ich denke, er bringt das in seinen Gesang ein. Er kombiniert viele klassische Sänger. Ich höre bei ihm Robert Plant, Mick Jagger, Paul Rodgers, David Bowie. Er vereint all diese Sänger in seinem eigenen Stil. Daher hielt ich ihn für die perfekte Besetzung, um die Rolle des Johnny America zu singen.

 

MS: Auch Kelly Keeling habe ich noch nie besser singen hören.

 

Erik: Ja! Du hast ja bereits in deinem Review geschrieben, daß du meinst, er hätte einen viel besseren Job gemacht als bei HEAVEN AND EARTH.

 

MS: Lana meinte dazu: „Du kannst eine Stimme einfach nur produzieren oder versuchen, sie so gut wie möglich zu präsentieren.“

 

Erik: Das stimmt. Auf der Tour im Juni war Kelly mit dabei, und er war ganz phantastisch! Es war, als wäre er schon immer bei uns gewesen. Ich denke, wir werden in Zukunft noch viel mehr zusammen machen.

 

MS: Du trittst erstmals auf einem deiner eigenen Alben als Sänger in Erscheinung. Du bist die Computerstimme, richtig?

 

Erik: Ja. Ich singe mit einem Vocoder. Das ist eine Art Synthesizer, durch den man singen kann. Ich dachte, das wäre ein netter Kontrast zu all den fabelhaften Sängern auf der Platte.

 

MS: Wenn ich die Story und die Texte nicht kennen würde, hätte ich gedacht, daß du dich hinter den Effekten versteckst. Als hättest du kein Vertrauen in die Stärke deiner stimme, weil du kein „echter“ Sänger bist. Ist da auch etwas Wahres dran?

 

Erik: Ja, das ist absolut wahr. Ich meine, ich kann zwar singen, aber wenn du mich neben Kelly Keeling setzt… Das ist ein Witz! Das brauche ich gar nicht erst zu versuchen. But I thought it was fun! Ich dachte, es würde Spaß machen, den Vocoder zu benutzen und Multitrack-Harmonien zu integrieren, wie ich es bei „The Fire Of Change“ gemacht habe. Ich fand, das wäre ein hübscher Kontrast zu all den tollen Sängern.

Auf „The Fire Of Change“ singe ich eine Harmonie zusammen mit dem Vocoder. In der zweiten Strophe kommt Scott Kail dazu, sehr rauh, sehr natürlich, sehr unbearbeitet, und dann singt Mark Boals den Refrain. Ich stehe da voll drauf, wie sich der Song aufbaut mit diesen 3 Stimmen.

 

MS: Das ist übrigens einer der besten Songs auf der Platte.

 

Erik: Oh, danke! Ich bekomme viel positives Feedback auf den Song. Ich weiß, er wird hier in den Vereinigten Staaten von einigen Radiosendern gespielt.

Das war für mich der unwahrscheinlichste Song. Ich hätte nie gedacht, daß das ein Favorit auf dem Album werden würde. Ich hätte da eher auf „Heavy Metal Symphony“ oder vielleicht „Turn Me On“ getippt, daß eienes dieser Lieder populärer wäre.

Aber die Leute mögen „The Fire Of Change“ wirklich. Das scheint einer der Hits zu sein. Wenn man es denn so nennen kann, haha.

 

MS: Wie bist du mit Buck Dharma in Kontakt gekommen? Hattest du für „Lost highway“ noch andere Sänger im Sinn?

 

Erik: Zu deiner zweiten Frage: Nein. Und zur ersten: Ich habe Buck durch einen italienischen Journalisten getroffen. Ich gab ihm ein Interview zu „Into The Sunset“. Er fragte mich nach meinen Einflüssen. Ich antwortete: „Natürlich all diese Progressive-Bands. Aber ich mag auch auch die alten Hardrock-Bands wie DEEP PURPLE, BLACK SABBATH und BLUE OYSTER CULT.“ Und er sagte: „Oh, ich habe gerade ein Interview mit Buck Dharma gemacht, gestern erst! Ich glaube, ihm würde deine Musik gefallen. Ich würde ihm gerne deine CD schicken!“ Das hat er gemacht, und Buck schickte mir daraufhin eine E-Mail, in der er schrieb, daß sie ihm gefiel, und daß wir mal versuchen sollten, gemeinsam was auf die Beine zu stellen.

Im Laufe der Jahre wurden wir Freunde. Wann immer er und ich in derselben Stadt sind, kommen wir zusammen und jammen ein bißchen. Bei „Music Machine“ schien es schließlich an der Zeit zu sein, ihn mit auf eine Platte zu nehemn. Ich sandte ihm „Lost Highway“ zu, er liebte es – und so ist es eben passiert!

 

MS: Alles was du machst ist für einen Außenstehenden in jeder Hinsicht perfekt. Spürst du dadurch irgendeinen Druck, immer noch eins draufzusetzen? Das läßt sich ja nicht unendlich fortsetzen, mit noch mehr Arbeit, noch mehr Zeit, noch mehr Technik. Irgendwann wirst du zwangsläufig auch mal einen Schritt zurückgehen müssen, weil „mehr“ einfach nicht geht.

 

Erik: Ja, das ist wahr. Ich denke, das hast du an Lanas Katalog gesehen, daß es da so eine Art Ebbe und Flut beim Umfang der Projekte gibt.

Wir haben z.B. „Secrets Of Astrology“ gemacht, was eine wirklich große Produktion war. Wir nahmen zur Hälfte in Europa und zur Hälfte in Los Angeles auf. Direkt danach stellten wir unsere zweite Balladen-Kollektion zusammen. Das war eine sehr einfache Produktion, die komplett in Los Angeles stattfand. Das ganze Album hatte einen sehr glatten, Ambient-artigen Sound. Ich denke, das war schon ein massiver Gegensatz zu „Secrets Of Astrology“. Dann machten wir „Project Shangri-La“, das vom Aufwand her vielleicht ein bißchen zwischen den beiden Vorgängern lag. Danach kam die „Covers Collection“, die wieder eine eher leichte Angelegenheit war.

Ich kann mir vorstellen, daß dasselbe mit meinen Alben passiert. Mein erstes, Threshold“ war ein ganz simples Projekt, einfach nur Keyboards, Baß und Drums, sowie ein paar verschiedene Sänger. Ansonsten ging bei diesem Album alles sehr schnell. Vom Produktionsaufwand ist „Music Machine“ ganz klar der größte Schritt bisher.

 

MS: Mit „Return Of The Neurosaur“ findet sich darauf auch ein kleiner Hinweis auf deine Vergangenheit.

 

Erik: Ja, ganz eindeutig. Ich wollte gerne ein kleines bißchen dorthin zurückgehen. Ich hatte das Gefühl, daß das Stück „Return Of The Neurosaur“ etwas vom Feeling der Bridge vom Originalstück „Neurosaur“ auf „Threshold“ hat.

Ich mochte den Groove mit der sich wiederholenden Baßline und den absteigenden, spacigen Akkorden darüber. Diese Sequenz kann ich stundenlang spielen. Darum wollte ich das unbedingt irgendwo auf „Music Machine“ unterbringen.

 

MS: Das kann aber auch einige Leute verwirren. Sie fragen sich vielleicht: „Was hat das mit der Geschichte von Johnny America zu tun?“

 

Erik: Nun, am Ende der ersten CD beginnt Johnnys Abstieg, sein Fall. Das fängt mit „Soma Holiday“ an. „Soma Holiday“ ist ein Zitat aus dem Buch „Brave New World“, wo die Bevölkerung permanent betäubt wird, um sie träge und gefügig zu halten. Und damit ist die Verbindung, daß Johnny jetzt betäubt und behandelt wird, um ihn linientreu und seine Rolle als konstruierter Megastar aufrechtzuerhalten.

Als er also in diese Art Soma-Trance fällt, beginnt er zu halluzinieren und sieht diese verschiedenen Dinge. Und eines der Dinge, die er sieht, ist die Rückkehr des Neurosauriers. Der Neurosaurier kommt ihn besuchen in einer seiner Halluzinationen. That´s how it works!

 

MS: Ah, verstehe. Was du sagst, zeigt, daß die Lyrics zwar viel über den Inhalt verraten, aber eben nicht alles. Das ist toll, weil die Leute selber denken müssen. Dabei werden sie auf andere Dinge kommen, als du sie beim Schreiben im Kopf hattest.

 

Erik: Ja – und ich liebe das! Darum geht es doch in der Musik! Etwas Besseres kann einem als Musiker gar nicht passieren.

 

MS: In seinen Linernotes stellt Rick Wakeman die Frage: „Where will you go from here?“ Und ich dachte mir, daß der nächste Schritt die Zusammenarbeit mit einem ganzen Orchester sein könnte!

 

Erik: JA! Eine voll orchestrierte Dreifach-CD!!

 

MS: Denkst du, die Art wie du Musik schreibst und vor allem fühlst, würde zu einem Orchester passen?

 

Erik: Ich weiß, daß es funktionieren würde! Das wäre wirklich eine fabelhafte Sache! Das ist definitiv etwas, was ich eines Tages machen möchte.

Ich weiß, jetzt bei „Music Machine“ wollte unser Label (Transmission Records), daß ich ein paar Livestreicher und Brass verwende. Ich habe es nicht gemacht, weil das Konzept von „Music Machine“, das ganze Album dieses mechanisierte Science Fiction-Cyber-Feeling haben muß. Wenn irgendein Album keine echten Instrumente haben darf, dann wäre das „Music MACHINE“.

Obwohl die Drums und Gitarren natürlich klingen mögen, sind jede Menge Synthesizer auf dem Album, viele Modularsynthesizer, um Fünfziger Jahre-SF-Soundeffekte zu erzielen. Mit denen wiederum wollte ich eine mechanisierte Atmosphäre erzeugen.

 

MS: Hattest du keine Bedenken, daß die Atmosphäre zu kalt werden könnte? Oder konnte das durch die vielen Stimmen nicht passieren, durch die Wärme der menschlichen Stimme?

 

Erik: Nun, die Stimmen und die Live-Drums bringen auf jeden Fall Wärme rein. Doch ich dneke nicht, bloß weil etwas elektronisch ist, das gleichzeitig bedeutet, daß es unbedingt kalt sein muß.

Vor allem mit analogen Synthesizern, Hammondorgeln und Mellotrons, eben organisch klingenden elektronischen Instrumenten, kann man einen sehr warmen Sound schaffen. Denk nur mal an die elektronische Musik der Siebziger wie TANGERINE DREAM und Klaus Schulze. Ich finde, die Alben dieser Leute klingen in vielerlei Hinsicht sehr warm, obwohl die Musik zu 100 % elektronisch ist.

 

MS: Du arbeitest häufig mit wechselnden Musikern. Dennoch sind einige konstant dabei. Was ist – abgesehen von seinem grandiosen musikalischen Können – das Besondere etwa an Tony Franklin, daß du immer wieder auf ihn zurückgreifst?

 

Erik: Es ist wichtig, eine persönliche Verbindung mit den Musikern zu haben. Wenn du siehst, daß ein Musiker wieder und wieder auf unseren Alben auftaucht, dann liegt das an den persönlichen Bindungen, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Das ist dann jemand, mit dem ich gerne weiterarbeiten möchte.

Ich arbeite oft mit Leuten, mit denen es für ein Album klasse ist, wo ich aber sage: „Das reicht. Ich denke nicht, daß ich mit ihm noch einmal arbeiten möchte.“

Im Falle von Tony Franklin liebe ich einfach sein Baßspiel, und er und ich arbeiten hervorragend zusammen. Ich schreibe Parts mit ihm im Kopf, und er kann meine Songs auf eine unglaubliche Weise interpretieren. Dasselbe gilt für Don Schiff, der den Stick spielt.

Wenn ich an alle ERIK NORLANDER-, LANA LANE- und ROCKET SCIENTISTS-Alben denke, dann sind das die beiden einzigen Bassisten, die wir je in unseren Reihen hatten. Ich spiele selbst ab und zu Baß. Beide unterscheiden sich stilistisch sehr stark voneinander; Don mit dem Stick und Tony mit dem Fretless Bass. Zwischen den beiden habe ich alles, was ich will.

 

MS: In gewisser Weise bist du aber auch gesegnet, daß du mit so vielen verschiedenen Musikern arbeiten und ihre Talente für ein besseres Ergebnis nutzen kannst.

 

Erik: Ja, das sehe ich auch so. Ich hatte das Glück, viele großartige Menschen zu treffen.

Es steckt aber auch eine Menge Arbeit dahinter. Mit Musikern zu arbeiten ist eine Beziehung wie jede andere. Sie muß kultiviert werden, man muß daran arbeiten. Das ist manchmal nicht leicht. Nicht mit allen, mit denen ich arbeite, ist gut auszukommen. Sie sind nicht alle nett. Das ist manchmal ein Haufen harte arbeit. Manchmal aber auch ein Riesenspaß, haha!

 

MS: Hast du bei der Wahl deiner Mitmusiker je danebengegriffen?

 

Erik: Sicher, diverse Male. Es hat mehrere Gastauftritte gegeben, von denen du nie etwas gehört hast. Wenn Leute spielen oder singen, und es ist nicht das Richtige, dann verwenden wir es nicht. Das kommt natürlich vor.

 

MS: Wie hört der Perfektionist Erik Norlander Musik?

 

Erik: Hmm, das ist nicht so leicht zu erklären. Nimm Gitarristen wie Ritchie Blackmore, Jimmy Page oder sogar Jimi Hendrix: Das waren allesamt Innovatoren. Sie kreierten eine neue Art, Gitarre zu spielen. Wenn sie selbst spielten, ist es sogar ein wenig nachlässig und schlampig. Doch wer weiß, wie heute Rockgitarre gespielt würde ohne sie… Sie schufen einen ganzen Stil!

Ich bin immer etwas hin- und hergerissen, wenn ich sie höre, weil ich mir wünsche, es wäre ein wenig tighter, sauberer und präziser. Aber gleichzeitig sind Riffs und Parts dabei, die geradezu klassisch sind, Alltime-Classics.

 

MS: Dir kommt also schon manchmal dein Sinn für Perfektion in die Quere?

 

Erik: Tut er. Aber ich besitze jedes LED ZEPPELIN-Album, das je gemacht wurde – und ich genieße es. Ich habe auch alles von DEEP PURPLE. Ich mag diese Typen, obwohl sie nicht präzise sind.

Musik muß für mich nicht perfekt sein. Ich höre z.B. gerne Neil Young, weil er ein großartiger Songwriter ist. Er ist kein guter Sänger. Er ist okay auf der akustischen Gitarre und furchtbar auf der elektrischen Gitarre, aber das macht nichts. Es sind großartige Songs, und er versteht es, sie rüberzubringen. So etwas kann ich sehr wohl genießen.

 

MS: Wie bist du eigentlich zum Keyboard gekommen? Die meisten wollen Gitarrenhelden oder geile Sänger sein. Keyboarder werden dagegen häufig gar nicht ernst genommen.

 

Erik: Es gibt aber auch eine Menge lausiger Keyboarder auf der Welt, das ist sicher!

Ich spielte Klavier, bevor ich zum Rock´n´Roll kam. Ich fing mit 8 Jahren an und spielte Haydn, Bach, was man eben so lernt, wenn man anfängt, Piano zu studieren. Zum Keyboard kam ich erst in der High School. Mit 16 kaufte ich mir meinen ersten Synthesizer. Das war ein kleiner Roland-Synthesizer, und er klang entsetzlich, aber für mich war das unglaublich, weil ich mit all diesen Bands aufgewachsen war, die Synthesizer benutzten. Insbesondere ELO habe ich geliebt, als ich ein Kind war. Die hatten tolle Synthesizer-Parts, und die Songs waren ebenfalls super. Natürlich auch die Prog-Bands, ELP, YES und PINK FLOYD.

Mit diesem kleinen Synthesizer begann ich, in Bands zu spielen, und wir führten Covers von diesen Bands und noch anderen wie z.B. RUSH auf. Ich lernte also Synthesizer nach dem Klavier. Ich hatte nie eine echte Chance, Gitarre zu lernen. Dabei wäre das gar nicht so schwer gewesen, denn ich beherrschte ja das Klavier. Ich spiele zwar Gitarre, habe das auf einigen unserer Songs getan, doch es ist definitiv ein zweites Instrument.

 

MS: Ihr habt mittlerweile eine Menge Coversongs aufgenommen. Versteht man mit der Zeit besser, was der Verfasser des Originals im Sinn hatte? Wird man sensibler dafür?

 

Erik: Ja, absolut. Man kommt in den Song hinein; man versteht, warum er so großartig ist, warum die Künstler legendär sind.

Auf Lanas „Cover Collection“ haben wir z.B. „Kashmir“ von LED ZEPPELIN gemacht. Ich habe „Kashmir“ tausende, vielleicht eine Million Mal gehört, aber wenn du es selbst spielst, lernst du, wie der Polyrhythmus funktioniert, und wie die Harmonien zusammengefügt wurden. Es ist echt unglaublich, wenn man den Song erst einmal lernt.

Es ist eine Sache, ihn zu hören, es ist eine Sache, ihn zu spielen, aber so etwas zu schreiben ist etwas vollkommen anderes. Nachdem wir diesen Song gelernt und aufgenommen haben, ist mir klar, weshalb LED ZEPPELIN eine der größten Rockbands aller Zeiten sind.

 

MS: Weißt du, ob einer der Künstler, die ihr gecovert habt, mal eure Version gehört hat?

 

Erik: Ja. Auf „Covers Collection“ ist z.B. der Song „Soaring“ von AVIARY. Brad Love, der Verfasser und Sänger des Originals, kontaktierte uns und teilte uns mit, daß er unsere Version gehört hätte, und daß sie ihm ausgezeichnet gefiele. Das war nett. Von LED ZEPPELIN haben wir allerdings noch nichts gehört!

 

MS: Habt ihr auch ein bißchen Angst, Klassiker wie „Kashmir“ oder „Stargazer“ zu covern? Oder interessiert es euch in dem Moment nicht, wie populär das Lied ist?

 

Erik: Die Frage wird uns häufig gestellt. Wir haben nie Angst, einen großartigen Song zu spielen, denn wir wissen, daß wir eine großartige Version davon machen können. Das gilt für jedes Cover, das wir machen, selbst wenn es sich um ein sehr obskures Stück handelt.

Wenn wir fühlen, daß uns das nicht gelingt, lassen wir es.

 

MS: Was macht dabei den Unterschied?

 

Erik: Einfach ein Gefühl. Wenn Lana und ich ein Cover auswählen, haben wir üblicherweise eine Vorstellung davon. Wir wissen, wie sie klingen wird und wie sie den Song auf ihre Weise neu interpretieren kann. Gleichzeitig weiß ich, wie ich ihn arrangieren will und wie ich Lanas Gesang begleiten will. Meistens materialisiert sich die Vision, und wir sind in der Lage, ihr zu folgen und sie zu erschaffen.

Bei ein paar Gelegenheiten haben wir angefangen, aber es kam einfach nicht zusammen. So we let it go!

 

MS: Kann man das mit einem gewissen Maß an Erfahrung erzwingen, hinbiegen oder so?

 

Erik: Es gibt im Englischen den Ausdruck „putting a square peg into a round hole“. Das kannst du machen. Wenn du einen Hammer hast, der groß genug ist… Aber wir versuchen, das nicht zu tun. Wenn wir merken, daß der Pflock eckig und das Loch rund ist, hören wir auf.

Ich denke nicht, daß wir etwas von dem, was wir veröffentlicht haben, erzwungen haben.

 

MS: Alle deine (Erik interpretierte hier „your“ als „eure“) Alben werden in der Prog-Szene abgefeiert. Das ist ein sehr kritisches und loyales, aber auch ein sehr begrenztes Publikum. Hast du das gefühl, daß du allmählich auf einer breiteren Ebene Anklang findest?

 

Erik: Weißt du, das ist ulkig: Es hängt von der Region ab. In Japan sind Lana und ich als Progressive-Künstler bekannt, werden aber in derHardrock- und AOR-Welt vermarktet. Vielleicht haben wir deshalb in Japan ein derart großes Publikum. Wir spielen dort echt große Konzerte und sind jedes Mal im Fernsehen, wenn wir rübergehen.

In den Vereinigten Staaten und in Europa ist es bis jetzt noch weitaus schwieriger. Ich denke, das liegt daran, daß wir dort im Progressive Rock-Genre festhängen. Es ist ein großartiges Genre, aber klein. Das ist schon ein Problem, wenn man es von der Warte des Erfolges betrachtet, denn wir natürlich haben wollen.

Ich weiß jedoch nicht, wie man das ändern könnte. Ich will bestimmt nicht den Musikstil verändern. Die Musik, die wir spielen, ist die, die ich liebe und an die ich glaube – und sie ist sehr natürlich für mich! Ich wähle sie vor dem kommerziellen Erfolg. Das ist eine Entscheidung, mit der ich leben muß. Ich bin mir dessen voll und ganz bewußt, ich weiß, was ich tue. Das ist eben die Entscheidung, die ich getroffen habe.

Dieses Interview erschien im EMPIRE #69 (4/03)