ROB ROCK – In kreativer Wut!
30. Januar 2010Ist einfach ein saugutes Teil, das erste Solo-Album von Rob Rock. Punkt. Schluß. – Von wegen! Ein Mann mit einer derart langen Karriere hat eine Menge zu erzählen. Und das tut er auch…
MS: Wann hast du beschlossen, eine CD unter deinem Namen herauszubringen?
Rob: Der Gedanke kam mir bereits 1996. Ich brauchte allerdings fast 4 Jahre, um um der Plattenfirma das Budget aus dem Kreuz zu leiern. Als ich das hatte, konnte ich Studiozeit vereinbaren, um die Songs aufzunehmen.
MS: Das Album wurde in Japan zwei Monate früher veröffentlicht als hier in Europa.
Rob: Ja, dort lief es sehr gut. Sie wollen definitiv auch die nächste Platte mit mir machen.
Aber um ehrlich zu sein war ich von der Firma ein wenig enttäuscht, denn sie promoteten die Scheibe nicht so, wie ich dachte, daß sie promotet werden sollte.
MS: Was ist denn schiefgelaufen?
Rob: Sie brachten das Album raus, schalteten eine Anzeige im BURRN – und das war´s! Ich habe nicht viele Interviews gegeben, sie haben nicht viel Werbung gemacht. Ich sagte: “Warum nicht?!” Sie erwiderten: “Weil du ein neuer Künstler bist. Du hast kein großes Budget. Und die Infrastruktur ist sehr schlecht im Moment. Wir wollen kein Geld in die kleineren Platten auf unserem Label investieren, weil wir nicht glauben, daß wir es wiederkriegen!”
Also machten sie ein Experiment mit mir: Sie brachten meine Scheibe auf den Markt und schauten, was passierte. Sie verkaufte sich sehr gut, und sie waren sehr zufrieden. Doch ich kann nur denken: “Was wäre passiert, wenn sie richtige Promotion dafür geschoben hätten?” Es wäre voll abgegangen! Sie haben die Gelegenheit verpaßt.
Aber gut, vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Vielleicht ist es besser für mich, langsam aufgebaut zu werden. Also ist das auch okay, haha.
MS: Im Titel “Rage Of Creation” steckt ei gewisser Gegensatz…
Rob: Ja, ein bißchen schon.
MS: Was siehst du mehr darin, das Positive (”Kreation”) oder Negative (”Wut”)?
Rob: Hahaha! Ah, mal sehen… Ich denke, ich mag den “Rage”-Teil mehr. Er drückt die Energie in den Songs aus.
“Creation” handelt davon, daß ich kreativ bin, vermute ich, auf eine neue Weise Songs schreibe.
MS: Mit den meisten der beteiligten Musiker hast du bereits bei DRIVER zusammengespielt. Denkst du, das verleiht der Platte ein stärkeres Bandfeeling?
Rob: Ja. Ich bin mit diesen Jungs seit ungefähr 10 Jahren befreundet. Als wir ´89/´90 zusammen Songs geschrieben haben, wollten wir immer ein vollständiges Album aufnehmen.
Als sich nun endlich die Chance bot, beschloß ich, Roy Z (Gitarrist und Produzent) und Butch Carlson (Schlagwerk) anzurufen, um zu versuchen, die Vibes einzufangen.
MS: Wie würdest du diese Vibes beschreiben?
Rob: Ich würde sie beschreiben… Offenheit! Es ist sehr offen, sehr frei. Ich mag die Aufnahmen. I like the vibe when we´re together. Jeder für sich ist ein großartiger Musiker. Doch wenn wir zusammenkommen, spielen wir einfach. Wir kümmern uns nicht darum, perfekt zu sein.
Manchmal willst du beim Aufnehmen sichergehen, daß jede Note perfekt ist. Also spielst du es wieder und wieder und wieder. Dann ist es technisch perfekt, aber wir stellten die Mikrofone auf, stellten den bestmöglichen Sound ein und spielten live.
Das ist die Art, wie ich Aufnahmen mag: live, mehr live als Studio!
MS: Ich denke, das paßt am besten zu deiner Stimme. Bei zu vielen Takes würdest du das meiste von der Magie verlieren.
Rob: Nun, mit IMPELLITTERI haben wir immer versucht, den perfekten Take hinzukriegen. Also dudelten wir das Zeug bis zum Erbrechen runter.
Als ich nun die Möglichkeit hatte, etwas Eigenes auzunehmen und selbst Entscheidungen zu treffen, entschied ich, daß ich nicht die perfekte Platte machen wollte, sondern mehr Emotion und echtes Gefühl draufbringen wollte.
MS: Ich habe irgendwo gelesen, dein Album sei der Grund für die Trennung von IMPELLITTERI gewesen. Ist das wahr?
Rob: Nun, tatsächlich wollte ich gerne beides machen, Solo- und IMPELLITTERI-Scheiben. Doch während ich mit meiner Platte beschäftigt war, dachte Chris, daß es zu sehr mit IMPELLITTERI konkurrieren würde. Er sagte, ich müßte mich entscheiden, ob ich bei IMPELLITTERI bleiben oder eine Solokarriere verfolgen wolle.
Ich wählte die Solokarriere, weil ich das Album liebe. Für mich ist es großartig geworden. Ich denke auch, ich habe mit IMPELLITTERI viele Platten gemacht, die kompletten Neunziger. Vielleicht ist es an der Zeit, vorwärts zu gehen und Songs mehr live aufzunehmen, mehr wie ich sie höre; nicht so wie Chris, der bei IMPELLITTERI ja zusätzlich noch der Produzent war.
MS: Kannst du schon sehen, wohin dich deine neue Richtung führen wird?
Rob: Ich denke, dazu ist es noch zu früh. Ich weiß nicht… Alles was ich weiß ist, daß ich ein weiteres Solo-Album machen werde, mit denselben Leuten.
MS: Du hast immer mit sogenannten Gitarrenhelden gearbeitet. Wie würdest du Roys Stil beschreiben, verglichen z.B. mit Chris oder Axel?
Rob: Ich denke, Roy ist weitaus vielseitiger. Chris spielt ein Ding sehr gut, und dafür ist er bekannt. Er macht diese eine Sache, und auch echt gut, aber Roy Z ist wie ein Chamäleon. Er kann sein Spiel auf jeden Typen oder Song einstellen. Er ist in allen Bereichen großartig, ein Allrounder. Er kann auch richtig vom Leder ziehen, sich jedoch ebenso mühelos der Stimme anpassen.
Er ist nicht so scharf darauf, im Rampenlicht zu stehen. Er möchte im Hintergrund bleiben und dort sicherstellen, daß es ein toller Song wird.
MS: Vielleicht ist das der Grund, weshalb er bis jetzt als Produzent (u.a. HELLOWEEN, HALFORD, Bruce Dickinson)bekannter ist.
Rob: Ja. Es kommt ihm hauptsächlich auf das Stück und die Performance an.
Das ist etwas ganz anderes, als wenn du einen Gitarrenhelden hast, der versucht, ein Statement als Gitarrist abzugeben. Dann hast du eher ein Gleichgewicht, indem du vielleicht beim Gitarristen etwas wegnimmst. Immerhin muß der Sänger da ja noch was drübersingen.
Auf die Art bringt man eine Menge Energie rüber, und ich habe das jahrelang gemacht, doch als ich Roy bat, mir beim Schreiben dieses Albums zu helfen und es zu produzieren, diskutierten wir über die Richtung, und die wies auf starke Performances und starke Songs, ohne sich zu sehr um andere Dinge zu kümmern.
MS: Etwas, was mir an “Rage Of Creation” nicht so gefällt, ist, daß die erste Zeile des Refrains sich oft mit der letzten Zeile der Strophe überschneidet. Das klingt für mich nicht natürlich, weißt du.
Rob: Nun, das wurde mit der Livesituation im Hinterkopf geschrieben, wo das Publikum den Refrain singt, und ich ihm antworte. So stellte ich mir viele der Nummern vor.
MS: Kennst du die “Eagle”-Version von der deutschen Gruppe SARGANT FURY?
Rob: Ja. Jemand schickte sie mir vor ein paar Monaten.
MS: Ich fine, ihre Fassung ist dem Original ebenbürtig, aber deine ist sogar noch besser. Du hast etwas Neues daraus gemacht, insbesondere durch den wunderbar groovigen Schluß.
Rob: Als ich das Original von ABBA hörte, fand ich die Melodie klasse, aber die Richtung der Musik paßte mir nicht. Deshalb dachte ich, wenn wir es so bringen könnten wie “Heaven And Hell” von BLACK SABBATH, mit dieser Atmosphäre, wäre das cool.
Das habe ich zu erreichen versucht, als wir den Song eingespielt haben.
MS: Auf der IMPELLITTERI-CD “Eye Of The Hurricane” (1997) befindet sich der Song “Bleed In Silence”. Bei der ersten Zeile “Walking the streets for a savior” klingst du original wie Ronnie James Dio.
Rob: Ich bin auf jeden Fall ein großer DIO-Fan. Ich kriege die genaue Zeile nicht zusammen, doch ich erinnere mich, daß ich dachte, daß es wie ein DIO-Song klänge, also…
MS: Eine andere Zeile in dem Stück lautet: “The heart is blind.” Was hat dein Herz sehend gemacht?
Rob: Was mein Herz sehend gemacht hat… Haha! Nun, ich denke, worüber ich in dem Song spreche, ist: Wenn die Menschen ihr Herz an materielle Dinge hängen, dann macht sie das blind. Wenn du dein Leben lang versuchst, eine Million Dollar zu machen, oder sehr hart arbeitest, um der Beste in deiner Branche zu sein, gehen andere Dinge im Leben kaputt, wichtige Dinge wie Spiritualität, deine Beziehung zu Gott, deine Beziehung zu anderen Menschen, deiner Familie und Freunden.
Du bist so auf Geld konzentriert, daß es deine anderen Beziehungen in schlechter Weise beeinflußt. Das meine ich mit “Wenn dein Herz blind ist”.
MS: Mir scheint, dir sind deine Texte sehr wichtig.
Rob: Ich schreibe gerne Texte, die man unterschiedlich auffassen kann. So kann sie jeder auf sich beziehen, ganz nach seinen eigenen Erfahrungen.
MS: Ehrlich gesagt, als ich den Text zu “All I Need” das erstemal las, fand ich ihn schwächer als die Musik. Später ging mir auf, daß man ihn aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann.
Man kann ihn z.B. in Beziehung zu Gott oder einer höheren Macht setzen, was den Worten einen tieferen Sinn verleihen würde.
Rob: Das ist ein Song über Frustration, hahaha!
MS: Würdest du dich als kreative Person bezeichnen? Oder brauchst du einen Songwritingpartner für die Musik?
Rob: Ich habe beides gemacht. Bei IMPELLITTERI schrieb Chris normalerweise die Musik, und ich steuerte die Melodien und Texte bei, zu denen mich die Musik inspirierte. Das habe ich bei einigen Songs auf “Rage Of Creation” genauso gemacht.
Auf der anderen Seite habe ich bei “The Sun Will Rise Again” Roy Z die Lyrics vorgesungen, und er legte anschließend die Musik darunter.
MS: Das ist ein Wahnsinnssong und ein brillanter Opener für das Album. Er sorgt für die ideale Stimmung!
Rob: Das ist manchmal ganz schön schwierig. Ich mag es, ein Album fließen zu lassen.
MS: Siehst du es als Nachteil, daß du in den ersten Jahren deiner Karriere keine feste Band hattest? Du hast es mit M.A.R.S. versucht, mit JOSHUA, Axel Rudi Pell, DRIVER…
Doch es lag nicht in deiner Kontrolle, oder?
Rob: Hängt davon ab, wie man es sieht. Wenn M.A.R.S. zusammengeblieben wären, hätten wir vielleicht eine Hitscheibe gehabt. Drei Jahre später war die Band Geschichte. Meine Karriere war vorbei. Vorbei. Doch in meinem Fall war es so, daß ich weiterhin Sänger und kreativ sein konnte.
Ich habe seit M.A.R.S. ungefähr 15 Platten gemacht und konnte 15 Jahre von der Musik leben, habe aber immer noch keinen Hit gehabt. Zum Glück habe ich genug Fans, die mich unterstützen, so daß ich weiterhin Alben machen kann.
Andere Gruppen haben Hits gehabt und sind danach gleich wieder in der Versenkung verschwunden. So in some way it´s a good thing, you know.
MS: Du bist auch auf dem neuen WARRIOR-Album zu hören…
Rob: Well, Joe Floyd (WARRIOR-Gitarrist), Roy und ich mixten mein Solo-Album. Danach sagte er: “Ich brauche einen Sänger für WARRIOR. Hättest du Interesse, mir zu helfen, die Songs zu schreiben und danach auf der Platte zu singen?” Ich entgegnete: “Meine Solokarriere steht jetzt zwar im Vordergrund, aber ich finde die Idee riesig. Ich empfinde Respekt für WARRIOR. Ich denke, es ist eine großartige Metal-Band. Ich habe Zeit genug dafür.” Daher sagte ich Ja. Ich arbeitete mit Joe die Songs aus, ging dann nach L.A. und spielte sie ein.
MS: Das hört sich so an, als wäre das nure in weiteres Projekt für dich.
Rob: Im Moment betrachte ich es als Projekt. Denn wenn ich mir die Geschichte von WARRIOR ansehe, sehe ich, daß sie nur alle 7 oder 8 Jahre ein Album herausbringen. Somit ist es für mich nicht sonderlich zeitaufwendig.
Doch wenn die Scheibe rauskommt und WARRIOR einen großen Erfolg beschert, werde ich der Band in jeder Hinsicht zur Verfügung stehen, um soviel Promotion wie möglich zu machen und es am Laufen zu halten, weißt du.
Im Moment brauche ich mit WARRIOR noch nicht sehr viel Zeit zu verbringen. Sie wohnen alle in L.A. und ich in Florida. Wenn´s richtig abgehen würde, wäre das toll. Wenn nicht, mache ich eben nur als Solokünstler weiter.
MS: Auch wenn es materiell für dich noch nicht so hingehauen hat, du bist sehr populär. Die Fans können sich darauf verlassen, daß alles, wobei du mitmachst, von hoher Qualität ist.
Allerdings kann ich mir vorstellen, daß vieles, was dir angeboten wird, nicht so prickelnd ist.
Rob: Ja, das ist wahr. Als ich damals die ANGELICA-Scheibe gemacht habe, hatten sie eine komplette Band. Ken Tamplin produzierte das Album. Der Sänger hatte Probleme im Studio. Deshalb rief Ken mich an, weil wir befreundet sind, und fragte mich, ob ich die Platte einsingen könnte. Doch als ich ins Studio kam und das tat, waren es ihre Songs, ihre Melodien, und ich tat alles, was Ken als Produzent von mir verlangte.
Ich mochte das Album nicht, weil es nichts von mir enthielt.
MS: Dein Name wurde nicht einmal genannt.
Rob: Ja. Aber das ist gut, denn mein Talent kam darauf auch nicht zum Ausdruck. Ich war ein Werkzeug. Da stand für mich fest, daß ich nur Spitzenqualität abliefern kann, die sich für mich richtig anfühlt.
MS: Was lief falsch? Hast du dich selbst eingebracht und es wurde hinterher wieder weggenommen, beim Mix oder so?
Rob: Nein. Ich habe bloß das Gefühl, daß ich nichts von meiner Persönlichkeit eingebracht habe. Ich war “die Stimme”, wo sie sagen: “Okay, sing diese Zeile. Sing sie so. Okay, nächste Zeile! Mach es so und so!”
Ich hatte nie die Möglichkeit, es auf meine Weise zu machen. Natürlich waren es nicht meine Texte und Melodien, daher war ich… ein Stift, den sie benutzten, um damit zu schreiben. Aber der Stift hatte kein Mitspracherecht, was geschrieben wurde.
MS: Vergleichst du dich mit anderen Sängern? Bei IMPELLITTERI hast du immerhin Graham Bonnet ersetzt!
Rob: Nicht wirklich. Ich sehe eine Stimme als ein besonderes Geschenk.
Ich meine, du wirst mit einer Stimme geboren. Es ist nicht wie ein Baß oder eine Gitarre. Wenn eine Saite reißt, ziehst du eben eine neue auf.
Oder du magst den Sound einer Les Paul lieber als den einer Fender; dann gehst du ins Geschäft und kaufst dir eine.
Eine Stimme ist alles was du hast. Du wirst damit geboren, und wenn du genug Glück hast, in der Lage zu sein, sich zu entwickeln, ist das Rohmaterial immer noch ein Geschenk Gottes. Das kann man nicht kaufen.
MS: Zumal jedes Instrument im Grunde nur versucht, die menschliche Stimme zu imitieren.
Rob: Ja. Besonders wenn sie versuchen, Melodien und Musik aus diesem Stück Holz herauszuholen. Doch wenn du singst, kommt die Stimme aus deinem Körper. It´s physically a part of you. Es ist etwas Spirituelles, ein Teil von dir, der zum Vorschein kommt.
Ich denke nicht, daß irgendwer eine Person mit einer anderen vergleichen und sagen kann: “Die Person ist häßlich, die ist hübsch.” Ich denke, jeder Mensch ist auf irgendeine Weise schön. Du mußt diese Schönheit finden, sie polieren und bekannt machen.
MS: Die findest du nur in der Seele der Menschen.
Rob: Genau. Graham Bonnet singt sehr rauh, sehr hoch. Er singt viele Skalen und so. Das ist großartig. Ich mag Graham Bonnet. Aber für mich ist das nichts. Rob Rock grew up singing only from the heart. Ich bin nicht zu vielen Gesangslehrern gegangen und habe Skalen und Noten geübt. Ich singe nur von Herzen, mit Gefühl und Emotion. Ich komme aus einer anderen Ecke. Deshalb meine ich, daß man nicht A mit B vergleichen kann.
Wenn ich es von der Seite betrachte, fühle ich mich nicht bedroht. Ich fühle mich wohl in meiner Haut.
MS: Was war der letzte Sänger, der dich echt umgehauen hat?
Rob: Ich denke, Chris Cornell von SOUNDGARDEN. Da habe ich gedacht: “Wow! That´s great! Ich mag seine Stimme, die Art, wie er es rüberbringt.” Er war der Letzte, der mir als Sänger wirklich gefallen hat.
Aber jetzt konzentriere ich mich mehr auf mich selbst. So wie letztes Jahr, als ich zuerst IMPELLITTERIs “Crunch”, danach mein Solo-Album und schließlich die WARRIOR-Scheibe gemacht habe. Ein ganzes Jahr lang habe ich ausschließlich Songs geschrieben! Ich habe sonst überhaupt keine Musik gehört. Daher ist es irre schwer für mich, eine moderne Band zu nehmen und zu sagen, daß sie mich beeinflußt, weil ich nicht mehr so Musik höre wie früher.
MS: Benötigst du eine bestimmte Atmosphäre oder Umgebung, um in die richtige Stimmung zum Schreiben zu kommen?
Rob: Nun… Ich muß nur isoliert sein, ohne die Ablenkungen des täglichen Lebens. Ich kann nicht aufstehen und mich an den Computer setzen oder fernsehen oder sonst eine Arbeit tun und dann zurückkommen und versuchen zu komponieren.
Für mich ist es das Beste, morgens aufzustehen und zu schreiben, und so mache ich es normalerweise auch: Hoch mit dem Arsch und ran! Das mache ich 6, 8, 10 Stunden lang. Wenn ich müde werde, mache ich etwas anderes. Wenn ich das zuerst tue, ist es sehr schwer für mich, kreativ zu sein.
Für mich ist Schreiben und Kreativität eine Gabe Gottes. Nochmal: Es ist nichts, das man kaufen kann. Es ist ein Geschenk, und wie du damit umgehst und es benutzt, liegt an dir.
MS: Da du so viele kreative Ideen hast, musikalische Ideen, und wenn du nicht so eine tolle Stimme hättest, gäbe es noch andere Möglichkeiten, deine Kreativität rauszulassen?
Rob: Ich wäre wahrscheinlich Drummer, haha, denn so habe ich angefangen: als Drummer, der viel Backing Vocals sang. Ich habe auch viele Ideen für Musik! Wenn ich sie auf Tape banne, tue ich das mit meiner Stimme. Das ist hart, aber…
MS: Als du 1991 zu Axel Rudi Pell kamst, stand die ganze Musik bereits. War es schwer, dich in Axel hineinzuversetzen und richtig zu verstehen, was er mit der Musik aussagen wollte?
Rob: eines der tollen Dinge an der Arbeit mit Axel ist, daß er nicht dasaß und sagte: “Ich will, daß du es so machst, wie ich es höre.” Er sagte: “Ich möchte, daß du so singst wie du singst. Nimm meine Idee und mach sie zu deiner eigenen.”
Und so war ich auf “Nasty Reputation” in der Lage… Er hatte viele Ideen für Melodien, doch die waren alle nicht ausgearbeitet. Er hatte ungefähr 20 Lyrics in jedem einzelnen Song, haha. Denselben Text für jedes Stück. Ich mußte die Melodie nehmen, sie auf meine Art singen und dann den Text schreiben, bei dem ich Axels Grundidee benutzte. Mal hatte er den Titel oder eine Textzeile oder sonstwas. Ich nahm seine Saat und bewässerte sie mit meinen eigenen Ideen. Dabei kam etwas Neues heraus, das ich zum Songwritingprozeß beitragen konnte.
MS: Hattest du die Möglichkeit, seine Karriere nach “Nasty Reputation” weiterzuverfolgen?
Rob: Ich stehe nach wie vor mit Axel in Kontakt, er schickte mir seine Platten und so. Ich habe ihn seitdem leider nicht mehr gesehen, weil ich nicht in Europa war. Aber vielleicht kann ich ihn treffen, wenn ich im Dezember wieder rübergehe. Ich hoffe es!
Dieses Interview erschien im EMPIRE #57/58 (1+2/01)