Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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SOLITUDE – Virtual Image

(Spiritual Beast/Japaneigenveröffentlichung)
6 Tracks, 36:38 min.
“Virtual Image” ist zwar alles andere als ein neues Album, aber da es in Deutschland trotz Feature auf der vierten “Metal Crusade”-CD des HEAVY, ODER WAS!? bislang nicht vertrieben wird, dürften nur wenige mit dem Namen SOLITUDE etwas anfangen können.
Wie die meisten japanischen Gruppen sind auch diese Jungs musikalisch allererste Sahne. [...]

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Aktuelle Interviews

SOLITUDE – Virtual Image

17. August 2010

(Spiritual Beast/Japaneigenveröffentlichung)

6 Tracks, 36:38 min.

“Virtual Image” ist zwar alles andere als ein neues Album, aber da es in Deutschland trotz Feature auf der vierten “Metal Crusade”-CD des HEAVY, ODER WAS!? bislang nicht vertrieben wird, dürften nur wenige mit dem Namen SOLITUDE etwas anfangen können.

Wie die meisten japanischen Gruppen sind auch diese Jungs musikalisch allererste Sahne. Die komplett von Gitarrist Shingo Ida geschriebenen Instrumentalstücke “Requiem Of The Kingdom” (2:12) und “Beyond The Storm” (4:04) kommen gut, ich verspüre keinen Drang, sie zu überspringen.

Trotzdem sind die 4 Nummern mit Gesang besser, auch wenn sich gerade an den Vocals die Geister scheiden werden. Akira Sugiuchi (spielte zusammen mit Basser Toru Nishida vorher bei SACRIFICE) besitzt eine extrem rauhe, Lemmy-artige Röhre, die man eher einer Thrashcombo zuordnen würde. SOLITUDE zocken jedoch Power Metal, obendrein stark europäisch angetitscht. Ich find´s cool, dürfte aber wie gesagt nicht jedermanns Sache sein, im ungünstigsten Fall sogar nerven.

Um so einhelliger dürfte hingegen die Begeisterung über die Musik ausfallen. Der Opener “Virtual Image” (7:13) fährt gleich mit DEM Powerriff überhaupt auf - MUSS man gehört haben!!! (Die Möglichkeit dazu bietet besagter Sampler!) Zum genußsteigernden Glück wird der Lauf oft wiederholt, dabei in der Geschwindigkeit schön variiert. Und gleich nochmal…

“Two Faced In My Soul” glänzt mit einem (diesmal klar gespielten) Riff, das sich sofort im Ohr festsetzt. Super gemacht! Akira singt hier phasenweise gemäßigter und kann damit ebenfalls gefallen. Bei “You Wish” kam mir vom Riffing her ANNIHILATORS “King Of The Kill”-Album in den Sinn. SOLITUDE verarbeiten somit also durchaus nicht nur europäische Einflüsse, was der Vielseitigkeit zugute kommt.

Die letzte Nummer “Eagle Fly” (7:17) ist vom Gesang her die zugänglichste, musikalisch mit vielen unterschiedlichen Parts einmal mehr vom Feinsten. Die Bandhymne, auch wenn mein persönlicher Favorit weiterhin “Virtual Image” heißt.

Eine ausgezeichnete Platte, die zudem mit  einem von Produzent Fuyuhiko Inui ausgetüftelten Supersound punktet, auch wenn es kein vollständiges Album ist.

Bezug ist für 15 € bei folgenden Mailorders möglich:

Hellion Records (hellionrecords.de)

Remedy Records (remedyrecords.de)  

Dieses Review erschien im METAL OBSESSION #15

ERIK NORLANDER – Nie zu beschäftigt für Qualität!

16. August 2010

Man mag darüber streiten, ob Erik Norlander der beste Keyboarder ist. Auf jeden Fall ist er der kreativste. ROCKET SCIENTISTS, LANA LANE, Solo-Schleifen – wie schafft der Mann das alles?! Noch dazu ohne jemals nachzulassen und von einer Qualität, daß man nur staunend mit den Ohren schlackert.

 

MS: Erik, du bist an so vielen Projekten beteiligt,  daß es keinen Grund  zu geben scheint, zusätzlich noch Solo-Platten zu machen. Weshalb also “Into The Sunset”?

Erik: Wir haben so hart mit LANA LANE gearbeitet, aufgrund all der Aktivitäten in Japan, wo sie regelrecht durch die Decke geschossen ist. Dadurch hatten wir plötzlich eine Menge Sachen für LANA am Laufen.

Wir haben das “Garden Of The Moon”-Album gemacht, das sehr erfolgreich war. Deshalb mußten wir anschließend touren, dann hatten wir das Live-Album, danach eine EP, eine Balladen-Kollektion, das Re-Issue des Debüts. Es bestand ein riesiges Interesse an LANA LANE, was ganz großartig war.

Doch LANA LANE ist eine sehr spezielle Künstlerin, und die Musik ist eine sehr spezielle Balance zwischen Hardrock und Progressive Rock, zwischen gesangsorientierter und instrumentaler Musik. Also lebte ich eine Zeitlang in jener Welt

Zudem hatten wir die Arbeiten am dritten ROCKET SCIENTISTS-Album begonnen, woraus “Oblivion Days” entstand. Die ROCKET SCIENTISTS sind wiederum etwas ganz Spezielles, aufgrund der Balance zwischen mir und meinem Progressive Rock und Mark McCrite und seinen Pop/Psychedelic BEATLES-Einflüssen.

Deshalb stand für mich 1998 fest, daß ich eine weitere Solo-Scheibe machen würde, die mehr meinem eigenen Stil entspricht – und nur meinem Stil. Ich wollte das, wo ich zu der Zeit drin war, voll ausschöpfen. Also fing ich 1998 an, Songs aus der Vergangenheit zu sammeln, sowie Ideen, die mir im Laufe der Jahre gekommen waren. Ich stellte ein paar Demos zusammen, arbeitete in der Zwischenzeit aber sowohl an den  verschiedenen LANA LANE-Projekten wie auch an ROCKET SCIENTISTS´ “Oblivion Days”, das wir 1999 fertigstellten.

Direkt im Anschluß daran – ich glaube, es war im Juli 1999 – habe ich mir einen Monat Zeit genommen und “Oblivion Days” von oben bis unten  in Demoform aufgenommen. Im August 1999 nahm ich  hier in Los Angeles mit Drummer Greg Ellis und Basser Tony Franklin die Basistracks für die Platte auf. Von dem Augenblick, in dem ich wußte, daß ich es  machen wollte, bis zum Beginn der Aufnahmen dauerte es also etwa 18 Monate.

Da ich, wie du weißt, einen übervollen Terminkalender habe, muß ich immer erst alle anderen Verpflichtungen erfüllen, bevor ich überhaupt daran denken kann, ein Solo-Album in Angriff zu nehmen.

MS: Stand für dich von Beginn an fest, daß es diesmal keine Instrumental-Platte werden würde?

Erik: Es war ziemlich klar. Bis jetzt war jeder Alleingang ein bißchen experimentell für mich. Ich möchte versuchen, neue Gebiete zu betreten, wenn ich ein Solo-Album mache.

Bei meinem ersten, “Threshold”, war ich zuvor ebenfalls mit mit LANA  LANE und ROCKET SCIENTISTS beschäftigt gewesen, und ich wollte ein Rock-Album auf den Keyboards machen. Also nahmen wir  die Vocals weg, und  die ganze Spannung, Farbe, das ganze Interesse mußte von den Keyboards kommen.

Darum machte ich “Threshold”: Es war eine Herausforderung für mich, und ein Experiment, um zu sehen, ob ich sowas hinkriegen kann.

MS: Wie siehst du “Threshold” heute?

Erik: I enjoy it very much! Ich habe es mir vor ungefähr einer Woche mal wieder angehört. Ich bin sehr glücklich damit! Es ist sehr interessant und auch einzigartig, denke ich.

MS: Einige Parts von “Waltz Of The Biots” erinnerten mich ein wenig an neueere Musik von Peter Gabriel.

Erik: Oh, interessant! Ich weiß, daß Peter Gabriel viel Percussion aus dem  Mittleren Osten und metallische Synthesizer-Sounds verwendet hat. Besonders auf dem Soundtrack zu “Die letzte Versuchung Christi” kann ich vielleicht einige Ähnlichkeiten hören.

Ehrlich, ich mag Peter Gabriel, und ich respektiere ihn als Künstler, aber ich bin kein großer Fan von ihm. Daher denke ich, daß jede Ähnlichkeit reiner Zufall ist.

MS: Der Japan-Bonus von “Threshold” war “Hyperspace”. Hast du das speziell für diese Scheibe gemacht, oder war das von einem anderen Projekt übriggeblieben?

Erik: Tatsächlich war es ein Demo. Ich benutzte Drumloops bei dem Stück. Es spielt kein echter Schlagzeuger darauf, es ist nur eine Serie von Loops. Und dann hatte ich Don Schiff als Bassisten, der spielte obendrüber. Ich fand, das paßte gut zusammen.

Ich nahm es für “Threshold” auf, und dann noch mal komplett neu mit Live-Drums, war jedoch mit dem Ergebnis nicht so richtig glücklich. Das Demo gefiel mir  einen Tick besser. Deswegen verwendete ich das Demo als Bonus.

Ich denke, das ist legitim für einen Bonustrack, etwas zu haben, das ein klein bißchen anders ist. Ich denke, auf fast allen unseren Alben unterscheiden sich die Bonustitel vom Hauptalbum. Ich hoffe, ich kann “Hyperspace” eines Tages in einer Full-Band-Version aufnehmen, vielleicht mit den ROCKET SCIENTISTS, denn ich mag die Nummer sehr gerne.

MS: Weshalb hast du dich entschlossen, “Neurosaur” neu aufzunehmen?

Erik: Das ist eine gute Frage! “Neurosaur” ist zuerst und vor allem ein Gitarrenriff! Nun hatte ich aber vorgegeben, daß auf “Threshold” keine Gitarren  sein sollten. Ich spielte alles auf den Keyboards und kreierte einige Gitarren-ähnliche Sounds. Es waren aber immer noch Keyboards und Synthesizer.

Wir spielten den Song mit den ROCKET SCIENTISTS auf unserer Tour 1997 und dann noch ein paar Mal auf weiteren Touren danach. Bei den ROCKET SCIENTISTS ist natürlich ein Gitarrist dabei. Deshalb sagte ich: “Hey, das ist ein geiles Gitarrenriff! Also sollte man es auch auf der Gitarre spielen!” Es machte mich an, wie es rüberkam.

“Into The Sunset” hat einen heavieren, symphonischen Sound, streift stellenweise gar Progressive Metal-Gefilde. Ich dachte: “Das ist eine gute Gelegenheit, “Neurosaur” mit Betonung auf die Gitarre aufzunehmen, stärker als die Tassten.” Und ich dachte an einige RUSH-Songs wie “La Villa Stangiato”, “YYZ” und diese Sachen, und ich war der Ansicht, es hätte etwas von jener Qualität. Also arbeitete ich mit Arjen Lucassen daran, und er  sagte: “Es ist perfekt! Es klingt, als wäre e s für die Gitarre geschrieben worden!”

Also nahmen wir es in einer vollkommen anderen Richtung auf. Und ih denke, es ist sehr interessant! Ich denke, es unterscheidet sich ziemlich von der “Threshold”-Version. Und wieder ist es ein Bonustrack. Deshalb denke ich, daß es okay war, ein bißchen zu experimentieren und zu versuchen, einem alten Stück eine neue Dimension zu verleihen.

MS: Da du die Hauptkraft hinter allen Projekten bist, an denen  du beteiligt bist, würde ich gerne wissen, inwiefern es anders ist, wenn du weißt, daß der Song, an dem du gerade arbeitest, auf einer CD unter deinem eigenn Namen landen wird.

Erik: Nun, gewiß bin ich der Produzent all dieser Projekte, aber nicht notwendigerweise die treibende Kraft. Ich bin EINE treibende Kraft, aber bei LANA LANE ist die ganze Musik um Lanas Stimme herumgebaut. Wir versuchen, interessante und komplexe Arrangements und  schöne Soli und Instrumentalpassagen zu kreieren, aber immer um die Stimme herum. Das hat bei LANA LANE oberste Priorität.

Bei den ROCKET SCIENTISTS ist es die Zusammenarbeit von Mark McCrite und mir, die die Richtung bestimmt. Das heißt, daß Marks Stil sehr stark auf die Musik einwirkt. Das wiederum bedeutet, daß eine Kelle BEATLES-Pop in die Musik eingeflochten wird. Deshalb kann es nie zu heavy oder zu hart werden, denn dann würde die Balance zwischen mir und Mark verlorengehen.

Mit “Into The Sunset” wollte ich ein sehr bombastisches, heavies, symphonisches Album schaffen, mit harten Gitarren und aggressiven Vocals, einige sehr aggressive männliche Vocals wie Glenn Hughes und Robert Soeterboek. Das sind Sachen, die ich mit LANA LANE oder den ROCKET SCIENTISTS nicht machen kann.

Für mich sind die Unterschiede zwischen diesen drei Projekten sonnenklar. Und ich denke, man kann sie nicht  miteinander verwechseln. Selbst bei einem Song wie “Fly” auf “Into The Sunset”, der von Lana gesungen wird, denke ich nicht, daß er wie ein LANA LANE-Song klingt. Ich finde, auf einer Platte von ihr wäre er fehl am Platz.

In meinem Kopf ist alles ganz klar, und wenn ich an einem dieser Projekte arbeite, widme ich ihm 100 % Aufmerksamkeit, vielleicht 102 %. Ich kümmere mich dann um nichts anderes. Mein Kopf ist in einem Raum, wenn ich an ROCKET SCIENTISTS-Sachen arbeite, in einem anderen für LANA LANE, und in einem dritten, wenn es um meine Solo-Alben geht.

MS: Haben die AYREON-Alben dich dazu inspiriert, auf “Into The Sunset” mit mehreren Sängern zu arbeiten?

Erik: That´s absolutely true. Und vor ihm hat das noch ein anderer Künstler gemacht, und zwar jahrelang: Alan Parsons. Ich bin ein großer Fan von ihm, und ich wollte immer ein Album mit verschiedenen Sängern machen. Ich  erfuhr vor einigen Jahren durch unseren Freund Michael Bäcker von AYREON, und was ich hörte war eine Hardrock-Variante von Alan Parsons. Dieselbe Idee, verschiedene Sänger, aber eine feste Band und ein einheitlicher Sound, der sich durch die Platte zieht.

Als ich AYREON entdeckte, wurde mir klar, daß man es tun könnte. Und ich fand, es war etwas, das ich tun sollte. Ich war von AYREON schwer beeindruckt. Die Mischung der Sänger war äußerst sensibel zusammengestellt. Das war der letzte Anstoß für mich, “Into The Sunset” zu machen. Und Arjen Lucassen hat mich bei meinem Vorhaben vehement unterstützt. Ich erzählte ihm davon, und er sagte: “Du solltest das machen! Du hast so viele Ideen, die du mit LANA LANE oder den ROCKET SCIENTISTS nicht realisieren kannst!”

MS: Ich war erstaunt, Glenn Hughes auf der Platte zu hören, denn er hatte mir erzählt, daß er der ganzen Projekte überdrüssig sei und das  sowieso übertrieben habe.

Nichtsdestotrotz hat er auf “Rome Is Burning” exzellente Arbeit geleistet.

Erik: Ja, das denke ich auch. Ich habe mit Glenn darüber gesprochen. Weißt du, wir haben vorher schon zusammengearbeitet. Wir haben den Song “Knife´s Edge” für den ELP-Tribute von Magna Carta aufgenommen.

Unsere Bekanntschaft kam durch Keith Emerson zustande. Glenn und Keith spielten einige Shows um Los Angeles herum. Keith lud mich zu einer davon ein und stellte mich Glenn vor. Wir kamen auf Anhieb toll miteinander klar. Er ist ein echt netter Kerl. Seine Performance bei der Show hat mich umgehauen. Danach machten wir den Song für den ELP-Tribute. Ich blieb in Kontakt mit ihm, und als ich “Rome Is Burning” geschrieben hatte, dachte ich: “Ich muß Glenn dafür haben! Es ist der perfekte Song für ihn. Ich könnte mir keinen anderen Sänger dafür vorstellen.”

Also rief ich ihn an, schickte ihm den Song. Er mochte ihn und war glücklich, darauf zu singen. Ich denke, die Kombination aus unserer Erfahrung zuvor und die Tatsache, daß ihm die Nummer sehr zusagte, hat es für ihn so angenehm gemacht.

Doch ich weiß,  daß er auf vielen Alben gesungen hat. Er hat viel Sessionarbeit gemacht, und ich kann mir vorstellen, daß das auf die Dauer sehr ermüdend ist. Doch als er rüberkam, hatten wir eine wundervolle Zeit, viel Spaß, und er hat phantastisch gesungen – no trouble at all! Wir hatten einen tollen Tag!

MS: Auf Songs wie “Lines In The Sand” klingt Robert wie Gary Barden, der frühere MSG- und PRAYING MANTIS-Sänger, an  einem sehr guten Tag. Ich finde, er ist der perfekte Sänger für deine Musik.

Erik: Oh, danke dir! Ich denke, Robert hat eine schöne Stimme, eine große Stimme, eine powervolle Stimme. Ich hörte sie auf den ersten beiden AYREON-Alben. Besonders stark fand ich die Harmoniearbeit, die er auf “Actual Fantasy” bei Songs wie “The Abbey Of Sin” und “Stranger From Within” geleistet hat. Ich finde, er klingt einfach phantastisch – ein bißchen wie David Coverdale vielleicht. Aber er hat einen etwas wärmeren Ton, und ich spüre mehr Feeling bei Robert. Es wa rklasse, ihn für mein Album zu gewinnen.

Er ist ein toller Kerl; sehr nett, sehr enthusiastisch, und ich hoffe, ich kann in Zukunft noch viel mit ihm zusammen machen. Und weißt du, danach haben wir ihn gleich für den Harmoniegesang  auf Lanas “Secret Of Astrology” angeheuert. Ich fand, daraus ergab sich ein schöner Sound; die harte, rauhe Stimme von Robert und Lanas. Eine rezvolle Kombination.

MS: Die japanische Pressung von “Into The Sunset” enthält einen 17minütigen Bonustrack namens “Alchemy And Astronomy”.

Erik: Ich schrieb den Song 1994, unmittelbar nachdem wir das erste ROCKET SCIENTISTS-Album “Earthbound” veröffentlicht hatten. Es ist also ein recht altes Stück. Ich schrieb es auf dem Piano, bastelte es aus einer langen Improvisation von mir zusammen. Es war etwas, womit ich über eine lange Zeit hinweg immer wieder herumgespielt habe.

Wenn ich in ein Studio gehe,  um einen Keyboardsound auszutüfteln oder Sessionarbeit zu machen, habe ich es jedesmal auf dem Piano geklimpert. Ich nahm noch 1994 ein sehr ursprüngliches Demo davon auf, und wir überlegten, es aufs zweite ROCKET SCIENTISTS-Album “Brutal Architecture” zu nehmen. Da hatten wir mit “Mariner” aber schon einen sehr langen, epischen Track von mir. Wir dachten, zwei Nummern dieser Art wären ein bißchen zuviel.

Und wieder: “Alchemy And Astronomy” hat vielleicht weniger mit den ROCKET SCIENTISTS zu tun als ein Stück wie “Mariner”. Es enthält einige sehr atmosphärische, fast jazzige Sektionen, mit Saxophon und so. Daran schließt sich ein stark keyboardorientierter instrumentaler Abschnitt an, der eine Menge Energie freisetzt und fast eine Reminiszenz von “Threshold” sein könnte. Es war ein äußerst persönlicher Song für mich, und ich war froh, ihn auf meinem Solo-Album herausbringen zu können.

Diese Sache mit den Bonustiteln ist immer ein bißchen frustrierend, weil es nie DAS Album gibt, eine Version des Albums. wo alle Stücke drauf sind. Ich weiß, daß es für die Fans frustrierend ist, aber für mich als Künstler ist es das genauso, denn selbstverständlich möchte ich, daß jeder alle Songs hören kann.

Daß derjenige, der das will, sich zwei Versionen der Scheibe zulegen muß, ist unfair, ganz  klar. Das ist ein Problem, und ich hoffe, daß wir das eines Tages nicht mehr machen müssen. Im Moment geht es wegen der Politik in Japan und Europa nicht anders. Das ist enorm schwierig für uns. Wir können nicht einfach sagen: “Alle bekommen das gleiche Album. Wir machen keine Bonustracks mehr!”

Ich kann mich bei den Hörern nur dafür entschuldigen. Für uns ist das ebenfalls eine sehr frustrierende Situation.

MS: Dir scheint sehr daran gelegen zu sein, daß deine Platten mit einer Einleitung beginnen, um den Hörer in die richtige Stimmung zu versetzen.

Erik: Absolut! That´s absolutely the case. Ich versuche jedes Album wie eine Symphonie oder ein Bühnenstück aufzubauen. Wenn man eine Platte so angeht. braucht man eine Prélude oder eine Overtüre oder einen Prolog.

Ich will nicht in der Situation sein, daß du eine Scheibe auflegst, einen großen, lauten Gitarrenakkord hörst und sofort im erst kommerziellen Stück drin bist. Ich möchte künstlerischer sein, daß es mehr eine Herausforderung für den Hörer ist als einfach nur eine weitere Sammlung von Liedern.

MS: Und was ist der “Nutzen” von Songs wie “Fanfare For The Dragon Isle”?

Erik: Nun, das ist ein -zwischenspiel. Es bildet den Übergang von “Rome Is Burning” zu “Fly”.

Weißt du, “Rome Is Burning” besitzt soviel Energie, ist so intensiv, daß, wenn “Fly” direkt danach käme, man vielleicht gar keine Veränderung bemerken würde. Es sind völlig verschiedene Songs, sie haben ein ganz unterschiedliches Gefühl, obwohl sie größtenteils high energy sind und beide einen langsamen, atmosphärischen, ruhigen Part beinhalten. Die Fanfare trennt die Stücke voneinander. It sort of clears the palette, makes the transition between the two songs.

Das ist auch der Sinn von “Dreamcurrents”: Es ist einfach ein schönes, symphonisches Zwischenspiel. “Dreamcurrents” greift auch das Thema von “Fly” auf. Somit ist “Fly” fast ein Song in drei Teilen. Man kann “Fanfare For The Dragon Isle”, “Fly” und “Dreamcurrents” als drei Teile einer Suite betrachten. Ich habe sie auf dem Album allerdings nicht entsprechend gekennzeichnet, weil ich denke, daß alle drei Teile für  sich alleine stehen. Sie fließen jedoch auf eine äußerst symphonische Weise zusammen.

MS: Wenn du dir einen deiner Texte ansiehst und ihn mit einem vergleichst, den Lana geschrieben hat, erkennst du dann irgendeinen grundlegenden Unterschied im Ton oder in der Perspektive?

Erik: Ich denke, Lanas Texte sind ein wenig abstrakter und surrealer. Ich glaube, meine Bildersprache ist ein bißchen konkreter. Natürlich versuche ich immer noch, sehr surreal und phantasievoll zu schreiben, doch ich denke, meine Bilder  sind sind etwas konkreter und realer. Lanas sind träumerischer und fantasyorientierter.

Ich denke, darin liegt der Hauptunterschied. Ich würde sagen, sie ergänzen sich gut, aber es gibt definitiv einen Unterschied. Ich glaube nicht, daß irgendjemand meine Texte mit Lanas verwechselt und umgekehrt.

MS: Wenn du ein Album komplett am Keyboard schreibst und  mehr oder weniger auch damit aufnimmst, ohne Gitarren, lernst du dann noch viel über ein Instrument, das du zuvor zu kennen glaubtest?

 

Erik: Ja, das trifft absolut zu. Als Produzent und als Künstler und als Keyboarder mußt du als erstes einsehen, daß du nichts weißt. Du mußt versuchen, aus dem bißchen, das du weißt, das Beste zu machen und stets für alles offen und bemüht sein zu lernen.

MS: So ist das Leben!

Erik: So ist das Leben, das sehe ich genauso. Und wenn du denkst, du wüßtest alles, dann bist du ein narr, denn niemand weiß irgendwas!

Der Witz ist: Ich bin gerade 33 geworden, und ich habe das Gefühl, daß ich mit 33 viel weniger weiß als mit 18.

MS: 18 ist das Alter, in dem “wir für eine begrenzte Zeit unsterblich sind”, um RUSH zu zitieren.

Erik: Stimmt, ich erinnere mich an den Song. Ich halte Neil Peart für einen der großartigsten Texter aller Zeiten.

MS: Das ist er. Und manchmal frage ich mich: “Ob er das wohl selber weiß?”

Erik: Hahaha! Vielleicht nicht! Wenn er selbst das von sich glauben würde, wäre er es nicht.

MS: Ich habe das Gefühl, selbst wenn ihm jeder erzählte: “Wow, das ist klasse!”,  wäre er immer noch frustriert, weil er seiner Ansicht nach den Punkt nicht hundertprozentig getroffen hat.

Erik: Das muß so sein bei jedem Künstler! Wenn du eine Platte machst und sagst: “Das ist es! Es ist perfekt!” – it´s not! Wenn das Album abgeschlossen ist, mußt du das Gefühl haben, daß es noch ein bißchen besser sein könnte. Ich denke so, Lana denkt so, Arjen, Mark McCrite – wir alle denken so!

Wir tun das Allerbeste, was wir können, und, weißt du, wir müssen das Album  zu einem festen Terminentlichen. Wir können uns uns für eine Platte nicht 5 Jahre Zeit lassen wie PINK FLOYD, haha. Und selbst wenn du dir 5 Jahre nehmen würdest, würde etwas verlorengehen, weil du dich in 5 Jahren als Mensch veränderst. Du kannst  ein Album nicht als ein Mensch beginnen und als ein anderer beenden. Das muß in einem vernünftigen Zeitraum durchgezogen werden, meine ich.

MS: Hast du als Künstler jemals gravierende Fehler gemacht, Dinge die du geschrieben oder nicht geschrieben hast?

Erik: Wow! Das ist eine schwere Frage. Ichh abe beim Aufnehmen der Alben Fehler gemacht, und dann mußte ich alles noch mal machen oder neu abmischen.

Aber oftmals sind Fehler eher Hindernisse, die man zu der Zeit nur schwer überwinden kann. Zum Beispiel Lanas Debüt “Love Is An Illusion”: Wir nahmen die Scheibe fast ohne Geld auf. Das Ganze fand in meinem Studio statt, und das war ganz neu, und die Ausstattung war echt mickrig. So wurde es musikalisch toll, doch es ist wahrhaftig nicht die am besten klingende Platte der Welt. Deswegen habe ich 1998 die große Re-Issue-Version realisiert, weil wir  es uns da leisten konnten und es es richtig machen konnten.

Deshalb weiß ich nicht, ob das Original 1995 ein Fehler war. Es war eher keiner, denn es brachte Lanas Karriere zum Laufen. Jeder hörte die Musik, und zwar durch die Low-Budget-Produktion hindurch.

Aber es gab Hindernisse. Es gibt immer Hindernisse. Hindernisse mit Musikern. Hindernisse mit bestimmten Songs. Sogar mit bereits aufgenommenen Songs. Du nimmst ein paar Tage lang  das Schlagzeug auf und findest dann heraus, daß auf der Snare ein Klingeln ist. Oder der Baß ist ein bißchen verstimmt. Es gibt immer irgendwas, womit man sich herumschlagen muß.

Doch ich empfinde kein Bedauern für irgendetwas, das ich herausgebracht habe. Auf alles mit meinem Namen drauf, das man kaufen kann, bin ich mächtig stolz. Und es repräsentiert die Zeit, in der es aufgenommen wurde.

MS: Die sogenannten Klassiker unterscheiden sich von “gewöhnlichen” Platten vor allem durch die Atmosphäre. Woher kommt die?

Erik:I think it can come from  a lot of places. Ein Teil kommt gewiß von der Produktion, dem Sound und der Technik, die man einsetzt, um diesen zu bekommen. Ein anderer Teil rührt von den Synthesizern und der Gitarre her.

Noch entscheidender ist freilichder Spirit der beteiligten Musiker: die Art, wie der Gitarrist eine Note anschlägt, oder wie der Sänger eine Note mit seinem Vibrato veredelt. Das ist es, was der Hörer spürt, was die Platte für ihn zu etwas Besonderem werden läßt.

MS: Kannst du den musikalischen Kurswechsel von Acts wie QUEENSRYCHE nachvollziehen? Weißt du, was ihnen heute abgeht? Wissen SIE es?

Erik: Nun, weißt du, Menschen verändern sich. Und Bands bestehen nun mal aus Menschen. Das macht es kompliziert. Und d as Musikgeschäft ist extrem hart. Du hast ständig Ärger um Kohle, Deals und solches Zeug. Das kann sich schon auf die Musik auswirken. Das ist ein weiterer schwieriger Teil.

Ich denke, Musik ist die stärkste Kraft im Universum. Sie kann dich motivieren. Sie kann dich glücklich machen oder traurig. Sie kann dich von einem sehr dunklen Ort wegführen. Eine Zeile kann, wie du gesagt hast, dein ganzes Leben verändern. That´s why I´m in music. That´s why I play music.

MS: Wann hast du angefangen?

Erik: Seit ich 17 bin mache ich professionell Musik. Bis zu meinem 30. Lebensjahr mußte ich jedoch einen ganz normalen Job ausüben, um über die Runden zu kommen.

Und ich finde es interessant, daß wir eine Platte wie sagen wir “Brutal Architecture” von den ROCKET SCIENTISTS machen würden. Das war 1995. Sie kam herauss und erhielt einige gute Reviews, erreichte aber erst 4 oder 5 Jahre später ein großes Publikum.

1997 tourten wir in Europa, spielten auf dem Festival in Bruchsal und das alles, und selbst zu der Zeit dachte ich, daß nur sehr wenige Leute wüßten, wer die ROCKET SCIENTISTS sind. Und seit 1998 erzählt mir jeder, wie großartig “Brutal Architecture” sei, ein Klassiker und so. Und ich denke bei mir: “Wo wart ihr alle, als wir das Ding 1995 herausbrachten und alles versuchten, damit es ein Erfolg wurde?!” Wir hatten ungeheuer hart daran gearbeitet, sahen jedoch fast keinen Erfolg. Der stellt sich erst jetzt, 5 Jahre später, allmählich ein.

Jetzt, nachdem wir seit 10 Jahren Platten aufnehmen, werden sie direkt nach ihrem Release zur Kenntnis genommen. Das hat viel mit den Plattenfirmen zu tun, mit denen wir heute zusammenarbeiten. Wir arbeiten mit  ein paar sehr, sehr guten Labels.”Oblivion Days”, “Secrets Of Astrology” und “Into The Sunset” wurden sofort beachtet und als großartige Alben gewürdigt.

Früher war das nicht der Fall. “Love Is An Illusion”, “Brutal Architecture”, “Threshold” brauchten Jahre, um anerkannt zu werden. Es gab zwar einige Fans, die sich sofort auf jede neue Scheibe stürzten, aber auf breiter Basis tat sich wenig.

“Oblivion Days” und “Into The Sunset” sind sehr beständig, was Atmosphäre, Stimmung und dergleichen betrifft, aber wenn ich jedes Jahr ein solches Album abliefern müßte, würde ich wohl Probleme kriegen. LANA LANE ist in dieser Hinsicht viel leichter, weil es songorientierter ist. Außerdem sind d aran viel mehr Leute beteiligt: Lana, ich, Arjen Lucassen, Mark McCrite, Neil Citron, Darnelle Kern, Don Schiff – viele Leute schreiben für LANA LANE. Weil es gesangsorientierter ist, ist es weitaus einfacher. 

Doch um ein progressives, atmosphärisches Album zu machen, braucht es Zeit. Und man muß von Anfang an eine klare Vorstellung davon haben. Wir benötigten 2 Jahre, um “Oblivian Days” aufzunehmen!

Dieses Interview erschien im EMPIRE #57/58 (1+2/01)

MELISSA ETHERIDGE – Hello Happiness (FOCUS-Version)

15. August 2010

In sich selbst ruhend beschreibt Melissa Etheridge im Titelsong ihres zehnten Albums “Fearless Love” genau das: den Idealzustand einer Liebe ohne Angst.

 

Zwei Ereignisse verändern das Leben eines Menschen von Grund auf: die Geburt eines Kindes und eine schwere Erkrankung. Ähnlich wie Chris Rea, der seit seiner lebensbedrohlichen Bauchspeicheldrüsenoperation dem Blues frönt, scheint die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs die Kämpferin Melissa Etheridge musikalisch befreit zu haben. Im Lebensspiegel “The Aeakening” wurden wir Zeugen, wie sie  die Fesseln sprengte. Darüber hinaus faszinierte der musikalische Streifzug durch das bewegte Leben der Künstlerin mit seiner einmaligen Kombination aus Leichtigkeit und Tiefe (und bescherte uns fast beiläufig mit “The Kingdom Of Heaven” die wohl ergreifendste 9/11-Bewältigung).

 

Düsteres, Paradiesisches und irdische Träume

Wie dieser Befreiungsschlag weitergeht, kann man nun auf “Fearless Love” nachhören. Etheridge wirkt von ihrer neuen Leichtigkeit wie berauscht und pfeift mehr denn je auf Verkaufszahlen und Chartplatzierungen. Erstens kräht nach denen morgen kein Hahn mehr und  zweitens kann man immer nur  einen Ferrari fahren. Für die Oscar- und zweifache Grammy-Gewinnerin zählt jetzt allein die künstlerische Befriedigung. Da verwundert es nicht, daß die musikalische Bandbreite noch einmal größer geworden ist.

Zusammengehalten von auf den ersten Blick simplen Arrangements, die sich bei eingehender Beschäftigung als  umso raffinierter entpuppen, trifft ganz selbstverständlich Düsteres wie das dramatische “To Be Loved” auf den zupackenden Rock von “Company” oder textlich das Paradies (”Heaven On Earth”) auf irdische, allzu menschliche Träume und Sehnsüchte (”Miss California”). Über allem thront das sich behutsam aufbauende, in der zweiten Hälfte unaufhaltsam steigernde “Indiana”, in dem hinter der berückenden Fragilität eben jenes Feuer lodert, das man längst erloschen wähnte.

Wohlig und warm eingebettet in die herrlich ursprüngliche Produktion von Heimkehrer John Shanks zeigt “Fearless Love” mustergültig auf. daß die Qualität der Songs zwar das Entscheidende, aber eben nicht alles ist. Obendrauf gehören solche “Kleinigkeiten” wie Intesität und Feuer bei der Umsetzung im Studio, wenn aus einem qualitativ hochwertigen Album ein Meilenstein werden soll.

Das Mitwirken von Joss Stone und Natasha Bedingfield wertet “Fearless Love” natürlich noch zusätzlich auf. Mit Stone performte  die  damals infolge der Chemotherapie kahlköpfige Etheridge bei den Grammy Awards 2005 Janis Joplins “Piece Of My Heart”.

Dieses Review erschien am 23.4.2010 auf FOCUS ONLINE