Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

Artikel

Seiten

Letztes Interview

30
01
ROB ROCK – In kreativer Wut!

Ist einfach ein saugutes Teil, das erste Solo-Album von Rob Rock. Punkt. Schluß. – Von wegen! Ein Mann mit einer derart langen Karriere hat eine Menge zu erzählen. Und das tut er auch…
 
MS: Wann hast du beschlossen, eine CD unter deinem Namen herauszubringen?
Rob: Der Gedanke kam mir bereits 1996. Ich brauchte allerdings fast 4 Jahre, um [...]

mehr lesen...

Aktuelle Interviews

ROB ROCK – In kreativer Wut!

30. Januar 2010

Ist einfach ein saugutes Teil, das erste Solo-Album von Rob Rock. Punkt. Schluß. – Von wegen! Ein Mann mit einer derart langen Karriere hat eine Menge zu erzählen. Und das tut er auch…

 

MS: Wann hast du beschlossen, eine CD unter deinem Namen herauszubringen?

Rob: Der Gedanke kam mir bereits 1996. Ich brauchte allerdings fast 4 Jahre, um um der Plattenfirma das Budget aus dem Kreuz zu leiern. Als ich das hatte, konnte ich Studiozeit vereinbaren, um die Songs aufzunehmen.

MS: Das Album wurde in Japan zwei Monate früher veröffentlicht als hier in Europa.

Rob: Ja, dort lief es sehr gut. Sie wollen definitiv auch die nächste Platte mit mir machen.

Aber um ehrlich zu sein war ich von der Firma ein wenig enttäuscht, denn sie promoteten die Scheibe nicht so, wie ich dachte, daß sie promotet werden sollte.

MS: Was ist denn schiefgelaufen?

Rob: Sie brachten das Album raus, schalteten eine Anzeige im BURRN – und das war´s! Ich habe nicht viele Interviews gegeben, sie haben nicht viel Werbung gemacht. Ich sagte: “Warum nicht?!” Sie erwiderten: “Weil du ein neuer Künstler bist. Du hast kein großes Budget. Und die Infrastruktur ist sehr schlecht im Moment. Wir wollen kein Geld in die kleineren Platten auf unserem Label investieren, weil wir nicht glauben, daß wir es wiederkriegen!”

Also machten sie ein Experiment mit mir: Sie brachten meine Scheibe auf den Markt und schauten, was passierte. Sie verkaufte sich sehr gut, und sie waren sehr zufrieden. Doch ich kann nur denken: “Was wäre passiert, wenn sie richtige Promotion dafür geschoben hätten?” Es wäre voll abgegangen! Sie haben die Gelegenheit verpaßt.

Aber gut, vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Vielleicht ist es besser für mich, langsam aufgebaut zu werden. Also ist das auch okay, haha.

MS: Im Titel “Rage Of Creation” steckt ei gewisser Gegensatz…

Rob: Ja, ein bißchen schon.

MS: Was siehst du mehr darin, das Positive (”Kreation”) oder Negative (”Wut”)?

Rob: Hahaha! Ah, mal sehen… Ich denke, ich mag den “Rage”-Teil mehr. Er drückt die Energie in den Songs aus.

“Creation” handelt davon, daß ich kreativ bin, vermute ich, auf eine neue Weise Songs schreibe.

MS: Mit den meisten der beteiligten Musiker hast du bereits bei DRIVER zusammengespielt. Denkst du, das verleiht der Platte ein stärkeres Bandfeeling?

Rob: Ja. Ich bin mit diesen Jungs seit ungefähr 10 Jahren befreundet. Als wir ´89/´90 zusammen Songs geschrieben haben, wollten wir immer ein vollständiges Album aufnehmen.

Als sich nun endlich die Chance bot, beschloß ich, Roy Z (Gitarrist und Produzent) und Butch Carlson (Schlagwerk) anzurufen, um zu versuchen, die Vibes einzufangen.

MS: Wie würdest du diese Vibes beschreiben?

Rob: Ich würde sie beschreiben… Offenheit! Es ist sehr offen, sehr frei. Ich mag die Aufnahmen. I like the vibe when we´re together. Jeder für sich ist ein großartiger Musiker. Doch wenn wir zusammenkommen, spielen wir einfach. Wir kümmern uns nicht darum, perfekt zu sein.

Manchmal willst du beim Aufnehmen sichergehen, daß jede Note perfekt ist. Also spielst du es wieder und wieder und wieder. Dann ist es technisch perfekt, aber wir stellten die Mikrofone auf, stellten den bestmöglichen Sound ein und spielten live.

Das ist die Art, wie ich Aufnahmen mag: live, mehr live als Studio!

MS: Ich denke, das paßt am besten zu deiner Stimme. Bei zu vielen Takes würdest du das meiste von der Magie verlieren.

Rob: Nun, mit IMPELLITTERI haben wir immer versucht, den perfekten Take hinzukriegen. Also dudelten wir das Zeug bis zum Erbrechen runter.

Als ich nun die Möglichkeit hatte, etwas Eigenes auzunehmen und selbst Entscheidungen zu treffen, entschied ich, daß ich nicht die perfekte Platte machen wollte, sondern mehr Emotion und echtes Gefühl draufbringen wollte.

MS: Ich habe irgendwo gelesen, dein Album sei der Grund für die Trennung von IMPELLITTERI gewesen. Ist das wahr?

Rob: Nun, tatsächlich wollte ich gerne beides machen, Solo- und IMPELLITTERI-Scheiben. Doch während ich mit meiner Platte beschäftigt war, dachte Chris, daß es zu sehr mit IMPELLITTERI konkurrieren würde. Er sagte, ich müßte mich entscheiden, ob ich bei IMPELLITTERI bleiben oder eine Solokarriere verfolgen wolle.

Ich wählte die Solokarriere, weil ich das Album liebe. Für mich ist es großartig geworden. Ich denke auch, ich habe mit IMPELLITTERI viele Platten gemacht, die kompletten Neunziger. Vielleicht ist es an der Zeit, vorwärts zu gehen und Songs mehr live aufzunehmen, mehr wie ich sie höre; nicht so wie Chris, der bei IMPELLITTERI ja zusätzlich noch der Produzent war.

MS: Kannst du schon sehen, wohin dich deine neue Richtung führen wird?

Rob: Ich denke, dazu ist es noch zu früh. Ich weiß nicht… Alles was ich weiß ist, daß ich ein weiteres Solo-Album machen werde, mit denselben Leuten.

MS: Du hast immer mit sogenannten Gitarrenhelden gearbeitet. Wie würdest du Roys Stil beschreiben, verglichen z.B. mit Chris oder Axel?

Rob: Ich denke, Roy ist weitaus vielseitiger. Chris spielt ein Ding sehr gut, und dafür ist er bekannt. Er macht diese eine Sache, und auch echt gut, aber Roy Z ist wie ein Chamäleon. Er kann sein Spiel auf jeden Typen oder Song einstellen. Er ist in allen Bereichen großartig, ein Allrounder. Er kann auch richtig vom Leder ziehen, sich jedoch ebenso mühelos der Stimme anpassen.

Er ist nicht so scharf darauf, im Rampenlicht zu stehen. Er möchte im Hintergrund bleiben und dort sicherstellen, daß es ein toller Song wird.

MS: Vielleicht ist das der Grund, weshalb er bis jetzt als Produzent (u.a. HELLOWEEN, HALFORD, Bruce Dickinson)bekannter ist.

Rob: Ja. Es kommt ihm hauptsächlich auf das Stück und die Performance an.

Das ist etwas ganz anderes, als wenn du einen Gitarrenhelden hast, der versucht, ein Statement als Gitarrist abzugeben. Dann hast du eher ein Gleichgewicht, indem du vielleicht beim Gitarristen etwas wegnimmst. Immerhin muß der Sänger da ja noch was drübersingen.

Auf die Art bringt man eine Menge Energie rüber, und ich habe das jahrelang gemacht, doch als ich Roy bat, mir beim Schreiben dieses Albums zu helfen und es zu produzieren, diskutierten wir über die Richtung, und die wies auf starke Performances und starke Songs, ohne sich zu sehr um andere Dinge zu kümmern.

MS: Etwas, was mir an “Rage Of Creation” nicht so gefällt, ist, daß die erste Zeile des Refrains sich oft mit der letzten Zeile der Strophe überschneidet. Das klingt für mich nicht natürlich, weißt du.

Rob: Nun, das wurde mit der Livesituation im Hinterkopf geschrieben, wo das Publikum den Refrain singt, und ich ihm antworte. So stellte ich mir viele der Nummern vor.

MS: Kennst du die “Eagle”-Version von der deutschen Gruppe SARGANT FURY?

Rob: Ja. Jemand schickte sie mir vor ein paar Monaten.

MS: Ich fine, ihre Fassung ist dem Original ebenbürtig, aber deine ist sogar noch besser. Du hast etwas Neues daraus gemacht, insbesondere durch den wunderbar groovigen Schluß.

Rob: Als ich das Original von ABBA hörte, fand ich die Melodie klasse, aber die Richtung der Musik paßte mir nicht. Deshalb dachte ich, wenn wir es so bringen könnten wie “Heaven And Hell” von BLACK SABBATH, mit dieser Atmosphäre, wäre das cool.

Das habe ich zu erreichen versucht, als wir den Song eingespielt haben.

MS: Auf der IMPELLITTERI-CD “Eye Of The Hurricane” (1997) befindet sich der Song “Bleed In Silence”. Bei der ersten Zeile “Walking the streets for a savior” klingst du original wie Ronnie James Dio.

Rob: Ich bin auf jeden Fall ein großer DIO-Fan. Ich kriege die genaue Zeile nicht zusammen, doch ich erinnere mich, daß ich dachte, daß es wie ein DIO-Song klänge, also…

MS: Eine andere Zeile in dem Stück lautet: “The heart is blind.” Was hat dein Herz sehend gemacht?

Rob: Was mein Herz sehend gemacht hat… Haha! Nun, ich denke, worüber ich in dem Song spreche, ist: Wenn die Menschen ihr Herz an materielle Dinge hängen, dann macht sie das blind. Wenn du dein Leben lang versuchst, eine Million Dollar zu machen, oder sehr hart arbeitest, um der Beste in deiner Branche zu sein, gehen andere Dinge im Leben kaputt, wichtige Dinge wie Spiritualität, deine Beziehung zu Gott, deine Beziehung zu anderen Menschen, deiner Familie und Freunden.

Du bist so auf Geld konzentriert, daß es deine anderen Beziehungen in schlechter Weise beeinflußt. Das meine ich mit “Wenn dein Herz blind ist”.

MS: Mir scheint, dir sind deine Texte sehr wichtig.

Rob: Ich schreibe gerne Texte, die man unterschiedlich auffassen kann. So kann sie jeder auf sich beziehen, ganz nach seinen eigenen Erfahrungen.

MS: Ehrlich gesagt, als ich den Text zu “All I Need” das erstemal las, fand ich ihn schwächer als die Musik. Später ging mir auf, daß man ihn aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann.

Man kann ihn z.B. in Beziehung zu Gott oder einer höheren Macht setzen, was den Worten einen tieferen Sinn verleihen würde.

Rob: Das ist ein Song über Frustration, hahaha!

MS: Würdest du dich als kreative Person bezeichnen? Oder brauchst du einen Songwritingpartner für die Musik?

Rob: Ich habe beides gemacht. Bei IMPELLITTERI schrieb Chris normalerweise die Musik, und ich steuerte die Melodien und Texte bei, zu denen mich die Musik inspirierte. Das habe ich bei einigen Songs auf “Rage Of Creation” genauso gemacht.

Auf der anderen Seite habe ich bei “The Sun Will Rise Again” Roy Z die Lyrics vorgesungen, und er legte anschließend die Musik darunter.

MS: Das ist ein Wahnsinnssong und ein brillanter Opener für das Album. Er sorgt für die ideale Stimmung!

Rob: Das ist manchmal ganz schön schwierig. Ich mag es, ein Album fließen zu lassen.

MS: Siehst du es als Nachteil, daß du in den ersten Jahren deiner Karriere keine feste Band hattest? Du hast es mit M.A.R.S. versucht, mit JOSHUA, Axel Rudi Pell, DRIVER…

Doch es lag nicht in deiner Kontrolle, oder?

Rob: Hängt davon ab, wie man es sieht. Wenn M.A.R.S. zusammengeblieben wären, hätten wir vielleicht eine Hitscheibe gehabt. Drei Jahre später war die Band Geschichte. Meine Karriere war vorbei. Vorbei. Doch in meinem Fall war es so, daß ich weiterhin Sänger und kreativ sein konnte.

Ich habe seit M.A.R.S. ungefähr 15 Platten gemacht und konnte 15 Jahre von der Musik leben, habe aber immer noch keinen Hit gehabt. Zum Glück habe ich genug Fans, die mich unterstützen, so daß ich weiterhin Alben machen kann.

Andere Gruppen haben Hits gehabt und sind danach gleich wieder in der Versenkung verschwunden. So in some way it´s a good thing, you know.

MS: Du bist auch auf dem neuen WARRIOR-Album zu hören…

Rob: Well, Joe Floyd (WARRIOR-Gitarrist), Roy und ich mixten mein Solo-Album. Danach sagte er: “Ich brauche einen Sänger für WARRIOR. Hättest du Interesse, mir zu helfen, die Songs zu schreiben und danach auf der Platte zu singen?” Ich entgegnete: “Meine Solokarriere steht jetzt zwar im Vordergrund, aber ich finde die Idee riesig. Ich empfinde Respekt für WARRIOR. Ich denke, es ist eine großartige Metal-Band. Ich habe Zeit genug dafür.” Daher sagte ich Ja. Ich arbeitete mit Joe die Songs aus, ging dann nach L.A. und spielte sie ein.

MS: Das hört sich so an, als wäre das nure in weiteres Projekt für dich.

Rob: Im Moment betrachte ich es als Projekt. Denn wenn ich mir die Geschichte von WARRIOR ansehe, sehe ich, daß sie nur alle 7 oder 8 Jahre ein Album herausbringen. Somit ist es für mich nicht sonderlich zeitaufwendig.

Doch wenn die Scheibe rauskommt und WARRIOR einen großen Erfolg beschert, werde ich der Band in jeder Hinsicht zur Verfügung stehen, um soviel Promotion wie möglich zu machen und es am Laufen zu halten, weißt du.

Im Moment brauche ich mit WARRIOR noch nicht sehr viel Zeit zu verbringen. Sie wohnen alle in L.A. und ich in Florida. Wenn´s richtig abgehen würde, wäre das toll. Wenn nicht, mache ich eben nur als Solokünstler weiter.

MS: Auch wenn es materiell für dich noch nicht so hingehauen hat, du bist sehr populär. Die Fans können sich darauf verlassen, daß alles, wobei du mitmachst, von hoher Qualität ist.

Allerdings kann ich mir vorstellen, daß vieles, was dir angeboten wird, nicht so prickelnd ist.

Rob: Ja, das ist wahr. Als ich damals die ANGELICA-Scheibe gemacht habe, hatten sie eine komplette Band. Ken Tamplin produzierte das Album. Der Sänger hatte Probleme im Studio. Deshalb rief Ken mich an, weil wir befreundet sind, und fragte mich, ob ich die Platte einsingen könnte. Doch als ich ins Studio kam und das tat, waren es ihre Songs, ihre Melodien, und ich tat alles, was Ken als Produzent von mir verlangte.

Ich mochte das Album nicht, weil es nichts von mir enthielt.

MS: Dein Name wurde nicht einmal genannt.

Rob: Ja. Aber das ist gut, denn mein Talent kam darauf auch nicht zum Ausdruck. Ich war ein Werkzeug. Da stand für mich fest, daß ich nur Spitzenqualität abliefern kann, die sich für mich richtig anfühlt.

MS: Was lief falsch? Hast du dich selbst eingebracht und es wurde hinterher wieder weggenommen, beim Mix oder so?

Rob: Nein. Ich habe bloß das Gefühl, daß ich nichts von meiner Persönlichkeit eingebracht habe. Ich war “die Stimme”, wo sie sagen: “Okay, sing diese Zeile. Sing sie so. Okay, nächste Zeile! Mach es so und so!”

Ich hatte nie die Möglichkeit, es auf meine Weise zu machen. Natürlich waren es nicht meine Texte und Melodien, daher war ich… ein Stift, den sie benutzten, um damit zu schreiben. Aber der Stift hatte kein Mitspracherecht, was geschrieben wurde.

MS: Vergleichst du dich mit anderen Sängern? Bei IMPELLITTERI hast du immerhin Graham Bonnet ersetzt!

Rob: Nicht wirklich. Ich sehe eine Stimme als ein besonderes Geschenk.

Ich meine, du wirst mit einer Stimme geboren. Es ist nicht wie ein Baß oder eine Gitarre. Wenn eine Saite reißt, ziehst du eben eine neue auf.

Oder du magst den Sound einer Les Paul lieber als den einer Fender; dann gehst du ins Geschäft und kaufst dir eine.

Eine Stimme ist alles was du hast. Du wirst damit geboren, und wenn du genug Glück hast, in der Lage zu sein, sich zu entwickeln, ist das Rohmaterial immer noch ein Geschenk Gottes. Das kann man nicht kaufen.

MS: Zumal jedes Instrument im Grunde nur versucht, die menschliche Stimme zu imitieren.

Rob: Ja. Besonders wenn sie versuchen, Melodien und Musik aus diesem Stück Holz herauszuholen. Doch wenn du singst, kommt die Stimme aus deinem Körper. It´s physically a part of you. Es ist etwas Spirituelles, ein Teil von dir, der zum Vorschein kommt.

Ich denke nicht, daß irgendwer eine Person mit einer anderen vergleichen und sagen kann: “Die Person ist häßlich, die ist hübsch.” Ich denke, jeder Mensch ist auf irgendeine Weise schön. Du mußt diese Schönheit finden, sie polieren und bekannt machen.

MS: Die findest du nur in der Seele der Menschen.

Rob: Genau. Graham Bonnet singt sehr rauh, sehr hoch. Er singt viele Skalen und so. Das ist großartig. Ich mag Graham Bonnet. Aber für mich ist das nichts. Rob Rock grew up singing only from the heart. Ich bin nicht zu vielen Gesangslehrern gegangen und habe Skalen und Noten geübt. Ich singe nur von Herzen, mit Gefühl und Emotion. Ich komme aus einer anderen Ecke. Deshalb meine ich, daß man nicht A mit B vergleichen kann.

Wenn ich es von der Seite betrachte, fühle ich mich nicht bedroht. Ich fühle mich wohl in meiner Haut.

MS: Was war der letzte Sänger, der dich echt umgehauen hat?

Rob: Ich denke, Chris Cornell von SOUNDGARDEN. Da habe ich gedacht: “Wow! That´s great! Ich mag seine Stimme, die Art, wie er es rüberbringt.” Er war der Letzte, der mir als Sänger wirklich gefallen hat.

Aber jetzt konzentriere ich mich mehr auf mich selbst. So wie letztes Jahr, als ich zuerst IMPELLITTERIs “Crunch”, danach mein Solo-Album und schließlich die WARRIOR-Scheibe gemacht habe. Ein ganzes Jahr lang habe ich ausschließlich Songs geschrieben! Ich habe sonst überhaupt keine Musik gehört. Daher ist es irre schwer für mich, eine moderne Band zu nehmen und zu sagen, daß sie mich beeinflußt, weil ich nicht mehr so Musik höre wie früher.

MS: Benötigst du eine bestimmte Atmosphäre oder Umgebung, um in die richtige Stimmung zum Schreiben zu kommen?

Rob: Nun… Ich muß nur isoliert sein, ohne die Ablenkungen des täglichen Lebens. Ich kann nicht aufstehen und mich an den Computer setzen oder fernsehen oder sonst eine Arbeit tun und dann zurückkommen und versuchen zu komponieren.

Für mich ist es das Beste, morgens aufzustehen und zu schreiben, und so mache ich es normalerweise auch: Hoch mit dem Arsch und ran! Das mache ich 6, 8, 10 Stunden lang. Wenn ich müde werde, mache ich etwas anderes. Wenn ich das zuerst tue, ist es sehr schwer für mich, kreativ zu sein.

Für mich ist Schreiben und Kreativität eine Gabe Gottes. Nochmal: Es ist nichts, das man kaufen kann. Es ist ein Geschenk, und wie du damit umgehst und es benutzt, liegt an dir.

MS: Da du so viele kreative Ideen hast, musikalische Ideen, und wenn du nicht so eine tolle Stimme hättest, gäbe es noch andere Möglichkeiten, deine Kreativität rauszulassen?

Rob: Ich wäre wahrscheinlich Drummer, haha, denn so habe ich angefangen: als Drummer, der viel Backing Vocals sang. Ich habe auch viele Ideen für Musik! Wenn ich sie auf Tape banne, tue ich das mit meiner Stimme. Das ist hart, aber…

MS: Als du 1991 zu Axel Rudi Pell kamst, stand die ganze Musik bereits. War es schwer, dich in Axel hineinzuversetzen und richtig zu verstehen, was er mit der Musik aussagen wollte?

Rob: eines der tollen Dinge an der Arbeit mit Axel ist, daß er nicht dasaß und sagte: “Ich will, daß du es so machst, wie ich es höre.” Er sagte: “Ich möchte, daß du so singst wie du singst. Nimm meine Idee und mach sie zu deiner eigenen.”

Und so war ich auf “Nasty Reputation” in der Lage… Er hatte viele Ideen für Melodien, doch die waren alle nicht ausgearbeitet. Er hatte ungefähr 20 Lyrics in jedem einzelnen Song, haha. Denselben Text für jedes Stück. Ich mußte die Melodie nehmen, sie auf meine Art singen und dann den Text schreiben, bei dem ich Axels Grundidee benutzte. Mal hatte er den Titel oder eine Textzeile oder sonstwas. Ich nahm seine Saat und bewässerte sie mit meinen eigenen Ideen. Dabei kam etwas Neues heraus, das ich zum Songwritingprozeß beitragen konnte.

MS: Hattest du die Möglichkeit, seine Karriere nach “Nasty Reputation” weiterzuverfolgen?

Rob: Ich stehe nach wie vor mit Axel in Kontakt, er schickte mir seine Platten und so. Ich habe ihn seitdem leider nicht mehr gesehen, weil ich nicht in Europa war. Aber vielleicht kann ich ihn treffen, wenn ich im Dezember wieder rübergehe. Ich hoffe es!

Dieses Interview erschien im EMPIRE #57/58 (1+2/01)

ROB ROCK – Rage Of Creation

10. Januar 2010

(Massacre Records/Connected)

Rob Rock hatte das Glück, bereits mit seiner ersten Truppe M.A.R.S. Kultstatus zu erlangen. Auf seinem Solo-Debüt macht er jedoch lautstark klar, daß er es absolut nicht nötig hat, vom Ruhm der Vergangenheit zu zehren.

Erstens ist er seit 1986 höchstens noch besser geworden. Zweitens zeichnet “Rage Of Creation” dasselbe aus wie Robs vorherige Stationen Axel Rudi Pell, DRIVER oder IMPELLITTERI: Im Vordergrund stehen geile Songs. Diese basieren zu gleichen Teilen auf Rocks Röhre und einem gewaltigen, nicht selten atemberaubenden Riffing von Roy Z, der den 11 Tracks obendrein den erwarteten Mördersound verpaßt hat.  

Von derart missiven Säulen getragen, kann man als Liebhaber majestätischen Heavy Rocks  bei dieser Scheibe keinen Fehler machen. Leider verhindern kleine Schwächen ein noch größeres Lob. Nach mehrfachem Hören fallen mir nämlich ein paar Nummern auf, die gegenüber dem Rest doch ein wenig abfallen.

“One WayOut” und “All I Need” (”…is you”, blah, blah) sind nicht gerade weltbewegend. Sie sind zu stark auf Stimme und Axt aufgebaut leben regelrecht davon. Sowas hat Rock überhaupt nicht nötig, zeigen doch der hymnische Opener “The Sun Will Rise Again” oder der Speed-Bolzen “Media Machine”, daß er sehr wohl kurze Kracher von Format schreiben kann.

Dennoch haben es mir die epischeren Titel noch mehr angetan, weil sie nicht einfach nr länger sind, sondern tatsächlich mehr passiert. Das sechseinhalbminütige “Judgement Day” ist mit seinen überraschenden Wendungen eine tolle Komposition. Ähnlich stark präsentiert sich das abschließende “Forever”, das im Refrain ein ganz kleines bißchen an den gleichnamigen Klassiker von Y&T erinnert.

Nicht zu vergessen das ABBA-Cover “Eagle”: Die Version von SARGANT FURY (mit dem heutigen THRESHOLD-Sänger Mac) war schon mega, aber diese Fassung hier stampft das Original unangespitzt in den Boden. Rob Rock hat das Meisterstück fertiggebracht, etwas völlig Eigenes und damit Neues daraus zu machen.

Dazu will die einfallslose Gleichbehandlung der Refrains wiederum so gar nicht passen. Die sind ständig in die Strophen reingeschnitten, und das nervt auf die Dauer ungemein. Und die im Info gepriesene Ballade “Beautiful Lady” sucht man gleicvh ganz vergebens (Japan-Bonus?).

“Rage Of Creation” ist also nicht so gut geworden wie es sein könnte, aber für eine Spitzenplazierung reicht es allemal.

Dieses Review erschien im EMPIRE #56 (5/00)

POWERWOLF – Ein guter Song passiert einfach! (WAY UP-Version)

08. Januar 2010

Gitarrist Matthew Greywolf und Tastenmann Falk Maria Schlegel sind im Freudentaumel: “Bible Of The Beast”, ihr dritter Longplayer, wird den Ruf der “Kraftwölfe” nicht nur festigen, sondern deutlich ausbauen. Lest im Folgenden, was die beiden (deren Beiträge ich aus Platzgründen nicht extra gekennzeichnet habe) über ihr neues Werk und ihre Musik allgemein zu berichten hatten:

 

 

 

MS: Ihr hattet nach und nach drei Songs von “Bible Of The Beast” ins Netz gestellt. Bekamt ihr darauf genügend Reaktionen, daß man frühzeitig wußte: “Wir haben es richtig gemacht!”?

PW: Da gab es eine Schlüsselszene: Wir haben zwei Wochen vor Release eine Show gespielt. Wir kamen kurz vor unserem Intro hinter der Bühne zusammen, um, wie das unser Ritual ist, noch mal kurz zu heulen. Da haben wir gehört, daß die Fans in der ersten Reihe schon “Raise Your Fist, Evangelist” gesungen haben. Das war was, wo man denkt: “Okay, das scheint zu funktionieren!” Das war natürlich sehr schön. Das war eine sehr direkte Reaktion. Wir haben auch schon ein paar Songs vorab live gespielt.

Das gleiche Phänomen konnte man beobachten, als wir – auch kurz vor Release – mit HAMMERFALL in Belgien gespielt haben, wo sogar schon Leute diesen Song angestimmt haben. Da bekommt man schon ein Gefühl dafür, das könnte in die richtige Richtung gehen. Man weiß nicht genau, aber dadurch bekommt man auch eine gewisse Sicherheit.

MS: Auf “Lupus Dei” war ich vor allem von “Saturday Satan” begeistert. Wenn man so einen Gassenhauer geschrieben hat, hat man dann auch selber den Eindruck, das ragt gegenüber dem übrigen Material noch mal heraus?

PW: Ich würde sagen, in dem Moment, wo du ein Album schreibst, fehlt dir erst mal der Abstand, zu sagen, welcher Song ragt heraus. Das zeigt sich erst später, gerade in der Livesituation, wenn du merkst, bestimmte Songs funktionieren einfach supergut auf der Bühne oder die Reaktionen sind sehr überschwänglich. Über “Saturday Satan” läßt sich im nachhinein sagen, da ist uns einfach ein sehr stimmiger Song gelungen. Aber als wir den damals aufgenommen hatten, war das nur einer von 10 Songs. Was sich daraus entwickelt, zeigt sich immer erst später. Ich könnte jetzt im Moment bei “Bible Of The Beast” auch noch keinen Song rausgreifen. Das wächst einfach so, gerade auch auf der Bühne.

MS: Es heißt ja, solche vermeintlich “simplen” Songs seien besonders schwer zu schreiben. Trifft das auf “Saturday Satan” zu? Hat es z.B. lange gedauert, bis ihr ihn in der endgültigen Version fertig hattet? Oder muß so eine Nummer in 30 Minuten entstehen, sonst funktioniert es nicht?

PW: Genau, Letzteres. Das ist nämlich genau der Punkt: Wenn du tagelang an einem Song feilst, sollte man irgendwann merken, da läuft was falsch. Ein guter Song muß einfach passieren! Die Erfahrung zeigt: Die Songs, die nachher am besten sind sind die, die sind einfach plötzlich da. Wenn du tagelang dran feilen mußt, wie jetzt eine Strophe an einen Refrain dranpaßt, dann muß man einfach irgendwann sagen: “Paßt einfach nicht!” Du mußt was spielen, und dann muß von irgendwo kommen: “Jetzt spielen wir genau das dran!” – und alle wissen genau, was gemeint ist und funktioniert. Wir haben für “Bible Of The Beast” mindestens 20 Songs geschrieben, und viele aus genau solchen Gründen verworfen. Ein POWERWOLF-Song muß richtig gut laufen und funktionieren. Das ist natürlich auch was… Du kannst es nicht erzwingen! Das sind so Sachen, die passieren. Das sind sehr magische Momente, wenn in dem Moment eine Art blindes Verständnis da ist und ein Song einfach entsteht.

Es gibt aber natürlich auch beim Wolf Baustellen, die monatelang immer wieder aufgebaut werden. Aber zum Glück kriegen wir es immer hin, irgendwann zu sagen: “Okay, da soll nix draus werden!” Uns ist es sehr wichtig, auch nur die Songs auf ein Album zu bringen, wo wir sagen: “Die funktionieren richtig gut, und die haben es verdient, ein POWERWOLF-Song zu werden.”

MS: Wenn ein Song nicht funktioniert, werft ihr den dann komplett weg oder hat man doch mal das Gefühl: “Dieser Part ist für sich genommen gut. Der könnte vielleicht woanders reinpassen.”? Oder macht ihr so was gar nicht?

PW: Selten. Wir haben auch für “Lupus Dei” jede Menge Riffs übriggehabt und haben keins davon wieder benutzt. Komischerweise eigentlich, denn da waren schon viele Sachen dabei, die als Parts vielleicht gut funktionierten, aber nicht als Lied. Aber irgendwie benutzen wir die Sachen dann auch gar nicht mehr. Es ist eine Zeit vergangen, man hat sich weiterentwickelt, gewisse Eindrücke bekommen, so daß wir dann eigentlich immer neu anfangen für ein Album und nicht auf alte Sachen zurückgreifen.

Das betrifft auch einzelne Songs. Es ist eigentlich selten so, daß man aus drei Songs, die nicht funktionieren, einen anderen baut, weil der wird wahrscheinlich auch nicht funktionieren. Da muß schon eine Initialzündung da sein. Die kommt oft… Oft ist der Anfang für einen Song auch ein starker Refrain, der da ist, und dann fängt man an, da einen Song drumherumzubauen. Wir brauchen immer so eine Initialzündung, und dann merkt man eigentlich sehr schnell, ob die Idee das Zeug hat, daß da ein guter Song draus wird.

MS: Was mir ausnehmend gut gefällt, ist eure Art von Humor: mal subtil, mal mit dem Holzhammer (”We Take The Church By Storm”). Ihr seid aber noch nicht bekannt genug, um mit der Kirche Probleme zu kriegen.

PW: Stimmt, Probleme hatten wir mit unseren Texten bislang keine. Das liegt auch daran, daß wir ab und zu mit einem Augenzwinkern schreiben. Man kann es Humor nennen wie du. Wir legen immer Wert drauf, daß man da eine Grenze zieht, weil bei “Humor” stehst du immer gleich mit einem Bein auf der Klamaukschiene. Wir erzählen keine Witze, wir wollen nicht lustig sein. Unsere Texte handeln vorwiegend vor religiösem oder spirituellem Hintergrund. Der Hintergrund ist also schon ernst, aber wir benutzen so ein bißchen das Element des Humors, um ab und zu durchscheinen zu lassen: Wir sind keine Missionare, wir sind keine Prediger. Wir schreiben über Religion, beziehen aber keine Stellung. Wir beschreiben Dinge, und wir erlauben uns eben hier und da ein Augenzwinkern, um z.B. Leuten, die sich auf die Füße getreten fühlen könnten, zu zeigen, es gibt durchaus einen kritischen und manchmal auch humorvollen Abstand. Das ist für uns ganz wichtig, um genau diese Distanz auch klarzumachen.

Wir predigen nichts. Wir predigen weder den Katholizismus noch den Satanismus. Wir beobachten religiösen Wahnsinn. Schlüsse kann sich da jeder draus ziehen, der sich damit beschäftigen will. Das ist das eine. Wichtig ist für uns aber auch, daß wir bei allem religiösen Hintergrund einfach eine gottverdammte Heavy Metal-Band sind und kein Religionsbuch. Das heißt, unsere Texte müssen auch für sich immer so funktionieren, daß man sagen kann, okay, abschalten, mitgröhlen, und es macht Spaß. Deshalb verwenden wir ganz bewußt ein Klischeevokabular und eine gewisse Symbolik.

 

Dieses Interview erscheint im WAY UP #35