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Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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MICHAEL DICKES – A Man and his Guitar

In einer Zeit, in der die Musikszene immer unübersichtlicher wird und aus allen Näthen zu platzen droht, werden die gemeinhin als “echte Künstler” titulierten Musiker seltener, aber auch um so wichtiger. Auf eine Stufe mit Peter Gabriel, Sting oder Fish gehört mit Sicherheit Michael Dickes. Wie schon bei GYPSY KYSS gelingt es ihm auch mit seinem ersten Solostreich “Uneven Alley”, den Hörer mit jeder Note zu verzaubern.

Nach seinem phantastischen Soloauftritt unterhielt ich mich mit Michael Dickes.

 

MS: Könnte man sagen, daß du dir mit “Uneven Alley” einen Traum erfüllt hast?

Michael: Es war schon lange mein Traum, ein Akustik-Album zu machen. Weißt du, alle meine Helden waren Musiker, die einfach auf die Bühne gehen konnten, nur mit einer Gitarre, ihrer Stimme, einfachen Songs und ihrem Hirn, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und es zu fesseln.

MS: Die SCORPIONS haben ja kürzlich dasselbe gemacht, um ihr neues Album vorzustellen.

Michael: Das ist etwas anderes. Ich spreche von EINEM Künstler und seinen Liedern. Es ist sehr schwer, ganz allein auf eine Bühne zu steigen!

MS: Es gehört eine Menge Courage dazu, denke ich.

Michael: Oh ja! Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, aber es hat eine Zeit gedauert.

Es hat auch damit zu tun, zum Wesentlichen in der Musik zurückzukehren. Weißt du, wann immer wir mit GYPSY KYSS eine Platte aufgenommen haben, gab´s eine Menge Gitarren, ein bißchen Keyboard…

MS: Ich finde nicht, daß auf den GK-Scheiben übermäßig viel Gitarre drauf ist…

Michael: Du wärest überrascht, wenn du bei den Arbeiten zu “Songs From A Swirling Ocean” im Studio gewesen wärst. Es war nicht wie bei DEF LEPPARD, aber es kamen doch viele Gitarren zum Einsatz.

MS: Mag sein, aber sie kamen doch nicht so sehr durch.

Michael: Right. Aber mein Ding ist nun mal einfache Musik.

MS: Was genau war es, was du mit GYPSY KYSS nicht realisieren konntest? Schließlich warst du die Hauptperson, und von daher war jede Platte in gewisser Weise eh eine Soloplatte von dir.

Michael: Ja, in gewisser Weise schon.

Einer der Hauptgründe, warum ich mich entschlossen habe, solo weiterzumachen, war der Name “GYPSY KYSS”. Es ist ein schrecklicher Name! Ich mag ihn nicht! Er klingt zu sehr nach GIPSY KINGS, GIPSY ROAD… Außerdem gibt es in England schon eine Band mit dem Namen GYPSY KISS.

MS: Stimmt! Die habe ich mal in einem Mailorder-Katalog entdeckt!

Michael: Ich meine, es kann sein, daß es in ein paar Jahren ein weiteres GYPSY KYSS-Album geben wird, aber ich bezweifle es.

MS: Also ist es mehr als nur eine lange Pause?

Michael: Ich denke es. Du mußt verstehen, viele Journalisten fragen: “Was ist mit GYPSY KYSS passiert?”, sagen aber gleichzeitig, ob ich nicht eigentlich GYPSY KYSS gewesen sei. Wirklich, wir sprechen hier lediglich über einen Namen!

Ich liebe alle Musiker, die mit mir in dieser Band gespielt haben. Sie sind weiterhin meine Freunde; sie unterstützen mich weiterhin und ich sie. Aber die Qualität der Musik hat sich doch nicht geändert! I´m still writing songs! Und meine jetzigen Songs sind besser! Ich werde älter und schreibe schon deshalb bessere Songs! Im Grunde hat sich doch nur der Name geändert, das ist alles!

Ich habe schon oft gesagt, daß ich irgendwann einmal alle GK-Mitglieder zusammenbringen möchte, um eine wirklich großartige Platte zu machen. Da sie alle jetzt selbst Songs schreiben, könnte jeder von ihnen zwei oder drei eigene Stücke beisteuern.

Aber momentan ist es schwierig genug, meine eigene Karriere ans Laufen zu bringen.

MS: Sind die Titel auf “Uneven Alley” direkt nach dem Ende von GK entstanden?

Michael: “Hey You” habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben. “In My Time Of Dyin´” is an old traditional blues song. “Turn To Stone” entstand vor einem Jahr.

MS: Die Platte deckt ja eine gewaltige Zeitspanne ab! Gibt es Songs darunter, die du besonders magst?

Michael: Schwer zu sagen. Ich lebe ja teilweise schon wirklich lange mit den Songs. Aber im Grunde mag ich die neuen Nummern mehr.

MS: Oder anders gefragt: Welcher Song hat dich am meisten bewegt, als du ihn geschrieben hast?

Michael: Vielleicht “Turn To Stone” oder “Uneven Alley”. Vielleicht…

Weißt du, die Hauptaussage von “Turn To Stone” ist: Ich wünschte, ich wäre vor langer Zeit geboren – 1960! Ich wünschte wirklich, ich hätte damals in New York gelebt, in Greenwich Village, als Joni Mitchell und Bob Dylan und die anderen einfache Songs schrieben und die Menschen ihnen zuhörten.

Heute gibt es diese gigantischen Produktionen und all diesen Bullshit, aber wenn es drauf ankommt, ist das Einzige was zählt ein einfacher Song mit guter Musik und einem vernünftigen Text.

MS: Eine große Produktion macht aus einem schlechten Song ja auch noch lange keinen guten!

Michael: Oh, manchmal schon, haha!

MS: Glaubst du, daß Musik, wie du sie machst, heutzutage große Chancen hat? Können die Leute noch zuhören?

Michael: Zuhören? Welcher Musik? Meiner?

MS: Oder auch Musik allgemein, sofern der Künstler etwas zu sagen hat.

Michael: Doch, ich denke schon. Ich bin auch der Meinung, daß die Anzahl derer, die auf die Texte achten, mehr und mehr zunimmt.

Du mußt sehen, daß es verschiedene Arten von Musikhörern gibt. Da sind zunächst diese “braindead people”, die nur das hören, was gerade angesagt ist.

MS: Für die ist Musik eh nur ein Konsumprodukt!

Michael: Yeah, sie hören nur das, was ihre Freunde gut finden.

Dann gibt es aber auch Leute, die Musik wirklich lieben. Ich meine, Musik ist nicht nur etwas, womit man ins Bett geht, wonach man tanzt oder was man im Auto hört. Musik ist das stärkste Kommunikationsmittel der Welt. Es hören jedenfalls mehr Menschen Musik als anderen beim Reden zu lauschen. I really think so.

MS: Was also kann Musik bewirken? Was kann sie verändern? Viele, selbst Musiker, sind der Ansicht, daß Musik nicht die Welt verändern kann.

Michael: Das kann sie mit Sicherheit nicht, aber sie kann zumindest helfen. Wenn du ein Nr. 1-Album hat oder eine Hitsingle im Radio, wird das von Millionen Menschen gehört. Wenn dein Song dann noch eine positive Aussage hat… Selbst wenn die Leute deine Message gar nicht hören wollen, sitzt sie trotzdem in deinem Unterbewußtsein. Musik ist sehr stark und hat eine mächtige Stimme.

Als Musiker trägt man jedoch eine große Verantwortung. Selbst wenn man diese nicht übernehmen will, muß man sich doch darüber im Klaren sein.

Stell dir mal vor, jeder Sänger, Songwriter, Künstler, der nächste Woche herauskommt, sagt: “Tötet den Papst!” oder sowas. Stell dir vor, wieviele Leute anfangen würden, ernsthaft darüber nachzudenken! Die Menschen sind nun mal hirnlos heutzutage, auch wenn es sich verrückt anhören mag.

MS: Du hast mal gesagt: “Viele Leute begreifen die Macht von Musik überhaupt nicht. Denen geht die Leistung, die die Bands erbringen, total am Arsch vorbei.”

Siehst du diesbezüglich Veränderungen bzw. wird es jemals welche geben?

Michael: Well, I don´t know! In gewisser Weise ist es für eine Band nur gut, wenn sie kämpfen muß. Ich wäre sehr unglücklich gewersen, wenn GK mit ihrem ersten Album gleich riesigen Erfolg gehabt hätten, weil die Musik auf der Platte nicht die ist, mit der ich den Menschen im Gedächtnis bleiben möchte.

Wenn du einmal Erfolg hast, wirst du auf einen bestimmten Musikstil festgenagelt. Eine Weiterentwicklung ist dann praktisch unmöglich. Wenn BON JOVI mit Country Music angefangen hätten…

Weißt du, heutzutage ist die Musikindustrie eine große, beschissene Maschine. Sie nehmen einen Künstler, der gut aussieht, ein bißchen singen kann, der vielleicht einen “catchy” Song hat, stecken ihn in ein tolles Studio, heuern einen superteuren Produzenten an, machen ein Video für MTV, bezahlen für die Radioeinsätze… they make this product! Und die meisten der Bands, die es über Nacht schaffen, sind innerhalb eines Jahres wieder verschwunden.

Daher bin ich sehr froh, daß ich immer kämpfen mußte. Aber jetzt habe ich meinen Stil gefunden, schreibe die Songs, mit denen ich mich wohlfühle.

Dieses Interview erschien im HORROR INFERNAL #49 (11/93)

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