ROBIN BECK – Gelassene Power
Es paßt einfach nicht, bei ROBIN BECKS neuem Album “Do You Miss Me” von einem Comeback zu sprechen, denn die Amerikanerin, die unter allen Umständen schonungslos ehrlich ist, hat immer Musik gemacht – neuerdings sogar mit ihrer siebenjährigen Tochter Olivia (“Sie sieht aus wie ihr Vater und singt wie ihre Mutter. Wenn er singt, imitiert sie ihn. Wenn ich singe, sagt sie mir, was ich besser machen muß!”). Sie war in den letzten Jahren nur nicht so präsent wie zu Zeiten von “First Time” und ihrer ersten – eigentlich zweiten – Platte “Trouble Or Nothing” Ende der Achtziger.
MS: Verglichen mit den Big Names früher sind auf “Do You Miss Me” eher unbekannte Musiker zu hören. Sie haben jedoch ausgezeichnete Arbeit geleistet. Es klingt, als ob sie es alle genossen hätten, und es für sie nicht bloß ein weiterer Studiojob war.
Robin: Weißt du, diese Platte wurde von Fabrizio Grossi produziert, der in Los Angeles lebt. Also wurden die Tracks hin- und hergeschickt. Ich war nicht mit den Musikern in Los Angeles, sondern nur hier mit James (Christian, Sänger von HOUSE OF LORDS). Das ist aus den Credits nicht ersichtlich, aber er hat die Songs sozusagen zurechtgeschneidert, hier etwas gekürzt, dort etwas hinzugefügt. Wir haben das dann untereinander kritisiert und anschließend Fabrizio mitgeteilt, was wir davon hielten.
Daher bin ich nicht hundertprozentig sicher, wie sich die anderen beim Einspielen gefühlt haben. Aber für mich klang es, als hätten sie es gemocht und genossen. Leider konnten wir diesmal wegen der Entfernung zwischen uns keine Beziehung zueinander aufbauen.
MS: Aber ist das nicht der Normalfall in der Studioszene, daß der Solokünstler nicht dabei ist, wenn seine Musik aufgenommen wird?
Robin: Nun, was mich betrifft, ich bin normalerweise dabei. Das war bisher auf jeder Platte so, die ich gemacht habe. Ich war gemeinsam mit den Musikern im Studio und habe zu dem gesungen, was sie gespielt haben, damit sie ein Gefühl für die Tempi, Breaks und Tonarten bekamen. Weißt du, alles richtete sich nach der jeweiligen Tagesform.
Aber heute ist die Entfernung ein Problem, wenn du zusammen spielen oder aufnehmen willst. Wenn du aus einem Bundesstaat oder Land wegziehst, geht das logischerweise mit einer Änderung deiner Adresse einher. Und die Entfernung wird lächerlich, wenn du zu weit wegziehst, um weiterhin dieselben Musiker anzurufen. Einige sind gestorben, einige spielen in Bands, die oft auf Tour sind – und einige haben sich ganz zur Ruhe gesetzt. Dann findest du sie gar nicht mehr. Und wenn doch, dann sagen sie: “Nein, ich nehme nur noch mein eigenes Zeug bei mir zuhause auf!” oder “Ich will mich nur noch um meine Frau und meine Kinder kümmern!” oder “Ich nehme jetzt christliche Platten auf!”
Beides ist ein Luxus: Ins Studio zu gehen und hunderte und tausende Dollars für deine Tracks ausgeben zu können. Auf der anderen Seite ist es ebenfalls ein Luxus, es in der Behaglichkeit deines eigenen Heims zu tun. Das sind zwei völlig verschiedene Gefühle.
Ich muß zugeben, daß man sich mit Musikern unsterblich fühlt, über dem und losgelöst vom Rest der Welt. In dem Moment fliegst du so hoch und bist quasi unantastbar. Denn Musiker zu sein ist etwas derart Besonderes. Das machen nicht so viele und arbeiten mit einem solchen Kaliber von Leuten, wie ich das tun konnte. Und zuhause arbeiten – im Pyjama! – meine Tochter hält meine Hand, wenn ich mich nicht gut fühle. Oder wenn ich es leid bin, einen Song zu singen, aber immer noch nicht glücklich damit bin.
Das ist genauso speziell, denn du nimmst das Mikrofon – und du bist total du selbst! Es kommt direkt aus deinem Herzen; aus allem, was dich ausmacht. Es kommt einzig auf dein Talent an. Die Inspiration, aber auch Ablenkung von außen fällt völlig weg. Jetzt bist du mit dir alleine! Das ist so rein und ehrlich wie es nur sein kann! Weil du es wirklich in dir finden mußt. Und das fühlt sich gut an!
MS: Wieso sind auf “Do You Miss Me” drei verschiedene Gitarristen zu hören?
Robin: Ich weiß es nicht! Ich denke, Fabrizio hat die Gitarristen nach dem jeweiligen Stück ausgesucht; danach, wer darauf am besten spielen würde, wer ihm das ehrlichste oder authentischste Feeling geben würde. Denn viele dieser Songs waren sehr unterproduziert, bestanden nur aus dem Gerippe, und wir haben die Musik drumherum kreiert, um ihnen den Spirit von “Trouble Or Nothing” zu geben, im alten Sinn des Rock´n´Roll der Neunziger und Achtziger.
Musik ist in dieser Weise nicht mehr kreativ. Leute gehen ins Studio und spielen Gitarrensoli auf ihren Keyboards! So gut wie Santana! Wenn du etwas produzierst, bekommst du wirklich das Gefühl, daß du nicht für alles denselben Musiker brauchen kannst, wenn du alles, was dir vorschwebt, richtig umsetzen willst. Das ist auf eine Art gut, aber andererseits ist es keine Band. Aber weißt du was? Ich bin keine Band, ich bin ein Solokünstler. Da ist der Produzent schon wichtig, was die Auswahl der Musiker betrifft, und leider war ich diesmal eben nicht dabei. Ich habe keinen der beteiligten Musiker je getroffen. Ich bekam einen Rough Track, sang Pilotvocals drauf und schickte ihn zurück. Dann bauten sie die Musik drumherum, schickten es mir wieder zu.
Ich überließ James die endgültige Entscheidung, was wir machen und was nicht, die “Do”s und “Don´t”s. Dies war das erstemal, daß ich mich aus allem komplett rausgehalten habe und nur als Sängerin fungierte. Das war auf eine Art echt gut, weil es mir eine Chance gab, mich selbst wiederzufinden. Es ist lange her, daß ich aus voller Kehle und mit ganzem Herzen gesungen habe. Ich liebte es!
Es war eine gute Erfahrung, alleine zu sein. Weißt du, ich vertraue meinem Body Rhythm, um genau die richtige Ecke für die Musik zu finden. Ich konzentriere mich auf das Feeling, das die Musik mir gibt, das Feeling, das die Worte mir geben. Ich male mein eigenes Bild im Kopf. Ich denke mich an einen anderen Ort, wenn ich gewisse Lieder singe. Es gibt welche, mit denen kann man das nicht machen. An die muß man technischer herangehen. Aber meistens kommt meine Inspiration aus meiner eigenen Palette; welche Farben ich im Kopf auch immer auswähle, um meinen eigenen Regenbogen zu malen und da einfach runterzugleiten.
MS: Zu meinen Favoriten gehört “Stone By Stone”. Das ist kein Rocksong und keine Ballade, sondern ein Mittelding. Ist sowas für dich schwieriger zu singen?
Robin: Nein. Ich bin froh, daß du “Stone By Stone” erwähnst. Es ist nicht sehr rockig, aber es ist immer noch ein Rocksong, wenn auch mehr in der Art von DON HENLEY. Ich liebe diesen Rhythmus. Ich liebe Rhythmen, wie sie etwa “Missing You” von JOHN WAITE besitzt. JOHN WAITE, ROD STEWART, JOE COCKER – das sind meine Traumsänger. Mein leidenschaftliches Singen habe ich von Steven Tyler (AEROSMITH) gelernt. Ich weiß, ich mache es anders, aber er ist meine Inspiration.
MS: Ist es für einen Solokünstler nicht hart, zu entscheiden, welches Foto von sich er auf das Frontcover packen will? Welches Bild von dir und deiner Musik möchtest du z.B. bei “Do You Miss Me” vermitteln?
Robin: Na ja, es ist ja kein Konzeptalbum, sondern eine Rockscheibe. Deshalb wurde dieses Bild aufgrund des Gefühls ausgewählt, daß es beim Betrachten in uns auslöste. Und als ich das Foto sah, sprang mir spontan der Titel von Amys (Amy Sky) Song “Do You Miss Me” in den Kopf. Ich meinte zu den anderen: “Wißt ihr was? Es mag sich ein wenig anmaßend anhören, daß die Welt loslegt: “Jau, wir haben dich vermißt!”"
Darum ging es nicht. Es war nur das Gesicht drauf, und das funktionierte für mich. Ich mochte es! Die Plattenfirma dachte: “Vielleicht “Coming Back For More”…” Ichsagte nein, denn ich war ja nie weg. Es war lediglich so, daß sich die Leute nicht mehr so dafür interessiert haben, was ich gemacht habe. I´m not coming back for more because I still haven´t left. Mit “Do You Miss Me” will ich einfach nur sagen: “Jetzt singe ich das, weshalb du diese Platte gekauft hast. Daher hoffe ich, du bist froh, mich wiederzusehen! Und daß ich diese Platte gemacht habe, denn ich habe sie für dich gemacht! Ich habe sie für mich und für dich gemacht!!”
Robin Beck über ihre Alben vor “Do You Miss Me”:
Sweet Talk (1979)
Ich war ein Baby, haha! Das war mein erstes vollständiges Album. Damals fehlte mir die Richtung. Ich lernte immer noch über das Business und hatte nie zuvor die Möglichkeit bekommen, eine Platte zu machen. Kein Album; ich hatte vor laaaaanger Zeit eine Single aufgenommen, in Detroit, mit der jedoch nichts passierte. Die Position, ein richtiger Künstler zu sein, war völlig neu für mich. Daher mußte ich geführt werden.
Die Zeit von “Sweet Talk” fiel in das Ende einer Ära: Disco. Disco hatte seinen Höhepunkt erlebt und war im Grunde gelaufen. Doch das konnte ich nicht wissen, denn Disco war wirklich nicht meine Stärke. Damals bezeichnete ich mich als R´n´B-Sängerin. Ich landete also in diesem Geschäft und wußte nicht, wer ich war. Das fand ich erst heraus – und das hört sich für dich bestimmt seltsam an – durch die vielen Gelegenheiten, an Projekten mitzuwirken, bis ich irgendwann bei Werbespots angelangt war. Immer mehr Leute, die 10, 20 Mal mehr Erfahrung hatten als ich, sagten zu mir: “Du bist eine unglaubliche Rocksängerin! Warum in aller Welt singst du Disco?!”
So bewegte ich mich immer mehr in diese Richtung, zunächst indem ich versuchte, so zu klingen wie die Künstler, die ich bewunderte, wie CHAKA KHAN oder ARETHA FRANKLIN. Ich liebte diesen Stil. So wurde ich sehr flexibel und lernte irre viel.
Trouble Or Nothing (1989)
Ursprünglich wollten wir es “Double Or Nothing” nennen. Weil es ein Spiel war. So empfand ich es jedenfalls. Im Verlauf der Aufnahmen drängte sich mir jedoch mehr und mehr das Gefühl auf, daß das Album Ärger oder gar nichts sein sein würde. Ich würde entweder ein Album haben, das zu machen eine Menge Zeit und Ärger kosten würde, oder ich würde gar kein Album haben. So kam ich zu “Trouble Or Nothing”. Hier wie auch bei “Human Instinct” hätte kein Songtitel ausdrücken können, was ich für die ganze Platte empfand.
Übrigens ist deine Annahme, ich hätte bei der Auswahl der Songs kein Mitspracherecht gehabt, total falsch! Wahr ist freilich, daß mir keiner gesagt hat, daß so viele der Titel bereits von anderen Künstlern aufgenommen worden waren. “Save Up All Your Tears” von BONNIE TYLER war die einizge Version, die ich kannte. Ich liebte sie! Sie hatte “Total Eclipse Of A Heart” gemacht. Den Song habe ich gehaßt! Selbst wenn ich gewußt hätte, daß er ein Hit war, wäre das nicht mein Ding gewesen. Aber nachdem ich sie singen gehört habe, fand ich sie irre gut. Aber daß z.B. “Hide Your Heart” auf fünf Platten erschien, bekam ich gar nicht mit. Ich vwußte, daß der Titel nicht mein Ticket zu Ruhm und Reichtum sein würde. Es war ein niedlicher Song, aber am wenigsten mein Favorit auf der Platte, zusammen mit “If You Were A Woman (And I Was A Man)”. Das wurde mir von Desmond (Child) aufgedrückt. Er sagte, daraus sei “Livin´ On A Prayer” erwachsen. “Diese Nummer habe ich zuerst geschrieben, vor “Livin´ On A Prayer”. Du solltest es machen! Es ist ein Hit!” Ich sagte ihm, daß mir das Lied nicht gefiel. Aber ich hatte so viele der Songs auf der Platte ausgesucht, daß auch andere etwas Input haben sollten.
Und er ist ein wundervoller Produzent. Es stimmt, daß seine Produktionen alle ähnlich klingen und manchmal den Künstler regelrecht zudecken. Mich aber nicht, finde ich. Desmond wäre der Erste, der dir sagt, daß er bis dahin mit niemandem wie mir gearbeitet hatte. Ich weiß, daß ich die erste Rocksängerin war, die er produziert hat. Und ich denke, er hat dadurch einen Kick bekommen, weil endlich mal jemand seine Produktionen richtig fordern konnte. The productions didn´t run the show. Es gab kein Lautstärkeproblem, mit anderen Worten. Das konnte mich nicht zudecken. Auch nicht der Wall of Sound, auf den Desmond bei den Background Vocals so steht. Für mich war das so toll, weil 7, 8 meiner Lieblingssänger um mich herumstanden, und je mehr Tracks wir sangen, umso mehr Spaß hatten wir! Wir haben uns gar nicht so sehr mit dem Endprodukt beschäftigt; wir waren beim Singen viel zu sehr im Moment gefangen.
Das Ergebnis IST ein Klangwall. Aber die Wahrheit ist: Es macht soviel Spaß, wenn so viele Menschen, die derart gut singen können, gemeinsam ein Lied schmettern. Und dann ist am Ende der Sound so groß. Und es erschafft ein Bild! Das ist dreidimensional! Wenn du es dir im Studio anhörst, kannst du es aus den Wänden kommen sehen!! Ich muß aber auch sagen, daß die Platte noch besser hätte ausfallen können. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte die Company mich besser verstanden, und hätte ich nicht… Ich hatte ein Zeitproblem. Bedenke: Als “First Time” als Single herauskam, gab es noch gar kein Album! Niemand war auf den Erfolg vorbereitet, den dieser Song hatte – am wenigsten ich! Ich wußte nicht mal, daß er in den Charts war! Ich hatte keinen Plattenvertrag, als der Song Nr. 1 war! Mir blieben etwa 6 Monate zum Schreiben, denn wir machten eine zweite Single, “Save Up All Your Tears”, die ebenfalls ein großer Hit wurde. Damit wäre allerdings noch viel mehr möglich gewesen. Es ist ein Smash-Hit. Du könntest das Lied morgen herausbringen, und es würde für den Interpreten ein Hit werden. Es sollte 500 Mal aufgenommen werden, von sovielen Künstlern wie möglich, denn wenn du es singen kannst…
Nicht so wie CHER. Sie ist ein Superstar, daher sorgt so ziemlich alles, was sie tut, für Aufsehen. Ihre Version war mir peinlich. Sie war keine Freundin von mir, deshalb konnte ich ihr nicht sagen: “Der Song ist zu groß für dich. Laß es lieber!” Doch was kann ich dir sagen? Man kennt sie immer noch dafür hier in Amerika. Dabei wurde er nicht Nr. 1. Er kam nicht einmal besonders hoch in den Charts.
Human Instinct (1992)
Da sich die Platte so stark um Liebe und Romantik und Beziehungsprobleme drehte, mußte es ein menschlicher Instinkt sein, weiterhin verliebt zu bleiben. Und um solche Songs zu singen und mich mit dem ganzen Album wohlzufühlen, mußte ich es “Human Instinct” nennen. Das ist es, was dieses Album ist: Alles darauf handelt von Liebe – was ja jeder will!
In dieser Phase meines Lebens habe ich einiges durchgemacht. Ich sah keinen Grund, warum ich auf einmal das Label wechseln mußte. Ich hatte großen Erfolg, und ich hatte keinen Schimmer, warum ich gedroppt wurde. Ich mußte zu einem Independent Label gehen – das war bizarr für mich! Alles, was mir während diesem Album passierte, war sehr empfindlich. Und in diesem Sinne lernte ich eine Menge über das Musikgeschäft, über Menschen, über Image… Gewiß habe ich mit einigen der großartigsten Musiker der Welt arbeiten dürfen. Und ich hatte zu allen eine wundervolle Beziehung. Die Produzentin Susan Hamilton war und ist einer meiner besten Freunde; wie eine Schwester, der ich meine tiefsten Gefühle anvertrauen kann. Daher habe ich zum erstenmal Songs gesungen, die tiefer gingen, die lyrisch mehr Tiefe hatten. Natürlich war dies der Anfang vom Ende, denn meine Fans wollten das nicht hören.
Auf diesem Album habe ich gelernt, mich zu manipulieren; zu glauben, daß diese Songs ebenfalls sehr stark wären und ein Eigenleben hätten. Ja, sie waren schon Rock, aber auf eine andere Art. Sie waren sehr melodiös und gingen mehr in Richtung Pop/AOR. Zu dieser Zeit in meinem Leben war ich am Boden zerstört. Ich wollte wirklich eine weitere Rockscheibe machen, aber ich fühlte mich so… uninspiriert, so traurig, daß ich mich erneut von der Plattenfirma und Menschen, die ich sehr mochte, führen ließ.
Ich war nach all dem nicht mehr ich selbst. Ich hatte so große Pläne gehabt, wie phantastisch meine nächste Scheibe werden sollte und fühlte mich von den Labels betrogen. Ich war ein wenig verloren, und ich wurde nicht gefunden bis zu dieser letzten Platte, haha.
Can´t Get Off (1994)
Der Titelsong war insofern ein großer Fehler, als “to can´t get off” im Englischen vor allem eine sexuelle Bedeutung hat. Für mich bedeutete der Titel “Can´t Get Off” etwas anderes, als er von den Leuten aufgefaßt wurde. Das zeigt, wie naiv ich sein kann – und dickköpfig! Ich versuchte es zu erklären: “Was ich meine ist, daß ich nicht von diesem Karussel aus Liebe, Kummer und Schmerz runterkomme. Ich hätte gerne etwas anderes, von dem ich nicht loskomme.” Und sie sagten: “Warte ab, bis du interviewt wirst…” Und so war es dann auch…
Ich kann dir gar nicht sagen, wieviel Spaß es gemacht hat, diese Platte aufzunehmen. Abgesehen davon, daß es wieder kein Rock war, hatte ich nie zuvor in meinem Leben soviel Spaß. Ich durfte in PETER GABRIELS Studio arbeiten und in einem Schloß wohnen. Alle meine Freunde aus New York und Los Angeles kamen nach England, um auf meiner Platte zu spielen. Darin steckte eine enorme Energie. Es war keine Erholung, kein emotionales Comeback. Es war einfach genug für mich. Ich war nicht mehr verloren, aber, wie ich sagte, noch nicht wiedergefunden.
Wonderland (2003)
“Wonderland” ist ein fabelhaftes Album! Ich werde dich nicht anlügen und sagen, daß das ein Fehler war. Ich denke einfach, es war nicht für die Fangemeinde von “Trouble Or Nothing” gemacht. Die Songs auf der Scheibe – und ich denke nicht, daß auch nur ein schlechter dabei ist – sind sagenhaft. Nimm nur den Titeltrack “Wonderland” und hör ihn dir an. Lehn dich zurück, schließ die Augen und hör zu. Wenn du im Urlaub an den Strand gehst und mit den Wellen im Hintergrund diese CD hörst, wirst du dich rettungslos in diesen Song verlieben. Ich liebe auch “Slow”. Es ist der Teil meiner Stimme, der nicht im geringsten Rock´n´Roll ist. “Freedom” ist unglaublich! “Lift It Up” just knocks me dead! Der Song hat etwas an sich, das ncht nur spirituel packend ist. Er erinnert mich auch daran, als ich ein Kind war. Er hat etwas von der Unschuld der alten FLEETWOOD MAC. Es ist ein Lied, das man hören WILL, weil es nicht so durchgenudelt, sondern erfrischend klingt, auch vom Thema her.
Die Qualität von “Wonderland” ist vielleicht nicht so offensichtlich, aber wenn man sich die Zeit nimmt und sich eingehend mit der Platte beschäftigt, läßt sie einen nicht mehr los! Mein “least favorite” ist “When You Come Back To Me”. Und der Grund, warum ich es nicht mag, ist, daß es einen echten R´n´B-Sänger gebraucht hätte. Und davon bin ich seit zuvielen Jahren weg. Deswegen habe ich die Nummer nicht so hingekriegt, wie sie es verdient gehabt hätte. Aber das Stück war wunderschön, und jeder wollte, daß ich es singe.
Dieses Interview erschien im EMPIRE #76 (3/05)