Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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SOLITUDE – Virtual Image

(Spiritual Beast/Japaneigenveröffentlichung)
6 Tracks, 36:38 min.
“Virtual Image” ist zwar alles andere als ein neues Album, aber da es in Deutschland trotz Feature auf der vierten “Metal Crusade”-CD des HEAVY, ODER WAS!? bislang nicht vertrieben wird, dürften nur wenige mit dem Namen SOLITUDE etwas anfangen können.
Wie die meisten japanischen Gruppen sind auch diese Jungs musikalisch allererste Sahne. [...]

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TWO FIRES – Der Zauber der Harmonie!

Das “perfekteste” AOR-Langeisen der letzten Zeit ist zweifellos das Debüt von TWO FIRES. Kein Wunder, schließlich haben bei diesem Projekt mit Band-Charakter mit Kevin Chalfant und Josh Ramos zwei gestandene Rock-Recken die Zügel in der Hand.

Und es ist ebenfalls kein Wunder, daß dieses Suchtmittel zur erfolgreichsten Veröffentlichung des emsigen Frontiers-Labels avancierte.

Doch wie jeder Erfolg hat auch dieser seinen Preis, wie Kevin, in dessen Vita so klangvolle Namen wie 707, JOURNEY und THE STORM auftauchen, zu berichten weiß:

 

MS: Es scheint, daß alles, was du anfaßt, zu Gold wird…

Kevin: Hahaha! Nun, wir planen es so. Manchmal braucht es seine Zeit, doch es ist wunderbar, daß du deine Arbeit machen und dabei Spaß haben kannst und dann dafür auch noch bezahlt wirst.

MS: Was braucht es, um so viele Songs von solcher Qualität zu haben? Einfach nur eine Menge Zeit? Oder eine besondere Art des Komponierens?

Kevin: Ich denke, es ist eine Kombination von beidem. Im Laufe der Jahre habe ich viel Zeit und Geld darauf verwendet, Dinge auszuprobieren.

Heute bin ich der Ansicht, daß ein großer Song auch eine große Produktion braucht. Dem muß man dann auch nachgeben!

Früher habe ich etwas geschrieben und es dann jemand anderem gegeben, um es zu produzieren, und es wurde nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Daher habe ich mir jetzt mein eigenes Studio gebaut und arbeite darin mit den Leuten, von denen ich glaube, daß sie es so klingen lassen können, wie ich es in meinem Kopf höre. Das ist auf jeden Fall besser für mich.

MS: Es scheint sehr wichtig für dich zu sein, einen Songwritingpartner zu haben.

Kevin: Ich habe gerne Partner. Wenn du über Beziehungen schreibst, und es ist jemand dabei, dann ist das wie ein Gespräch. Wenn ich Selbstgespräche führen würde, würden mich alle für verrückt halten, haha!

Ich meine, es ist dasselbe wie der Artikel, den du über TWO FIRES schreibst: Es macht das Ergebnis wesentlich besser, wenn wir direkt miteinander sprechen, als wenn du etwas schreibst, was du irgendwo gelesen oder gehört hast. Wenn ich mit Jim Peterik schreibe, respektieren wir beide die Arbeit des anderen. Wir lassen alles andere schießen und vertiefen und ganz und gar in den Song. Wir wissen, daß etwas Gutes dabei herauskommt und machen uns keinen großen Kopf darum.

MS: Gibt es etwas Besonderes, von dem du mit Gewißheit sagen kannst: “Das trage ich zu jedem Song bei, an dem ich beteiligt bin.”?

Kevin: Nun, ich versuche immer, etwas Positives zu schreiben, etwas Gutes. Das bedeutet nicht, daß jede Geschichte ein Happy-End haben muß, doch es ist immer gut, wenn du weißt… Ich kann eine FOREIGNER-Scheibe auflegen, die fast 20 Jahre auf dem Buckel hat – es berührt mich heute noch genauso wie damals. weil es zeitlos ist! 

Wenn man über Beziehungen redet, egal ob zwischen Mann und Frau oder unter Freunden, ändern sich die Gesichter, aber die Story bleibt dieselbe. Also bleibe ich dabei, echt starke Melodien zu schreiben, die eine zeitlose Botschaft transportieren, weißt du, wie ich es über Jahre hinweg gelernt habe. Es scheint zu funktionieren!

MS: Eigentlich mag ich Liebestexte nicht sonderlich. Bei deinen verhält es sich ein wenig anders, weil sie mir ehrlicher und intensiver zu sein scheinen als das durchschnittliche “Junge trifft Mädchen”-Zeug.

Kevin: Danke! Das ist mir wichtig. Ich freue mich, daß du mir deine Gedanken hierzu mitteilst, denn ich habe sehr hart daran gearbeitet.

Mir geht es ja auch so: Wenn ich es mir anhöre, frage ich mich: “Bewegt es mich oder hört es sich so an, als würde ich einfach nur die Worte singen?” Ich will, daß es bedeutungsvoll klingt, das ist meine Absicht. Es soll mehr sein als der Song an sich. Ich möchte, daß die Leute, wenn sie es hören, sagen: “Wow! Genau das mache ich gerade durch! Ich möchte wissen, wie die Geschichte ausgeht.”

MS: Allgemein hat das Wort “Liebe” viel von seiner Magie verloren. Es wird einfach zu oft und gedankenlos dahingesagt, gerade in der Musik. Für viele amerikanische Bands sind es bloß Worte. Sie stecken weitaus mehr Arbeit in die Musik als in die Texte.

Kevin: Das ist wahr. Ich kann mich erinnern, als ich jünger war, waren uns nur die Musik und das Riff wichtig. Es kam nicht darauf an, was man sagte. Und zu der Zeit war das auch so! Wenn man es oft genug sagte, sangen die Leute mit. Und ich denke, eine gute Sache, die ich über die Jahre gelernt habe, ist, daß es nicht darauf ankommt, etwas bis zum Erbrechen zu wiederholen, sondern daß es viel entscheidender ist, was du sagst. Wenn die Menschen es hören, und es bedeutet ihnen etwas, dann spielen sie es immer wieder; sie haben eine innere Beziehung dazu, nicht weil du es ihnen mit Gewalt einhämmerst.

MS: Der offenichtlichste Unterschied zu THE STORM ist die Aufteilung des Gesangs, die es bei TWO FIRES nicht gibt. Aber hat es auch beim Schreiben Veränderungen gegeben?

Kevin:Nun, Josh und ich wollten seit vielen Jahren eine weitere STORM-Scheibe machen. Ich produzierte eine Solo-Platte, Gregg (Rolie, Keyboarder bei JOURNEY und THE STORM) machte ebenfalls eine.

Als es schließlich an der Zeit war, eine neue CD anzugehen, riefen Josh und ich Gregg an und meinten zu ihm, es wäre schön, zusammenzukommen und eine Platte einzuspielen. Gregg arbeitete gerade an einem weiteren Alleingang. Er wurde in die hiesige “Rock´n´Roll Hall Of Fame” aufgenommen, und seitdem konzentriert er sich auf seine frühen Jahre. Es war nämlich die SANTANA-Band, mit der er in die “Hall Of Fame” kam. Also machte er SANTANA-artige Musik, wie er sie bereits in den Siebzigern und späten Sechzigern gespielt hatte.

Er wollte sich nicht davon lösen, um eine STORM-Scheibe zu machen, und ich sagte: “C´mon Josh, laß uns selbst eine Platte aufnehmen! Es ist mir egal, wie wir die Chose nennen. Von mir aus kann das Ganze MUD heißen, I don´t care!” Ich fühlte mich nicht wohl dabei, es unter THE STORM laufen zu lassen ohne Gregg.

Falls wir dieses Jahr keine Platte mit Gregg machen, werde ich wohl versuchen, die Band wieder ans Laufen zu kriegen. Ich hasse es, das zu sagen, aber ich würde versuchen, einen anderen Sänger zu finden, mit dem ich auskommen könnte. Gregg wäre stets meine erste Wahl, weil wir prima zusammengearbeitet haben und unser Songwriting klasse war. Doch ich bin der Meinung, wenn er nicht mit dem Herzen dabei ist, wenn es ihn woanders hinzieht, sollte er ihm folgen.

Ich hege keinerlei Groll gegen ihn. Ich liebe ihn, er ist wie ein älterer Bruder für mich. Meine Frau und seine Frau sind sehr eng befreundet, genauso unsere Kinder. Wenn er sich entscheidet, einen anderen Pfad einzuschlagen, verstehe ich das. Nur möchte ich THE STORM nicht weiterführen ohne ihn. Aber jeder kennt uns als THE STORM, daher bedarf es einer Menge Arbeit, um TWO FIRES zum Durchbruch zu verhelfen.

MS: Auf beiden THE STORM-Platten gab es einen Titel, der ein wenig aus dem Rahmen fiel: “In The Raw” auf dem Debüt (1991) und “Livin´ It Up” auf “Eye Of The Storm” (1995). Sie fielen mir sofort auf, klangen aber trotzdem nicht wie Fremdkörper. 

Kevin: Unsere Idee war bei beiden Songs die, Joshs sehr tiefe Stimme dazu zu benutzen, einen anderen Charakter zu kreieren. So we had fun with it! Wir haben uns kaputtgelacht, als Josh herumlief und mit seiner tiefen Stimme allerhand Blödsinn von sich gab. Einige der ganz frühen Bands wie THE TEMPTATIONS benutzten eine tiefe Stimme, um die richtig hohen Stimmen noch besser klingen zu lassen.

Zuerst wollte er nicht und jammerte: “Mein Image, mein Image!” Aber ich entgegnete ihm nur: “Welches Image? Wir verpassen dir jetzt erst mal eines!” Schließlich ließ er sich doch noch breitschlagen. Es ist wie ein Witz: Wenn du Leute es hören, lachen sie und genießen es, daß es mal was anderes ist. Ich meine, Leute haben uns geschrieben und gesagt: “Geil! Diese Lieder sind purer Fun!” Und darum geht es in der Unterhaltung: Leute zu unterhalten und nicht alles so ernst zu nehmen und ständig sein Ego zu pflegen. Ich will Spaß haben!

Tatsächlich befindet sich auf der Japan-Pressung der TWO FIRES-Platte ein Bonustrack, auf dem Josh wieder herumblödelt. Leider wollten Frontiers das auf der europäischen Fassung nicht haben. Die Leute lachen jedesmal, wenn sie es hören! Und ich denke, es ist ein gutes Lachen, nicht so, als ob sie denken: “Das ist echt blöd!”

Und das ist es, was ich will: Ich will die Leute zum Denken bringen, zum Lachen, zum Weinen. Ich denke, so weißt du, daß du einen Nerv getroffen hast…

MS: Das einzig Negative, was ich über eure Platte sagen kann, ist: Wenn ich sie am Stück höre, denke ich manchmal: “Es könnte etwas riskanter sein!”

Kevin: Das habe ich schon einige Leute sagen hören. Noch einmal: Ich kann mich dafür nicht entschuldigen, denn wir haben echt hart daran gearbeitet, und Josh und ich haben seit 1993 nicht mehr zusammen gespielt oder komponiert oder im Studio gearbeitet.

Ich kann mich also wirklich nicht dafür entschuldigen, außer vielleicht der Tatsache, daß wir voll darauf fixiert waren, so melodiös zu schreiben wie wir konnten. Der Japan-Bonus verläßt diesen Rahmen ein wenig. Das europäische Label war jedoch nicht sonderlich interessiert an dieser Art Songs. Sie wollten die melodischeren Stücke, und daher nahmen sie die riskanteren Sachen nicht auf die Platte. Ich überließ ihnen die Auswahl, denn wenn eine Plattenfirma mir sagt: “Wir kennen den hiesigen Markt. Wir wissen, was die Leute hier hören wollen. Sie mögen dies und dies und dies…”, muß ich ihrem Urteil vertrauen. Ich möchte nicht enttäuscht sein und ebenso wenig andere enttäuschen. Ich hoffe, daß jeder die Songs genießen kann, und nächstes Mal schmeißen wir vielleicht eine Schippe drauf!

MS: Kann Musik zu harmonisch sein?

Kevin: Nun, ich denke gerne: “Da steckt Emotion drin!” Ich versuche mir Melodien auszudenken, bei denen man sich selbst dabei ertappt, daß man sie vor sich hinpfeift oder -summt.

Wenn ich härtere Musik höre, passiert mir das nicht. Ich denke, Melodien beflügeln unseren Geist, geben uns ein gutes Gefühl. Wenn du einen üblen Tag hattest, hörst du dir ein Lied mit einer aufbauenden Melodie an, um wieder gut drauf zu kommen. Ich weiß nicht, vielleicht ist das mein Sicherheitsnetz. Ich höre gerne härtere Musik, doch die bringt mich selten super drauf…

MS: Mit “riskant” meine ich, daß ich bei Joshs Gitarrenspiel das Gefühl habe, daß es da eine unsichtbare Linie gibt, die er nicht überschreitet. Dann denke ich: “Oh bitte, nur einen Schritt weiter!” – und das passiert nicht! Vielleicht wird das ja nur von der großen Produktion zugedeckt, so daß ich es nicht hören kann…

Kevin: Ich sage dir was: Auf dem Track auf der Nippon-Version übertritt er die Linie. Und es gibt noch zwei weitere Stücke auf der US-Pressung, da tut er es ebenfalls. Ich kann dir sagen, daß die ausgewählten Nummern komplett vom Label ausgesucht wurden, und daß die Band es mag, die Linie zu überschreiten, hahaha.

MS: Frontiers baten dich um die Platte, nicht?

Kevin: Ja. Sie wollten ein echtes Melodic Rock-Album. Wir kamen an den Punkt, wo sie zu mir sagten: “Kanns tdu uns eine Platte liefern, die näher an THE STORM liegt oder sogar den Einfluß, den die JOURNEY-Musiker auf deine Karriere hatten? Denn das ist es, was die Leute gerne wieder von dir hören würden!” Und deshalb geht die CD mehr in die melodische Richtung von THE STORM, als daß sie nach meiner Solo-Schleife klingt, auf der ich mehr in Richtung Rhythm´n´Blues à la Paul Rodgers unterwegs war. Daher dachte ich: “Der perfekte Weg, das zu machen, wäre, wenigstens Josh mit dabei zu haben!” Also haben wir Josh dazugeholt, damit es mehr eine Gruppe ist als ein Solowerk. Josh und ich haben es dann in die Richtung von THE STORM entwickelt.

MS: Wie würdest du deine Entwicklung als Komponist und Musiker von den frühen 707-Tagen bis heute beschreiben?

Kevin: Ich würde sagen, daß ich mich heute sicherer fühle, was meine Fähigkeiten betrifft. Die Tatsache, daß ich mein eigenes Studio habe, in dem ich tun und lassen kann, was ich will, macht ebenfalls eine Menge aus. Vor allem kann ich alles umschmeißen und komplett verändern, wenn es mir nicht zusagt. Vorher war ich nur der Sänger, und jemand anderes drückte auf den Knopf. Den kann ich jetzt selber drücken und meine Ideen weiterspinnen, wie immer ich will. Wenn es gut ist, ist das toll. Taugt es nichts, wirst du mich dafür verantwortlich machen.

Ich denke, wir werden besser und besser. Während wir lernen, was die Leute an dem mögen, was wir tun… wenn Leute wie du sagen: “Es könnte risikofreudiger sein!” Ich meine, wir könnten es weit heavier angehen! We can go a very heavy approach. Ich weiß nicht, ob wir uns damit am wohlsten fühlen würden. Ich habe in meiner Karriere meistens poppige, melodiöse Musik gemacht und zu versuchen, eher eine Band wie METALLICA zu sein, würde bedeuten, meine “natürliche Umgebung” zu verlassen.

Wenn METALLICA ein Pop-Album machen, mache ich eine METALLICA-artige Scheibe, hahaha!

MS: Na, davon sind sie ja nicht mehr weit entfernt!

Kevin: Ich weiß. Ich denke, sie richten sich sehr nach dem amerikanischen Markt. Sie haben großen Erfolg hier, und jeder will ja in seiner Heimat erfolgreich sein. Und das Radio hat sich so sehr verändert… Es protegierte erst Rap, dann Alternative, und jetzt ist es mehr ein Dance-artiges Ding, das landesweit den Ton angibt. Keiner weiß, was als nächstes passieren wird. Deshalb wende ich mich jetzt mehr Europa und Japan zu. Ich habe in Europa und Japan noch nie getourt, und ich bekomme eine Menge positives Feedback von dort.

MS: Unter “I Can See You” steht: “In care of writers.” Was heißt das? Es sind keine Komponisten genannt.

Kevin: Das ist eine lange Geschichte, aber der Song wurde vor vielen Jahren geschrieben, und ich habe die anderen Komponisten aus den Augen verloren. Und ich möchte nicht alle Namen einsetzen, und dann ist einer beleidigt, weil ich ihn vergessen habe.

Im Grunde sagt das nur, daß jegliches Geld, das der Song einbringt, gesammelt wird. Und wenn wir uns mal wieder treffen, wird es aufgeteilt. Doch im Moment ist es einfach so, daß ich keinen beleidigen und trotzdem den Song verwenden will. Also dachte ich, wäre ich so auf der sicheren Seite. Ich sammle das Geld und lege es auf die Seite. Ichweiß, wer die Jungs sind, ich weiß bloß nicht, wo sie sind. Ich bin sicher, wenn die Scheibe hier in den Staaten so richtig einschlägt, werden sie mich schon finden, hahahaha!

MS: Viele Bands verlieren im Laufe der Jahre ihre Magie…

Kevin: Es ist hart, denn du bist auf die Gnade der Plattenfirmen angewiesen und mußt dich gegen wechselnde Moden und Stile durchsetzen.

Das ist das, was ich beobachtet habe, das ist meine Meinung: Wenn ein Solo-Künstler wie Sting oder Rod Stewart die Plattenfirma hinter sich hat, ist es wesentlich einfacher, ihn den einzelnen Märkten flexibel anzupassen, als eine ganze Gruppe. Denn da sind es oftmals fünf Köpfe gegen einen. Wenn da einer anderer Meinung ist, bleibt die Ausrichung trotzdem gleich. That´s the safe zone. Es ist ungleich schwieriger, eine Band am Laufen zu halten, weil mehrere Leute mehrere Ansichten haben, und da kann es passieren, daß sie die falsche Entscheidung treffen und das “falsche” Album machen.

MS: Glaubst du, daß man die Magie beibehalten kann, wenn man sie einmal gefunden hat?

Kevin: Nun, ich versuche das. Ich denke, daß es vor allem daran liegt, daß überall auf der Welt die Musikszene anders ist. Also bist du ständig am Kämpfen: “Erwische ich die richtige Zeit, um weltweit Erfolg zu haben oder werde ich nur in Teilen akzeptiert?” Dabei findest du heraus, daß, wenn die Musikszene sich zu verändern beginnt, die großen Künstler mit ihren Veröffentlichungen abwarten. Einige können es sich leisten zu warten, andere nicht.

Paul Rodgers ist einer der besten Popsänger aller Zeiten – so soulful! Er hat sich für viele Jahre aus der Musikszene zurückgezogen, und ich glaube, der Grund dafür war, daß er es leid war, ständig in und aus der Mode zu sein. Und schließlich kam er an den Punkt, wo er sagte: “Das ist, was ich tue, das ist, was ich bin – nehmt es oder laßt es!” Und da bin ich auch, hahaha! Ich denke nicht: “Wird dieser Song wohl oft im Radio laufen?” Ich vermute, das steckt unterbewußt in mir drin, weil ich Amerikaner bin und das Radio wichtig ist, um hier Platten zu verkaufen.

Vor allem muß es mir Spaß machen. Und wenn ich eine Ballade habe, zu der ich nicht unbedingt einen starken persönlichen Bezug habe, dann sind es eher die Leute, die mich inspirieren, Menschen die mir sagen: “Ich habe deinen Song auf meiner Hochzeit gespielt!” oder “Wir haben unser erstes Kind Kevin genannt!” Die Leute sagen das wegen eines ganz bestimmten Liedes. Selbstverständlich bedeutet es nicht jedem dasselbe, aber wenn es eine Ballade ist, will ich auch ins Schwarze treffen. Ich möchte, daß sie sich ins Herz eingräbt und auch später noch etwas bedeutet. Ich möchte, daß es ihr Lieblingslied wird!

MS: Ich kann mir vorstellen, daß es ein ziemlicher Drahtseilakt ist, einerseits in deiner eigenen kreativen Welt zu leben und auf der anderen Seite die Sprache der Menschen zu sprechen.

Kevin: Es ist hart, Bruder! Du bist selbst Schreiber, du mußt dich mit denselben Sachen herumschlagen. Du mußt den festen Willen haben, dann und wann einen Schritt zu wagen, und selbst wenn es nicht das ist, wozu alle anderen dir raten, mußt du es durchziehen.

Mir haben schon Leute Artikel geschickt, die über mich geschrieben wurden, die wirklich brutal zu lesen waren. Es kam nichts so rüber, wie du es gemeint hattest! Da investierst du die ganze Arbeit, 6 Monate in ein Album, und in weniger als 50 Worten geben sie dir das Gefühl, daß es die größte Zeitverschwendung war!

MS: Oh! Was haben sie kritisiert?

Kevin: Es gibt Leute, die, egal was du machst, denken, weil sie Kritiker sind, müßten sie auch kritisch sein. Sie könnten auch einmal etwas Nettes sagen oder Dinge anerkennen. Wie du zu mir sagtest: “Es könnte ruhig ein bißchen riskanter sein! Kick that solo and light the guitar on fire!” Nun, das ist wahr! Ich kann dir da zustimmen! Doch einige Leute schreiben nur, um grausam zu sein. Sie nehmen die andere Seite ein, sagen: “Ich werde so kritisch sein, daß ich diesen Typen in der Luft zerreiße!”

MS: Deine Songs klingen sehr emotional und gleichzeitig sehr logisch, aber wenn ich mir vorstelle, daß du das alles aus dem Nichts erschaffst, erkenne ich, was füreine großartige Leistung das ist.

Kevin: Und die Worte werden nicht von der Gitarre verschluckt. Manchmal denke ich, daß Gitarren ein schönes Versteck sein können.

Jemand hat über die TWO FIRES-Scheibe geschrieben: “Ich hätte lieber die Gitarren lauter und deine Stimme leiser!” Ich entgegnete: “Nun, das ist gut. Aber ich habe verschiedene Mixe in dieser Richtung ausprobiert, und es klang einfach nicht ausgewogen. Der Sound, für den wir uns letztlich entschieden haben, unterstützt das komplette Album mehr als jeder andere, den wir getestet haben!”

Dieses Interview erschien im EMPIRE #57+58 (1+2/01)

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