ROB ROCK – Rage Of Creation
(Massacre Records/Connected)
Rob Rock hatte das Glück, bereits mit seiner ersten Truppe M.A.R.S. Kultstatus zu erlangen. Auf seinem Solo-Debüt macht er jedoch lautstark klar, daß er es absolut nicht nötig hat, vom Ruhm der Vergangenheit zu zehren.
Erstens ist er seit 1986 höchstens noch besser geworden. Zweitens zeichnet “Rage Of Creation” dasselbe aus wie Robs vorherige Stationen Axel Rudi Pell, DRIVER oder IMPELLITTERI: Im Vordergrund stehen geile Songs. Diese basieren zu gleichen Teilen auf Rocks Röhre und einem gewaltigen, nicht selten atemberaubenden Riffing von Roy Z, der den 11 Tracks obendrein den erwarteten Mördersound verpaßt hat.
Von derart missiven Säulen getragen, kann man als Liebhaber majestätischen Heavy Rocks bei dieser Scheibe keinen Fehler machen. Leider verhindern kleine Schwächen ein noch größeres Lob. Nach mehrfachem Hören fallen mir nämlich ein paar Nummern auf, die gegenüber dem Rest doch ein wenig abfallen.
“One WayOut” und “All I Need” (”…is you”, blah, blah) sind nicht gerade weltbewegend. Sie sind zu stark auf Stimme und Axt aufgebaut leben regelrecht davon. Sowas hat Rock überhaupt nicht nötig, zeigen doch der hymnische Opener “The Sun Will Rise Again” oder der Speed-Bolzen “Media Machine”, daß er sehr wohl kurze Kracher von Format schreiben kann.
Dennoch haben es mir die epischeren Titel noch mehr angetan, weil sie nicht einfach nr länger sind, sondern tatsächlich mehr passiert. Das sechseinhalbminütige “Judgement Day” ist mit seinen überraschenden Wendungen eine tolle Komposition. Ähnlich stark präsentiert sich das abschließende “Forever”, das im Refrain ein ganz kleines bißchen an den gleichnamigen Klassiker von Y&T erinnert.
Nicht zu vergessen das ABBA-Cover “Eagle”: Die Version von SARGANT FURY (mit dem heutigen THRESHOLD-Sänger Mac) war schon mega, aber diese Fassung hier stampft das Original unangespitzt in den Boden. Rob Rock hat das Meisterstück fertiggebracht, etwas völlig Eigenes und damit Neues daraus zu machen.
Dazu will die einfallslose Gleichbehandlung der Refrains wiederum so gar nicht passen. Die sind ständig in die Strophen reingeschnitten, und das nervt auf die Dauer ungemein. Und die im Info gepriesene Ballade “Beautiful Lady” sucht man gleicvh ganz vergebens (Japan-Bonus?).
“Rage Of Creation” ist also nicht so gut geworden wie es sein könnte, aber für eine Spitzenplazierung reicht es allemal.
Dieses Review erschien im EMPIRE #56 (5/00)