MELISSA ETHERIDGE – Hello Happiness (Original-FOCUS-Version)
15. August 2010In sich selbst ruhend, beschreibt Melissa Etheridge im Titelsong ihres zehnten Albums “Fearless Love” genau das: den Idealzustand einer Liebe ohne Angst.
Zwei Ereignisse verändern das Leben eines Menschen von Grund auf: die Geburt eines Kindes und eine schwere Erkrankung. Ähnlich wie Chris Rea, der seit seiner lebensbedrohlichen Bauchspeicheldrüsenoperation dem Blues fröhnt, scheint die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs die Kämpferin Melissa musikalisch befreit zu haben. Im Lebensspiegel “The Awakening” wurden wir Zeugen, wie sie die Fesseln sprengte. Darüber hinaus faszinierte der musikalische Streifzug durch das bewegte Leben der Künstlerin mit seiner einmaligen Kombination aus Leichtigkeit und Tiefe (und bescherte uns fast beiläufig mit “The Kingdom Of Heaven” die wohl ergreifendste 9/11-Bewältigung).
Wie dieser Befreiungsprozeß weitergeht, kann man nun auf “Fearless Love” nachhören. Mehr denn je pfeift die von ihrer neuen Leichtigkeit wie berauscht wirkende Oscar- und zweifache Grammy-Gewinnerin auf Verkaufszahlen und Chartplatzierungen. Erstens kräht nach denen morgen kein Hahn mehr; außerdem kann man immer nur einen Ferrari fahren!Jetzt zählt allein die künstlerische Befriedigung. Da verwundert es nicht, dass die musikalische Bandbreite noch einmal größer geworden ist. Zusammengehalten von auf den ersten Blick simplen Arrangements, die sich bei eingehender Beschäftigung als umso raffinierter entpuppen, trifft ganz selbstverständlich Düsteres wie das dramatische “To Be Loved” auf den zupackenden Rock von “Company” oder textlich das Paradies (”Heaven On Earth”) auf irdische, allzu menschliche Träume und Sehnsüchte (”Miss California”). Über allem thront das sich behutsam aufbauende, in der zweiten Hälfte unaufhaltsam steigernde “Indiana”, in dem hinter der berückenden Fragilität eben jenes Feuer lodert, das man längst erloschen glaubte.
Wohlig und warm eingebettet in die herrlich ursprüngliche Produktion vom ebenfalls Grammy-dekorierten Rückkehrer John Shanks zeigt “Fearless Love” mit seinem für Rock ungewöhnlichen Facettenreichtum mustergültig auf, dass die Qualität der Songs zwar das Entscheidende, aber eben nicht alles ist. Obendrauf gehören solche “Kleinigkeiten” wie Intensität und Feuer bei der Umsetzung im Studio, wenn aus einem qualitativ hochwertigen Album einen Meilenstein werden soll. Shanks trommelte für die Aufnahmen eine komplett neue Mannschaft zusammen, was für eine explosiv-relaxte Spannung sorgt, die man mit keinem technischen Trick der Welt erzeugen könnte.
Das Mitwirken von Joss Stone – mit der die damals infolge der Chemotherapie kahlköpfige Melissa bei den Grammy Awards 2005 Janis Joplins “Piece Of My Heart” performte – und Natasha Bedingfield wertet “Fearless Love” natürlich noch zusätzlich auf – nötig hat dieses vor Energie berstende und doch feingliedrige Reifezeugnis eine derartige prominente Schützenhilfe jedoch nicht im geringsten.
CD
Titel Fearless Love
Interpret Melissa Etheridge
Label Island/Universal
VÖ 23.04.10