Auf ein Wort!

Oh nein, jetzt treibt sich dieser Spacko auch noch im Netz rum!!! Tut dat Not?!? Aber hallo! Hier gibt es Interviews, Reviews und mehr. Allem gemeinsam: Der ganze Krempel ist komplett von mir! Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muß jeder für sich selbst entscheiden... Was wollt Ihr sonst noch hier sehen? Ideen habe ich reichlich, möchte aber zuerst wissen, was Euch interessiert. Teilt es mir mit, z.B. als Kommentar. Spezielle Fragen zu mir und meiner Arbeit, Lob und Kritik aller Art ("Wie besoffen muß man sein, um so einen Mist zu verzapfen?") - egal was. Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt... Haut rein, Ihr Eierbären! Michael P.S. Das Copyright aller Texte auf dieser Seite liegt ausschließlich bei Michael Schübeler.

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UFO – You Are Here

(Steamhammer/SPV) 12 Tracks, 53:00 min. Mit „You Are Here“ gelingt es UFO tatsächlich, an ihr zu Recht gefeiertes ´97er Comeback „Walk On Water“ anzuknüpfen. Die neuen Songs liegen auf der gleichen Wellenlänge, versprühen den Geist jenes Klassewerkes und sind wieder wesentlich griffiger ausgefallen als die meisten Stücke auf den letzten beiden Outputs mit Primadonna Michael [...]

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GLENMORE – Der zweite Anlauf

Donnerstag, 29. März 2012

Normalerweise läuft es eher umgekehrt: Mit ihrem Debüt „Materialized“ wurden GLENMORE 1993 von der schreibenden Zunft in hohen bis höchsten Tönen gelobt. Die Fans verweigerten dem starken Erstling jedoch die Anerkennung, die Verkäufe blieben weit hinter dem Potential des Quintetts zurück. Seinen Frust über die verpaßte Chance ballert man vernünftigerweise ins zweite Album „For The Sake Of Truth“, das, von der beachtlichen musikalischen Weiterentwicklung mal ganz abgesehen, die einzige „Schwäche“ des Vorgängers, nämlich eine vereinzelt bemängelte Affinität zu QUEENSRYCHE, für alle Zeiten ausmerzt.

Sänger Jürgen Volk gab mit stolzgeschwellter Brust Auskunft.

 

 

MS: Im Gegensatz zu dem, was ihr mir bei unserem letzten Gespräch gesagt habt, fungierte diesesmal nicht erneut Frank Bornemann als Produzent, sondern Charlie Bauerfeind (SARGANT FURY, RAGE…). Weshalb der Wechsel?

 

Jürgen: Das ist eigentlich ´ne ganz einfache Sache, unsere musikalischen Geschmäcker gingen einfach etwas auseinander. Frank tendierte etwas mehr zum Filigranen, ELOY-Angehauchten (ELOY ist die Band, in der Frank spielt; die erfolgreichste deutsche Prog Rock-Band der Siebziger. – MS), während unsere Musikrichtung, das ganze Material, das wir für unsere zweite Platte schrieben, insgesamt härter war als „Materialized“, von Anfang an. Wir wollten einfach etwas erdiger spielen.

Und da Charlie Bauerfeind bereits 1991 unser erstes Demo produziert hat, genügte ein kurzer Gedanke, ein Anruf – schon war´s passiert!

 

MS: Ist davon auch euer Verlagsdeal mit Frank Bornemann betroffen?

 

Jürgen: Nein, den besitzen wir noch, das ist kein Problem. Der Deal schreibt uns nicht vor, daß wir mit Frank produzieren müssen. Wir können uns den Produzenten aussuchen und arbeiten, mit wem wir wollen.

 

MS: Was mich ein wenig irritiert hat – sofern du darüber reden möchtest – war der Ärger, den ihr mit CMM aus Hannover hattet. Ihr seid die erste Gruppe, von der ich höre, daß sie mit dieser Promotionfirma unzufrieden ist.

 

Jürgen: Menschlich hatten wir mit den Leuten auch gar keine Probleme, nur…

 

MS: Genau deswegen wundert mich das!

 

Jürgen: Es ist einfach so, daß der ganze Managementkomplex nicht zu uns gepaßt hat, schon räumlich nicht. Wir kommen aus dem Süden, und wenn du dann ein Management aus Hannover hast und mit dem kurzfristig Dinge zu besprechen hast, das geht einfach nicht. Man kann nicht alles am Telefon regeln.

 

MS: Stimmt, da habt ihr es mit Brainstorm besser.

 

Jürgen: Ja, die Jungs können mal kurz herfahren, wenn irgendwas ist, oder wir schauen bei ihnen vorbei. Auf längere Sicht ist das besser so.

 

MS: Interviewmäßig wart ihr mit „Materialized“ überall vertreten.

 

Jürgen: Ja, die taten auch viel. Mit der Arbeit von Olly Hahn waren wir hundertprozentig zufrieden. Zum Aufbau einer Band gehört jedoch mehr, und das funktionierte nicht.

MS: Was Touren betrifft, ist außer mit SAGA so gut wie nichts gelaufen.

 

Jürgen: Genau.

 

MS: Kann das nicht auch daran gelegen haben, daß letztes Jahr einfach für Musik wie eure schlecht war?

 

Jürgen: Teils, teils. Ich glaube, jeder weiß, was gut war und was schlecht war.

 

MS: Siehst du denn schon Verbesserungen? Vielleicht eine etwas größere Tournee am Horizont?

 

Jürgen: Da ist unsere Plattenfirma Polydor gerade dran. Wir sollen auf jeden Fall als Support auf Tour gehen. Es sind auch schon Bands im Gespräch, aber noch nicht Definitives. Ich kann dir also noch keinen Namen nennen. Die sind aber echt schwer am Ackern.

 

MS: Der Sound auf „For The Sake Of Truth“ ist sehr viel markanter als bei „Materialized“. Wenn man beide vergleicht, bollert schon das Advance-Tape mehr als beim Vorgänger die CD.

 

Jürgen: Zu der damaligen Musik paßt der Sound. Ich finde im Nachhinein, daß die erste Platte sehr glatt klingt, sehr steril. Diesmal wollten wir von den Arrangements her einfach einen rougheren Sound haben.

Bei Charlie stießen wir damit auf offene Ohren. Er steht auf die härtere Ecke und produziert viele Bands aus diesem Bereich. Es war sowohl der Wunsch der Band, als auch des Produzenten, einen Zahn zuzulegen.

Entsprechend schnell ging´s dann auch. Im Vergleich zu „Materialized“ haben wir nur ein Drittel der Einspielzeit gebraucht. Es hat sehr gut geklappt; wir mußten nicht viel darüber reden. Eine Art blindes Verständnis.

 

MS: Habt ir mittlerweile einen Ersatz für euren Drummer Didi (Dietrich Vogt) gefunden?

 

Jürgen: Ja, haben wir! Der Mann heißt Michael Kasper und kommt ebenfalls aus Stuttgart. Er war einer der zehn Drummer, die wir ausprobiert haben. Der ist wirklich oberamtlich.

Bisher hat er jedoch hauptsächlich in Coverbands gemuckt und auch einige Jahre Jazz gespielt, um auch andere Stilarten reinzukriegen. Jetzt ist er jedoch wieder richtig im Heavy-Lager drin.

 

MS: Es war zu lesen, daß du von der Esoterik-Schiene weitestgehend runter bist. So Sachen wie „It´s just believing that makes the dream come true“, was sehr stark, aber auch blauäugig klingt, dürftest du demnach so schnell nicht mehr schreiben!

 

Jürgen: Speziell bei dem Song („Take On A Shining Star“) ging es ja eigentlich nur um dieses Märchen, nicht um unsere Träume, die wir irgendwie wahr machen wollen.

Auf dem ganzen ersten Album ging es um das Positive, daß jeder versuchen sollte, aus jeder Situation das Gute rauszuziehen, alles aus einem positiven Blickwinkel zu sehen.

Auf der zweiten Platte sind wir sehr realistisch geworden, auf uns und die Musik, vielleicht auch auf die Umwelt bezogen. Realistischer heißt, ich sehe auch die schlechten Dinge und lache da auch nicht drüber und denke: „Das wird sich schon alles irgendwie zum Guten wenden.“ Von daher würde ich sowas nicht mehr unbedingt schreiben, nein.

 

MS: Soweit ich das verstehe (die CD mit den schlecht lesbaren Texten traf erst am Tag nach dem Interview bei mir ein), geht auf „For The Sake Of Truth“ vielleicht „King Of Almighty“ noch ein wenig in diese Richtung.

 

Jürgen: Ja, „King Of Almighty“ ist schon ein relativ positiver Song, allerdings geht´s da mehr um die „Mutter Erde“, will ich mal sagen.

Ich bin nachts um Drei aufgewacht, hab´ mir die Klampfe geschnappt; da war ein Riesengewitter. Da habe ich also am Fenster gesessen, hab´ mir das angeschaut und gedacht: „Mensch, eigentlich bist du ja ´n richtig kleiner Wurm mit all deinen Pipi-Problemen. Gegen die Natur und ihre Phänomene bist du nichts.“

Aus dieser Sicht heraus ist der Song sowohl positiv als auch nachdenklich ausgefallen.

MS: Über den „Not Enough Song“ habe ich schon geschmunzelt, bevor ich ihn überhaupt gehört hatte.

 

Jürgen: Hahaha! Was soll ich sagen, das ist einfach ein Kommentar von unserem Gitarristen (Welchem? – MS). Für ihn war das immer eine Art Spielerei, den er manchmal auch auf Konzerten bringt.

Das war ein reiner Gag im Studio. Da hat´s für ´nen schönen, normalen Song nicht gereicht, haha!

 

MS: Besonders freut mich, daß ihr meinen Live-Favoriten „Crime Of This Time“ mit auf die Scheibe gepackt habt. Bei eurem Gig in Hannover letztes Jahr warst du dir dessen noch nicht sicher.

 

Jürgen: „Crime Of This Time“ ist in der Tat einer der älteren Songs auf der Scheibe, wobei die Stücke durch die Bank etwa ein halbes Jahr alt sind.

„Crime…“ war eine unserer ersten Ideen. Wir haben den Titel dann noch ein wenig verändert und ihn mit draufgepackt, weil er einfach einen tierischen Groove hat, das wollten wir nicht missen.

 

MS: Die Soli sind allgemein viel besser geworden. Dafür ist „Crime…“ das beste Beispiel.

 

Jürgen: Stimmt, da ist im Studio viel daran gefeilt worden. Ich denke, das zeigt unseren Fortschritt mit am besten.

 

MS: Wovon handelt „Neverending“?

 

Jürgen: „Neverending“ ist eine ziemlich traurige Geschichte mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Es geht um einen Typ, der in einer Art Sanatorium ist. Er kann nicht hören, kann nicht sehen, kann eigentlich nur fühlen. Er versteht alles, kann sich aber nicht ausdrücken. Er weiß, was du denkst, ist also trotz seiner Misere nicht manövrierunfähig, wie man meinen könnte.

 

MS: Gibt der Song eine Erklärung, warum der Mann sich in dieser Lage befindet?

 

Jürgen: Nein. Das kann ein tragischer Unfall sein, ein Geburtsfehler, egal was. Es ist nicht festgelegt, warum er sich in diesem Dilemma befindet. Entscheidend ist, wie er damit fertig wird; mit einer Situation, die jetzt gerade passiert.

 

MS: Es ist also nicht so wie bei METALLICAS „One“, oder?

 

Jürgen: Nein, kein Kriegsversehrter oder so.

 

MS: Über dich konnte man lesen, daß du ungültig wählen willst.

 

Jürgen: Ja.

 

MS: An sich keine schlechte Idee, solange man nicht Braun wählt.

 

Jürgen: Genau. Weißt du, ich bin eigentlich nie der Wähler gewesen, aber diesesmal möchte ich schon meine Stimme abgeben; allerdings so, daß sie nicht die falsche Partei bekommt.

Meine Meinung ist, egal ob CDU oder SPD, im Ergebnis ändert sich nicht viel, weil jeder zuerst mal an sich denkt, an seinen eigenen Stuhl.

 

MS: Und über die kleinen Parteien weiß man zu wenig.

 

Jürgen: Die werden es auch nie so weit bringen, daß sie wirklich was zu sagen haben. Und wenn ich mir die FDP angucke, eine Partei, zu der man wenigstens noch ein bißchen Vertrauen haben kann, die verlieren ihre Wähler.

 

MS: Deren Hin- und Herspringerei dürfte viele irritiert haben.

 

Jürgen: Aus dem Grund geht bei denen zur Zeit auch nichts. Und wen willst du da noch wählen?

 

MS: Komischerweise ist die rechtsradikale Scheiße in anderen Ländern Europas noch viel dicker als bei uns, z.B. in Frankreich. Gerade die Franzosen müßten es doch eigentlich besser wissen.

 

Jürgen: Ja, sicher. Die sind halt mit ihrer Regierung genauso unzufrieden wie alle Länder. Ich glaube kaum, daß es ein Land gibt, wo die Leute rundum zufrieden sind mit dem was abgeht.

Dazu kommt, daß die Jüngeren keinerlei Erfahrungen mit Faschismus haben. Die haben darunter nie leiden müssen.

 

MS: Bringt denn vielleicht das Europa-Parlament eine Verbesserung?

 

Jürgen: Das ist ´ne gute Frage. Bis jetzt glaube ich da noch nicht recht dran.

Ich hoffe es schwer, es wär´ ´ne coole Idee. Die Frage ist nur, bis zu welchem Punkt sie sich verwirklichen läßt.

 

MS: Angenommen, du könntest nächste Woche auf Tour gehen, wen würdest du denn gerne begleiten?

 

Jürgen: Mittlerweile gibt’s nur noch wenige Bands, mit denen ich gerne „on the road“ gehen würde. Mit irgendwelchen Ziegenbart-Combos mit Zipfelmützen loszuziehen, das bringt nichts.

 

MS: Ja, steht auch im Info, die magst du nicht!

 

Jürgen: Nee, die mag ich absolut nicht, muß ich ehrlich sagen. Aber es gibt auch noch Leute, die normale Musik hören. Den Grunge-Bands fehlt es einfach an guten Songs, an etwas, das hängenbleibt.

Bei uns im Proberaum spielt eine Band, die halten gerade ein halbes Jahr ihre Klampfen in den Fingern, und jetzt spielen die Songs von SOUNDGARDEN! Ich kenne die Band ja gar nicht mal so richtig, aber es hört sich genauso an. Wenn du denen zuhörst, die können das – nach einem halben Jahr Gitarrespielen! Da frage ich mich, wo liegt da der Gehalt oder der tiefere Sinn der Musik, wenn jedes Kind das nach ´nem halben Jahr spielen kann?

 

MS: Das erstaunt mich. Es heißt, man könne von Grunge halten, was man wolle, die Bands seien wenigstens technisch gut. Scheinbar doch nicht, oder wie?

 

Jürgen: Ich glaub´s nicht. Ich habe mal was mitbekommen von einem Interview mit dem Drummer von NIRVANA (Dave Grohl). Der behauptet von sich selber, er spielt wahnsinnig schlecht Schlagzeug. Das, was er auf ihrer ersten Platte gebracht hat, war das Beste, was er kann, und das war wirklich schlecht. Das sagt er selbst.

Es gibt sicherlich auch in diesem Bereich Mucker, die was draufhaben. Aber mich hat das wirklich total überrascht.

 

MS: Kannst du mir mal erklären, worin die Bedeutung eines Produzenten liegt? Sind die wirklich so wichtig?

 

Jürgen: Ich will´s mal so sagen: Wenn du noch im Anfangsstadium bist, wo du wirklich ab und zu mal Tips brauchst, auf jeden Fall. Ich möchte nicht darauf verzichten.

Wenn du einen produktiven Produzenten hast, einen, der dir wirklich hilft und dir was bringt, dann ist das sehr gut.

 

MS: Mich wundert, daß auf den Platten der Produzent immer als Erster genannt ist, denn der Sound wird doch vom Engineer gemacht.

 

Jürgen: Oft ist der Produzent auch gleichzeitig Engineer. Ist das nicht der Fall, arbeitet der Engineer nach Anleitung des Produzenten, muß also genau das machen, was der Produzent will.

Wenn der sagt: „Schraub hier noch 12 Kilohertz in den Baß und nimm dafür an dieser Stelle noch etwas raus!“, muß der Engineer das machen.

 

MS: Hast du einen Wunschproduzenten?

 

Jürgen: Nein. Ich mein´, momentan ist das der Charlie, haha! Du mußt einen Produzenten aussuchen, wenn du dein Material fertig hast. Dann kannst du erst mit einiger Sicherheit sagen, wer dazu paßt.

Aber ich bin mit dem Sound auf unserer neuen Scheibe so zufrieden, ich möchte momentan keinen anderen.

 

MS: Da es derzeit nur wenige Bands gibt, die dir gefallen, hast du zuletzt bestimmt auch nur wenige Platten gefunden, die du magst, oder?

 

Jürgen: Ja, das stimmt. Das „Weiße Album“ von den BEATLES hat mir sehr gut gefallen; Tracy Chapman. Heavymäßig zieh´ ich mir gerade „Pull“ von WINGER rein. Die „DREAM THEATER Live“ hör´ ich mir auch ab und zu an, aber Aktuelles sehr wenig.

Dieses Interview erschien im TROUBADICKS #6

ENOLA GAY – Das Spektrum des Power Metals

Mittwoch, 28. März 2012

„F.O.T.H.“ ist nicht das Debüt blutiger Anfänger, das hört man sofort. Tatsächlich existieren ENOLA GAY bereits seit 1987, doch dauerte es eine Ewigkeit, bis die heutige Besetzung, bestehend aus Sänger Peter Diersmann, Rainer Rage und Cagge an den Äxten, Bassist Christian Meyer und Schlagwerker Marc Könnecke, beisammen war.

Da mir Shark-Boß Hucky Heppke vor meinem Gespräch mit den Osnabrückern die freie Auswahl ließ, entschied ich mich für Shouter Peter. Und der hatte allerhand zu erzählen.

 

 

MS: Euer Album bekommt verdientermaßen gute Kritiken, aber ich habe gelesen, die zwei Demos davor seien nicht so toll gewesen.

 

Peter: Das akzeptiere ich, kann es aber nicht nachvollziehen. ENOLA GAY haben insgesamt drei Demos gemacht, beim ersten war ich noch nicht dabei. Gerade das dritte Tape, von dem wir vier Songs auf die CD übernommen haben, ist überall gut angekommen.

 

MS: Was ist auf dem Cover dargestellt? Eine Kreissäge?

 

Peter: Nicht ganz. Das ist eine große Metallsäge. Am selben Ort, in der Glöcknerhalle eines stillgelegten Stahlwerkes in Osnabrück, haben wir auch ein Video gedreht.

Wir wollten kein Klischeecover, und da erschien uns die Säge ganz passend. Unsere Vorschläge sind von Seiten der Plattenfirma abgelehnt worden, daher haben wir uns auf das Bild geeinigt. Wir haben es am Computer ein wenig verfremdet und nachcoloriert. Ich denke, es ist ganz gut geworden.

 

MS: Ich wollte dieses Interview unbedingt mit dir machen, weil ich deine Texte für sehr gelungen halte. Was bedeutet der Ausdruck „Fly off the handle“ („F.O.T.H.“)?

 

Peter: Das ist Slang und bedeutet „vor Wut platzen“, also die Kontrolle über sich zu verlieren. Das versuche ich auch im Text zu beschreiben: wie es einem geht, wenn man sich richtig aufregt, sich am liebsten gehenlassen möchte, das aber nicht kann. Bis es irgendwann doch passiert und man… vor Wut platzt halt!

 

MS: Zuerst hatte ich gedacht, daß es in dem Stück um ein Computergame geht, einmal wegen dem Intro und auch wegen der Vocal-Effects am Anfang von „F.O.T.H.“. Das hat mich ein wenig an „Neue Regel“ von QUEENSRYCHE erinnert.

 

Peter: Das Intro ist von „F.O.T.H.“ völlig unabhängig zu sehen. Das haben wir genommen, weil unser Gitarrist Rainer der absolute Flipperspezialist ist. Was man da hört, ist die Musik, die dieser Automat spielt, wenn man einen Bonus holt.

 

MS: Wegen der Spielhallengeräusche bin ich auch auf die Idee mit dem Computerspiel gekommen. – Bei „Close-Cropped-Head“ bietet ihr eine ziemlich radikale Lösung für das Rechtsradikalen-Problem an…

 

Peter: Ich weiß schon, du spielst auf den letzten Satz an („I offer: You shall better commit suicide“). Nun, wir schlagen was vor. Es wäre aber besser, wenn du nicht nur einen Satz rausgreifen, sondern den ganzen Text lesen würdest.

 

MS: Aber darauf läuft der Text doch hinaus, oder nicht? Auch seine Wirkung wäre ganz anders, wenn diese letzte Zeile fehlen würde.

 

Peter: Ja, es spitzt sich alles auf diesen Satz hin zu, wo man einfach die Schnauze voll hat, wenn man das immer wieder sieht, was da passiert.

Im Moment hat sich das Gott sei Dank wieder etwas beruhigt, aber als ich den Text geschrieben habe, war diese Thematik leider gerade aktuell.

 

MS: Ich habe den Eindruck, daß sich Power Metal für einigermaßen niveauvolle Lyrics besonders gut eignet, ohne daß es aufgesetzt und billig wirkt.

 

Peter: Grundsätzlich kann man gute Texte überall einsetzen. Ich weiß nicht, worauf du mit deiner Frage hinauswillst…?

 

MS: Nun, ich kenne keine Power Metal-Band, die durchschnittliche Texte ohne Aussagen hat. Zu diesem Stil passen tiefergehende Inhalte am besten, finde ich.

 

Peter: …weil´s ´ne ziemlich ernste Musik ist. Es war schon immer eine Musik mit erhobenem Zeigefinger und anprangernden Themen. Wenn man Fun Punk macht, bietet sich sowas nicht unbedingt an, haha!

 

MS: Der Name ENOLA GAY verpflichtet in gewisser Weise doch auch zu halbwegs vernünftigen Texten, nicht? Denn so hieß bekanntlich der Jet, der die Atombombe auf Hiroshima warf.

 

Peter: Ja, denke ich schon. Ich habe auch keine Lust, was Banales zu machen, ich mach´ mir schon Gedanken. Obwohl man natürlich ein wenig gehandicapt ist, allein dadurch, daß man Deutscher ist.

 

MS: Keine Panik, du machst deine Sache sehr gut.

Darauf gekommen, mich bei euch besonders auf die Texte zu konzentrieren, bin ich durch „Bad News“. Die Presse ist ja mittlerweile die vierte Macht im Staate. So wie ich es mitkriege, wird diese Macht nicht nur von der Boulevardpresse, sondern auch von kleineren Blättern ausgenutzt.

Ich meine, daß sich nicht nur die Pressefritzen, sondern alle Menschen mal darüber klar werden sollten, daß Worte die gefährlichste Waffe der Welt sind.

 

Peter: Die Medien lenken und pushen ununterbrochen; alles dahin, wo sie es hinhaben wollen. Speziell im Golfkrieg war das so, was mich dazu bewogen hat, den Text zu schreiben.

Der Boß von CNN (Ted Turner; nebenbei Ehegatte von Jane Fonda) hat damals gesagt: „Bad news are good news!“ Damit macht er halt sein Geld, das vermarktet er. Im Grunde befriedigt er nur die Sensationsgeilheit der Leute, die sowieso in ihnen steckt.

Der Punkt, wo es nicht mehr in Ordnung ist, ist der: Sie schlachten alles dermaßen aus, arbeiten nur damit, gehen dafür über Leichen, um damit Geld zu machen. Darum geht’s eigentlich!

 

MS: Ebenfalls erwähnenswert finde ich „Last Generation“. Glaubst du, daß man, wenn man etwas mehr Wert als bisher auf eine vernünftige Erziehung legen würde, schon etwas ändern könnte?

 

Peter: Ja, das passiert heute schon zum Teil. Trotzdem ist es nach wie vor ein Problem wie viele Kids auf die Menschheit losgelassen werden. Sie werden von ihren Eltern nicht genau genug vorbereitet, was das Leben bringen kann, was einen erwartet, wenn man erwachsen wird. Wenn man sich entschließt, Eltern zu werden, sollte man darauf achten, daß man seine Kinder richtig leitet.

Heute geht es nur noch um Konsum, darum, möglichst schnell möglichst weit nach oben zu kommen.

 

Offenbar sind sich viele Ehepaare nicht bewußt, daß ihre Erziehung das ganze Leben eines jungen Menschen beeinflußt. Sie ziehen es halt so durch, weil sie es müssen.

 

Peter: Das Ende vom Lied ist, daß das Kind nichts taugt, wenn es keine Nike-Turnschuhe hat. Es muß diesen Markenwahnsinn mitmachen, um nicht außen vor zu sein.

Dazu kommt noch, daß viele Kinder nicht gewollt sind. Trotz Verhüterlis.

 

MS: „Spectrum Of Colours“ ist wohl ein Stück vom letzten Demo (ich weiß das, weil das Tape genauso hieß). Beschreibst du darin, wie ihr komponiert?

 

Peter: Ich vergleiche darin die Arbeit eines Malers mit der eines Musikers. Wie er sein Bild langsam Gestalt annehmen läßt, so setzt ein Musiker die einzelnen Fragmente eines Liedes zusammen. Bild und Song sind ein unterschiedlicher Ausdruck derselben Sache.

 

MS: Hast du auch mit der Musik zu tun, oder schreibst du nur die Texte?

 

Peter: Ich schreibe außerdem die Gesangsmelodien und wirke an den Arrangements mit.

 

MS: Man merkt der Platte an, daß ihr das Material über einen längeren Zeitraum zusammengetragen habt. Eine Bandbreite von „Never Be Without A Friend“ bis zu „Doomwatch“ entsteht nicht innerhalb einer Woche.

 

Peter: Sicher nicht! Wir haben Titel vom letzten Demo dazugenommen. „Close-Cropped-Head“ und „Last Generation“ sind danach entstanden, die anderen vor dem Demo.

Das ist bei einem Debütalbum wohl immer so, daß viel altes Material verwendet wird.

 

MS: „Welcome“ ist ja oberzynisch, hähä! Manches läßt sich anders wohl auch nicht mehr ertragen.

 

Peter: Gerade bei globalen Problemen, die sich ständig häufen und immer schlimmer werden, kommt man sehr schnell an diesen Punkt. Man muß das meiner Meinung nach von unten anpacken, daß jeder einzelne damit ein wenig bewußter umgeht.

Ich finde aber auch, daß mittlerweile schon viel passiert ist. Vor allem ist das Bewußtsein für diese Probleme viel stärker geworden. Umweltverschmutzung wird nicht mehr mit derselben Sorglosigkeit betrieben wie vorher im Industriezeitalter.

Trotzdem denke ich, daß es bestimmt noch härter kommen wird. Eigentlich müßten alle Autos weg! Das ist auch eine radikale Lösung, die aber nicht vertretbar ist.

 

MS: Was hit dich veranlaßt, „Never Be Without A Friend“ zu schreiben?

 

Peter: Einen direkt Anlaß dafür gab es nicht, aber ich hatte früher einmal einen Freund, zu dem ich die Beziehung irgendwann völlig abgebrochen habe. Irgendwann fiel mir auf, daß da etwas fehlte. Daraufhin habe ich diesen Text geschrieben.

Ebenfalls inspiriert wurde ich durch „Fishermen´s Friend“! Auf der Packung steht der Satz: „Never be without a friend“, haha!

 

MS: Geht es in „Doomwatch“ um AIDS?

 

Peter: Nicht nur um AIDS, „Virus“ kann alles mögliche sein. Zur Zeit kommen ja noch mehr Krankheiten hoch, allein schon durch unsere Lebensweise.

 

MS: „The Sign“ ist ein Text, den ich überhaupt nicht verstanden habe.

 

Peter: Das ist ein „Nostradamus-Text“. Es geht um jemanden, der alles „gesehen“hat. Er möchte, die Menschen warnen, aber die hören einfach nicht auf ihn und zerstören sich im Endeffekt selber.

 

MS: Würdest du sagen, daß die Menschen aus ihren Fehlern nichts lernen?

 

Peter: Sie lernen schon, sie sind ja ziemlich intelligent. Aber sie setzen es nicht um, machen immer so weiter, wie sie es gewohnt sind.

Mit „intelligent“ meine ich, daß der Mensch sein Leben genießen kann und die größte Lebenserwartung hat. Die Möglichkeiten sind vorhanden, doch es wird nicht das Beste daraus gemacht. Obwohl sich wie gesagt einiges in die richtige Richtung bewegt. Doch aufgrund der Intelligenz des Menschen hätte es gar nicht erst so weit kommen dürfen.

 

MS: Tja, im Zweifelsfall ist die Gier halt stärker als die Vernunft. – „Now Or Never“ beschreibt am Schluß wohl einen Traum, hm?

 

Peter: Ja, einen Tagtraum. Einfach mal einen Tag lang tun, wozu man Lust hat. Etwas, was sich wohl jeder schon mal gewünscht hat. Mit Anarchie hat das aber nichts zu tun.

 

MS: Hab´ ich auch nicht angenommen.

 

Peter: Danach haben schon einige Leute gefragt. Das ist allerdings viel zu weit gedacht. Ein Aussteigertext? Ja, schon irgendwie. Klar, die Existenzangst, die damit verbunden wäre, schreckt viele ab, diesen Schritt zu wagen. Jeder muß schließlich Geld verdienen. Wer macht denn schon, wozu er Lust hat? Wer hat seinen Traumjob? (Ich! Bringt nur leider nix ein, zumindest nicht finanziell! – MS) Wichtig ist der Verdienst; was man eigentlich macht, ist im Grunde egal. Das ist das Traurige.

 

MS: Ist es sehr utopisch, zu glauben, daß ihr mit eurer Musik mal euren Lebensunterhalt verdienen könnt? Ich weiß, das ist in Deutschland sehr schwer.

 

Peter: Nicht nur in Deutschland. Ich glaube, weltweit ist es schwierig, mit Musik, wie wir sie spielen, noch groß was zu reißen. Obwohl, an den letzten Charts kann man sehen, daß sich da wieder was tut: METAL CHURCH, SAXON, GRIP INC…. Von daher kann man hoffen, daß man einen kleinen Teil vom Kuchen abkriegt oder sich zumindest in Deutschland einigermaßen etablieren kann.

Man sollte auch mal erkennen, daß auch deutsche Bands gute Musik machen und es wert sind, unterstützt zu werden. Wobei man sagen muß, daß selbst die großen Bands wie VICIOUS RUMORS ziemlich bescheiden geworden sind. Die waren oft kurz davor, haben den großen Sprung aber nie geschafft. Völlig unverständlich eigentlich.

Dieses Interview erschien im TROUBADICKS #7

SLAUGHTER – Auferstanden aus Ruinen

Montag, 26. März 2012

Aus heiterem Himmel fand ich die neue SLAUGHTER in meiner Post. „Fear No Evil“ heißt das dritte Lebenszeichen einer Band, von der ich nicht gedacht hatte, überhaupt nochmal was zu hören. Rotz und Wasser habe ich nach der langen Pause nach „The Wild Life“ (1992) nicht geheult, da ich mit dem Ami-Quartett nie etwas anfangen konnte.

Bei „Fear No Evil“ sieht das anders aus. Die Platte gefällt mir aus verschiedenen Gründen sehr gut, wenngleich SLAUGHTER noch zu weit mehr in der Lage sind.. Die 12 Songs und Mark Slaughters stark verbesserter Gesang lassen den Vierer allemal optimistisch in die Zukunft schauen. Entsprechend zufrieden tönt die Stimme von Drummer Blas Ellias aus der Muschel:

 

 

Schön, daß dir die Scheibe gefällt! Ich stimme dir zu, daß wir durch Marks neue Art zu singen unheimlich gewonnen haben. Er singt nicht mehr nur hoch, ist viel variabler geworden. Wir wollten Neues ausprobieren, und so hat er mit unterschiedlichen Tonlagen experimentiert.

Wir haben die Freiheit dazu, da „Fear No Evil“ für uns praktisch ein Neubeginn ist. Bei unserem Debüt „Stick It To Ya“ (1990) hatten wir viel Spaß im Studio. Als die Scheibe dann lange nach ihrer Veröffentlichung plötzlich abging wie eine Rakete, merkten wir, daß Erfolg auch eine Schattenseite hat. Wir mußten uns einschränken und uns den Normen von MTV und Radio unterwerfen, bzw. dem, was wir dafür hielten.

Jetzt bei unserem dritten Longplayer hat sich die Musikindustrie verändert, so daß wir keinen Grund sahen, uns irgendwem anzupassen. Der Markt ist ganz anders geworden, was in meinen Augen für alle Bands von Vorteil ist.

 

MS: Dann siehst du die dreijährige Pause als positiv für euch?

 

Blas: Ja, durchaus, obwohl es keine Absicht war. Wir haben den Spaß wiedergefunden, und das wäre höchstwahrscheinlich nicht der Fall gewesen, wenn wir so weitergemacht hätten wie bisher.

Der Hauptgrund für die lange Funkstille waren jedoch persönliche Probleme, die wir hatten. Umso höher ist es zu bewerten, daß immer noch dieselben Leute in der Band sind (außer Blas und Mark bestehen SLAUGHTER noch aus Gitarrist Tim Kelly und Bassist Dana Strum – MS).

Durch den ganzen Trouble fühlen wir uns einander jetzt viel näher und sind in der Lage, sehr emotionelle und intensive Songs zu schreiben.

 

MS: Ja, das waren auch meine Gedanken. Meine Lieblingstitel auf „Fear No Evil“ sind übrigens die letzten beiden, „Outta My Head“ und „Unknown Destination“.

 

Blas: Damit eröffnen wir unsere Live-Shows. Wir haben bisher erst ein paar Gigs in den Staaten absolviert, eine Promotour in Japan gemacht, und jetzt sind wir für zwei Tage hier in Deutschland. In Amerika äußern sich die Leute sehr wohlwollend über unsere neuen Songs. Die Verkäufe sind ansprechend, die Shows waren ausverkauft.

Wir haben bisher nur positives Feedback erhalten. In Deutschland kommt das Album jetzt erst raus. Es dürfte vielen etwas völlig Neues sein, weshalb wir etwas unsicher sind. Wir sind uns über unsere Erwartungen nicht im Klaren, denn die Geschmäcker sind ziemlich verschieden. Drüben mögen sie Balladen wie „Hard Times“, in Europa stehen die Kids mehr auf härteren Stoff wie „Get Used To It“ und „Outta My Head“. Wir sind mächtig gespannt auf die Reaktionen.

Wir haben zwar „Searchin´“ als erstes Video ausgewählt, das soll aber nicht unbedingt auch unsere erste Single sein. Die Radiostationen können spielen was sie wollen. Das hat sogar den Vorteil, daß die Fans viele Seiten des Albums kennenlernen.

 

MS: Sollen die Geräusche am Ende von „Unknown Destination“ die verschiedenen Richtungen ausdrücken, in die sich die Menschheit in Zukunft entwickeln kann?

 

Blas: Wir hatten CDs mit Soundeffekten, von denen wir einfach ein paar Auszüge verwendet haben. Sie beziehen sich auf die ganze Platte, nicht nur auf dieses eine Stück. Es sind soviele unterschiedliche Sounds darauf enthalten, psychedelische, Heavy, Country – alles Mögliche. Wir wollten soviel wie möglich dem Hörer überlassen, deshalb haben wir auch keine Texte beigelegt und lediglich Stimmungen erzeugt. Wie der Hörer mit ihnen umgeht, ist ganz und gar seine Sache. Wir hatten von diesen vorgefertigten Sachen, die man auf MTV eingetrichtert bekommt, die Schnauze voll!

 

MS: Besonders interessant finde ich „Hard Times“.

 

Blas: Die Nummer ist ein gutes Beispiel für unseren Versuch, einen Schritt weiterzugehen. Inhaltlich hat es uns geholfen, den Mist, den wir in den letzten Jahren mitmachen mußten, zu verarbeiten. Jeder muß harte Zeiten überstehen und irgendwie damit fertig werden. Es geht dabei nicht um ein bestimmtes Ereignis, sondern um ein mieses Gefühl.

 

MS: Allgemein muß ich sagen, daß euch die längeren Lieder hervorragend gelungen sind, Vielleicht solltet ihr euch in Zukunft noch stärker auf epische Tracks konzentrieren?

 

Blas: Vielleicht liegt das daran, daß wir uns mehr Zeit gelassen und soviel herumprobiert haben. Wir wollten all diesen traditionellen Kram, den man angeblich genau beachten muß, wenn man Erfolg haben will, hinter uns lassen. Weg vom Drei-Minuten-Schema, vom Strophe-Refrain-Strophe-Solo-Fade-Aufbau.

Das ist uns, auch bedingt durch die lange Pause, schon recht gut gelungen, aber noch längst nicht so, wie wir es uns vorstellen. Ist doch logisch: Wenn man jahrelang in festgelegten Bahnen denkt und sich dann entschließt, diese zu verlassen, geht das nicht von Heute auf Morgen. Wir wußten ja nicht einmal, ob die Leute, die uns damals gepusht haben, überhaupt noch was von uns wissen wollen.

Somit brauchten wir auf solche Überlegungen ebenfalls keine Rücksicht zu nehmen. Wir schmissen all diesen Ballast ab und konnten völlig befreit aufspielen, was man deutlich hören kann. Dies wollten wir so weit wie möglich vorantreiben.

Für den Moment sind wir damit zufrieden, daß soviel von jedem von uns in diese Platte hineingeflossen ist. Dieses persönliche Element macht „Fear No Evil“ für uns zu etwas ganz Besonderem.

 

MS: Ihr habt zwei kurze Instrumentals („Devine Order“ und „Prelude“) auf der CD. Einfach so, oder erfüllen die irgendeine Funktion?

 

Blas: Es steckt kein großartiger Sinn dahinter. Alles was man auf der Platte hört, ist das Ergebnis von Versuchen. Mit nichts kannst du besser Stimmungen erzeugen als mit einem Instrumental, weil der Gesang als Orientierungspunkt fehlt, und so die Musik voll auf den Hörer wirkt.

Und obwohl es für jeden dieselben Töne sind, rufen sie in jedem andere Bilder und Gefühle hervor, sogar innerhalb der Band.

Dasselbe bei den Texten: Wenn wir einen Song hören, der uns etwas bedeutet, kann es sein, daß dies etwas völlig anderes ist, als der Verfasser im Sinn gehabt hat. Deshalb haben wir beschlossen, durch das Nichtabdrucken der Texte dem Hörer die Interpretation von vorneherein selbst zu überlassen. Die Bedeutung, die ein Stück für dich hat, hängt von deiner Situation ab, von deiner Stimmung, von allem, das auf dich einwirkt.

Das macht aber gar nichts, viel wichtiger ist, daß dir das Lied etwas gibt, egal was und warum. Ein Textblatt lenkt nur davon ab. Es ist sehr limitierend, jedes Wort zu erkennen. Hear the lyrics the way you wanna hear it!

 

MS: Mark und Dana schreiben alle Songs. Wie würdest du sie als Songwritingteam beschreiben?

Blas: They do really well! Wir schreiben die Musik alle zusammen als Band, als Live-Jam. Mark und Dana schreiben dann die Texte und die Gesangsmelodien. Textlich verarbeiten sie Gefühle, die jeder kennt, die jeder nachvollziehen kann. Es macht deshalb so großen Spaß, diese Songs zu spielen, weil sie nicht nur einen von uns betreffen, ein Erlebnis, das er gehabt hat. Wir können uns alle damit identifizieren. Nur weil Mark eine persönliche Erfahrung beschreibt, heißt das nicht, daß ich seine Schilderung nicht nachvollziehen kann. Es könnte mir genauso passieren.

Dieses Streetlevel ist bei uns echter als bei den meisten Bands. Ich meine nicht diese „Tough Guy“-Sprüche, sondern einfach, daß wir über uns selbst schreiben.

 

MS: Kann man aus der Tatsache, daß ihr jetzt bei einem Independent-Label seid (Steamhammer aus der SPV-Gruppe), schließen, daß ihr Europa in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken wollt?

 

Blas: Ja, definitiv. Das letzte Mal, daß wir hier sein sollten, war, als der Golfkrieg ausbrach. Einen Tag, bevor wir in Deutschland loslegen wollten, sagte man uns, wir müßten wegen des Krieges nach Hause zurückkehren. Wir wollten das immer nachholen, fanden bisher aber nicht die Zeit dazu.

In Anbetracht der Tatsache, daß wir hier nie richtig präsent waren, lief es, was die Verkäufe betrifft, für uns immer toll. Wir mögen diesen Markt. Selbst wenn dem nicht so wäre, sind wir durch das Label geradezu gezwungen, in Deutschland größere Aktivitäten zu starten.

Wir haben ein sehr gutes Gefühl, denn die Leute von SPV stecken richtig in der Materie drin, wogegen bei EMI mehr Businessmen waren. Sie sprachen dauernd von kooperation und wollten Geld machen. Die Leute unserer Firma hier mögen die Musik mehr, einige sind sogar selbst Musiker. Diese Situation ist wesentlich angenehmer für uns.

 

MS: Ihr solltet Deutsch lernen, haha!

 

Blas: Jemand vom Label versucht, uns ein paar Worte beizubringen, so daß wir wenigstens einigermaßen klarkommen.

 

MS: Wie klingt die deutsche Sprache in deinen Ohren?

 

Blas: Als ob jemand auf Englisch versucht, rückwärts zu sprechen, hahaha! Ich muß aber sagen, daß die Menschen hier einen extrem freundlichen Eindruck machen.

Das war in England ganz anders: Wir sind auf die Leute zugegangen, haben sie gefragt, wie es ihnen geht. Drei haben uns überhaupt zur Kenntnis genommen, einer hat „Hallo“ gesagt. Alle andere haben uns angestarrt, als ob wir nicht ganz bei Trost wären, sich umgedreht und das Weite gesucht. Dagegen überschlagen sich die Menschen hier fast vor Freundlichkeit.

 

MS: Möchtest du sonst noch was loswerden?

 

Blas: Zunächst möchte ich mich bei allen unseren Fans entschuldigen, die Karten für unsere letzte Show hatten. Wir hatten keinen Einfluß darauf, konnten uns nicht aussuchen, ob wir die Gigs canceln wollten oder nicht. Wir setzen alles daran, im Herbst zurückzukommen und das Versäumte nachzuholen.

Die Leute, die uns noch nicht kennen, möchte ich bitten, uns eine faire Chance zu geben und sich unser neues Album ohne Vorbehalte anzuhören. Viele trauen sich allein wegen unseres Namens nicht an uns ran. Wenn du es vielleicht auch nicht magst, so hast du es wenigstens versucht, haha!

 

MS: Hat euch euer Name in der Vergangenheit große Probleme bereitet?

 

Blas: Eine Zeitlang. Das häufigste Mißverständnis war natürlich, daß einige dachten, wir seien härter, eine Thrashband eben. Einige, die sich in der amerikanischen Musikszene eben besser auskennen, stufen uns als Popband ein. Beides ist gleich falsch.

Dieses Interview erschien im TROUBADICKS #7