SCORPIONS – Unbreakable
Sonntag, 29. April 2012(BMG/BMG Ariola)
13 Tracks, 56:36 min.
Ein solides, absolut kaufenswertes Album legen die SCORPIONS mit ihrer aktuellen CD „Unbreakable“ vor. Das war in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten. Der letzte echte Kracher aus der Hannoverschen Stahlschmiede liegt satte elf Jahre zurück, nannte sich „Eat The Heat“ und fegte wie ein Orkan aus den Boxen.
„Pure Instinct“ von 1996 kam da vor allem in punkto Intensität bei weitem nicht heran (die vier Balladen auf der Platte trugen daran die Hauptschuld). Mit „Eye II Eye“ (1999) verzettelten sich die einstigen Vorzeigerocker auf der (löblichen!) Suche nach neuen Wegen, um sich hernach mit „Moment Of Glory“ (2000) und „Acoustica“ (2001), auf denen Altbekanntes im Orchester- bzw. Akustikgewand präsentiert wurde, schleunigst wieder auf sicheres Terrain zu begeben.
Somit ist „Unbreakable“ die erste Produktion mit komplett neuem Material seit fünf Jahren. Natürlich sind die 13 neuen Songs maßgeblich von Routine geprägt. Davon besitzen die SCORPS mehr als 99,9 % aller Bands dieses Planeten. Aber dahinter ist wieder ein Hauch des früheren, verloren geglaubten Spirits zu spüren.
Der Breitwand-Opener „New Generation“ mit seinem Kinderchor am Ende ist interessant, auch die Lyrics von Klaus Meine gefallen mir. Die Glanzpunkte setzen jedoch andere Titel: die bewußt schlicht gehaltene Goodtime-Nummer „Blood Too Hot“ und der Jabs-Fetzer „This Time“, beides handfeste Rocker, wie wir sie in den letzten Jahren schmerzlich vermißten. Oder der kommende Bühnenfeger „Someday Is Now“. Oder „Through My Eyes“, das für meinen Geschmack am stärksten das typische, packende SCORPIONS-Flair versprüht. Nicht zu vergessen das zunächst eher unauffällige „Can You Feel It“ mit dezent modernen Einflüssen und Talkbox.
Ein paar schwächere Titel wie „My City My Town“ oder „Borderline“ sorgen für Abzüge in der B-Note, besitzen aber immer noch genug Drive, um nicht entnervt die Skip-Taste zu betätigen.
Als einziger echter Ausfall muß die bereits von Gottschalks „50 Jahre Rock“-Show bekannte Pseudohymne „Remember The Good Times“ bezeichnet werden, da sie trotz prominenter Schützenhilfe von Eric Bazilian (HOOTERS) konstruiert klingt und nicht richtig aus dem Quark kommt (Bloß keinem wehtun, was?). Wenn man sich vor Augen hält, was für Hammersongs der Mann für seine Band oder für AMANDA MARSHALL geschrieben hat, ist dieses Liedchen als klarer Ausrutscher zu werten.
Nicht ganz nachvollziehen kann ich übrigens, daß sich in fast jedem Review über „Maybe I Maybe You“ mokiert wird. „Holiday“ oder „When The Smoke Is Going Down“ waren Balladen der gleichen Art und Instrumentierung, kamen textlich ebenfalls ähnlich naiv daher, und keiner hat sich dran gestört. Außerdem zeigt gerade dieses Stück, daß Klaus Meine nach wie vor ein verdammt ausdrucksstarker Sänger ist. Und besser als die zweite, arg konventionelle Ballade „She Said“ ist es auch!
Vom sterilen „Savage Amusement“ (1988), dem Tiefpunkt unter ihren klassischen Hardrock-Alben (die Band bzw. ihr Produzent Dieter Dierks versuchte damals, ihr/sein eigenes „Hysteria“ zusammenzuwürgen. Das Ergebnis war katastrophal: Das Ding ist eiskalt, einfach UNERTRÄGLICH!!!), ist „Unbreakable“ zum Glück meilenweit entfernt.
Rudolf Schenker und seine Jungs sind in der Tat unverwüstlich und endlich wieder auf dem richtigen Weg. Und auch wenn ein Schädelspalter der Marke „Alien Nation“ fehlt: In dieser Form können die SCORPIONS optimistisch in die Zukunft blicken.
Dieses Review erschien im METAL OBSESSION #16